Jetzt soll Google helfen

USA: Versagt Trump in der Corona-Krise? „Ich trage überhaupt keine Verantwortung“

US-Präsident Donald Trump ruft unter der Corona-Krise den nationalen Notstand aus. Aber die Regierung wirkt überfordert. Jetzt sollen private Firmen helfen.

Washington - Donald Trumps Umgang mit dem Coronavirus wirft so einige Fragen auf. Nach dem Kontakt mit einer infizierten Person wollte sich der US-Präsident* anfangs nicht einmal testen lassen. Unterschätzt er die Situation? 

Coronavirus: Donald Trump ruft nationaler Notstand aus - aber wie ernst nimmt er die Krise?

Dieser Eindruck bleibt. Auch, nachdem der vermögende 73-Jährige* am Freitagnachmittag den nationalen Notstand ausrief. Die Pressekonferenz zur Corona-Krise* hatte er schon betont entspannt eingeleitet. „Es ist ein wunderschöner Tag im Rosengarten“, stellte Trump fest und erklärte später „ich rufe ofiziell den nationalen Notstand aus. Das sind zwei sehr große Wörter.“

Nationaler Notstand wegen Corona: Donald Trump wurde zur Entscheidung gedrängt

Damit vollführt Trump einen Schritt, zu dem er von den Demokraten vehement gedrängt wurde. Etwa 50 Milliarden Dollar werden dadurch für die Bekämpfung der Pandemie freigesetzt. Krankenhäuser sollen nun finanziell unterstützt werden. 

Obwohl der Präsident also dem Rat vieler demokratischer Politiker folgt und daraufhin auch die Arbeit in Kalifornien, New York und Washington - allesamt regiert von Gouverneuren der Demokraten - lobt, nimmt er einen Gesetzesvorschlag zum Anlass, erneut heftig gegen seinen politischen Gegner zu schießen. „Die Demokraten tun nicht, was gut ist für unser Land“, schimpft er über die Idee einer Lohnfortzahlung im Krankheits- oder Quarantänefall, wie sie beispielweise in Deutschland üblich ist*. 

Corona-Krise in den USA: Donald Trump übernimmt „überhaupt keine Verantwortung“

Dabei offenbaren die USA ein ganz anderes Problem. Es werden sehr viel zu wenige Corona-Tests angeboten, die dann auch noch sehr teuer werden, so der Vorwurf. „Ich trage überhaupt keine Verantwortung“, nimmt sich Trump auf diese Frage aus der Schusslinie und kündigt fünf Millionen Tests für den kommenden Monat an - „vermutlich“.

Corona: Private Firmen sollen Donald Trump helfen - Tests im US-Style

Diese Tests sollen dann - typisch amerikanisch - im Auto stattfinden. Nicht einmal aussteigen sollen die Patienten für diesen Drive-In-Check. 

Und hier kommen die privaten Firmen ins Spiel, die die US-Regierung aus dem Corona-Schlamassel ziehen sollen. Vor allem Google, Walmart und der Drogeriekette CVS kommen wichtige Rollen zu.

Google soll bereits 1.700 Mitarbeiter für die Vorbereitung eines Online-Fragebogens abgestellt haben, erläutert Trump, dieser werde über die Website der US-Coronavirus-Task-Force abrufbar sein. Fällt die Befragung positiv aus, soll dem Betroffenen hier direkt mitgeteilt werden, wo sein Test stattfinden wird. Handelsketten, allen voran Supermarkt-Gigant Walmart, stellen ihre Parkplätze dafür zu Verfügung.

Donald Trump: US-Regierung in Corona-Krise ohne Unterstützung überfordert?

Große Pläne, die Donald Trump aufzeichnet. Ohne die Unterstützung der Firmen, wäre die US-Regierung dahingehend allerdings auf verlorenem Posten. „Good job“, lobt der Präsident die zehn Firmenchefs, nachdem sie jeweils ein paar Worte an die Medienvertreter richten durften. Gesundheitsminister Alex Azar bleibt dazwischen fast unsichtbar.

Scheinbar wird eine große Reaktion auf die Pandemie in die Wege geleitet. Tatsächlich geschehen, ist bislang allerdings wenig. Vielen geht es nicht schnell genug, in Anbetracht der stetig steigenden Infektionszahlen und hohen Ansteckungsgefahr* nicht zu weit hergeholt.

Coronavirus: Donald Trump unter Verdacht - seinen Test schiebt er vor sich her

Derweil führte Donald Trump selbst seinen eigenen Test erst spät durch. Beim Staatsbesuch des brasilianischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro hatte er Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Mitarbeiter seines Gastes*. Er werde den Corona-Test „sehr wahrscheinlich, relativ bald“ durchführen, er zeige aber schließlich auch keine Symptome*, blieb Trump am Freitag noch vage, er kenne den Mann auch nicht. Sprecherin Stephanie Grisham bezeichnete die Kontrolle gar als nicht notwendig. Mittlerweile soll der Test allerdings erfolgt sein, Ergebnisse werden in ein bis zwei Tagen erwartet.

In Sachen Corona-Politik entschied sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag für ihre traditionelle Videoansprache - dabei appellierte sie an die Bevölkerung.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Redaktionsnetzwerks von Ippen-Digital

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa / Evan Vucci

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