„Systematischer Rassismus“

Trauerfeier für George Floyd: Emotionale Rede seiner Nichte – „Wann war Amerika jemals großartig?“

Bei der Trauerfeier für George Floyd hält Joe Biden via Videoansprache eine sehr persönliche Trauerrede. Floyds Nichte schlägt härtere Töne an und fordert Gerechtigkeit.

  • Vor der Beerdigung von George Floyd hat sich Joe Biden mit der Familie des Getöteten getroffen. 
  • Biden selbst nimmt nicht an der Beisetzung teil, hält aber via Videoansprache eine sehr persönliche Trauerrede.
  • Der US-Bürgerrechtler William Lawson ruft indirekt zur Abwahl von Donald Trump auf.

+++ 22.50 Uhr: An der mehrere Stunden dauernden Trauerfeier für George Floyd haben auch Angehörige anderer Opfer von Gewalt gegen Afroamerikaner in den USA teilgenommen. So waren der Vater des im Februar getöteten Joggers Ahmaud Arbery und der Vater des 2014 erschossenen Michael Brown am Dienstag (09.06.2020) in der Kirche in Houston, wo von Floyd Abschied genommen wurde. 

Der Bürgerrechtler Al Sharpton rief sie während einer flammenden Rede gegen Rassismus namentlich auf. Diese Familien „verstehen den Schmerz besser als jeder andere, weil sie den Schmerz durchgemacht haben“, sagte Sharpton. Die Familien seien gekommen, um an der Seite von George Floyds Familie zu stehen. Sharpton dankte auch Oscar-Preisträger Jamie Foxx und Singer-Songwriter Al B. Sure! für ihr Kommen.

Trauerfeier für George Floyd: Bürgerrechtler ruft zur Abwahl von Donald Trump auf

+++ 22.19 Uhr: Der US-Bürgerrechtler William Lawson hat bei der Trauerfeier für George Floyd indirekt zur Abwahl von US-Präsident Donald Trump aufgerufen. Der Kampf zur Überwindung von Rassismus dürfe nach der Beerdigung von Floyd nicht aufhören, sagte der emeritierte Pastor in Houston. 

„Wir können sicherstellen, dass wir den Kampf nicht stoppen.“ Unter dem Beifall der Trauergäste fügte Lawson hinzu: „Natürlich müssen wir als erstes das Weiße Haus ausfegen.“ Donald Trumps Namen nannte er dabei nicht.

Trauerfeier für George Floyd: „Bewegung wird die Welt verändern“

+++ 21.30 Uhr: Aus George Floyds Tod habe sich eine Bewegung formiert, sagte Reverend William Lawson, emeritierter Pfarrer der Wheeler Avenue Baptist Church, bei Floyds Trauerfeier in Houston. „Und diese Bewegung wird nicht nach zwei, drei Wochen oder einem Monat aufhören. Diese Bewegung wird die Welt verändern.“

Emotionale Rede von George Floyds Nichte – „Wann war Amerika jemals großartig?“

+++ 20.31 Uhr: Mit brüchiger Stimme spricht schließlich die Familie von George Floyd über ihn. Seine Tante erzählt, sie habe ihn noch immer als kleinen frechen Buben in Erinnerung. Sie ruft alle Familien kleiner schwarzer Jungen dazu auf, sie zu „lieben und zu umarmen, da man nie weiß, wie lange man sie noch hat“. „Er war mein persönlicher Superman“, sind die wenigen Worte, die George Floyds Bruder über die Lippen bringt.

Beerdigung von George Floyd: Seine Nichte fordert Gerechtigkeit

Brooke Williams, die Nichte von George Floyd, schlägt härtere Töne an, die Wut über den Tod ihres Onkels ist ihr anzumerken. Sie erinnert an das Unrecht, das geschehen ist. An den schrecklichen Tod, den George Floyd gestorben ist. Am Boden liegend und um sein Leben flehend. Sie erinnert an das Motto von Donald Trump „Make America great again“ und fragt: „Wann war Amerika jemals großartig?“ 

Sie beendet ihre Rede mit einer Forderung nach Gerechtigkeit und den Worten: „Amerika, es ist Zeit für Veränderung. Auch, wenn es dafür mehr Proteste geben muss. Keine Gerechtigkeit, keinen Frieden!“

Trauerfeier für George Floyd: Flammende Rede von Al Green

+++ 19.58 Uhr: Der texanische Demokrat Al Green hält auf der Beerdigung von George Floyd eine flammende Rede gegen Rassismus und Ungerechtigkeit in den USA. George Floyd habe nicht nur die USA verändert, sondern die ganze Welt. Alle gemeinsam hätten die Verantwortung, dass nach der Beerdigung ein Wandel stattfände, dass nicht alles wieder werde wie zuvor.

Endlich gebe es ein Gesetz dagegen, seinen Fuß auf den Nacken eines Menschen zu stellen. Aber das reiche nicht. Al Green fordert ein „department of reconciliation“ für das, was in Sklaverei und Segregation an Unrecht getan wurde.

Live: Joe Biden spricht auf der Beerdigung von George Floyd

+++ 19.43 Uhr: Joe Biden wendet sich in seiner Rede auf der Beerdigung von George Floyd zuerst an die Familie und an die Freunde des verstorbenen. Er drückt sein tiefes Bedauern über den Tod von Floyd aus. Unterstreicht, dass das große öffentliche Interesse schwer für die Familie sein muss. Dass sie dieses Interesse aber auch nutzen solle, die Welt zum Besseren zu verändern, im Namen von George Floyd.

Er spricht auch die Gianna, die sechsjährige Tochter von George Floyd direkt an, sagt ihr, wie sehr er es bedauert, dass sie ihren Vater so früh verloren hat. Keiner dürfe sich von diesem schlimmen Unrecht, das Floyd widerfuhr, abwenden. Jetzt sei die Zeit für Gerechtigkeit. Wenn es Gerechtigkeit für George Floyd gebe, dann gebe es auch Gerechtigkeit für alle in Amerika.

+++ 19.34 Uhr: Unter den Rednern auf der Beerdigung von George Floyd ist auch Joe Biden. Er hält eine Rede via Videoansprache. Weitere Redner sind der Bürgermeister von Houston Sylvester Turner, Shelia Jackson Lee und Al Green sein.

+++ 18.53 Uhr: Pastor Remus Wright begrüßt die Gäste mit warmen Worten. Er kündigt an, dass die Beerdigung eine Feier werden wird. Man wolle das Leben von George Floyd feiern. Er dankt außerdem allen für den respektvollen Umgang miteinander, beim teilweise dicht gedrängten Einlass.

Die Beerdigung sei in mehrere Teile gegliedert. Neben vielen musikalischen Darbietungen werde zunächst im Zuge der Zeremonie aus dem alten und neuen Testament vorgelesen. Anschließend werde eine Video-Montage abgespielt.

+++ 18.33 Uhr: Um die Schutzmaßnahmen angesichts des Coronavirus einhalten zu können, stellt ein Sprecher zu Beginn der Zeremonie klar, dass alle Gäste eine Maske tragen müssten. Auch sollte darauf geachtet werden, genügend Abstand zueinander zu halten. Die Beerdigung von George Floyd war eigentlich auf 500 Personen begrenzt. Der Sprecher sagte jedoch, dass mehr Menschen gekommen seien, als erwartet worden war.

Die Beerdigung von George Floyd wird live auf Youtube übertragen

+++ 17.08 Uhr: Die Beerdigung von George Floyd wird an diesem Dienstag (09.06.2020) um 11 Uhr Ortszeit in der Kirche „The Fountain of Praise Church“ in Houston stattfinden. Laut CNN wird die Beerdigung auch im Live-Stream zu sehen sein, via Youtube ist dies in Deutschland ab 18 Uhr (MESZ) möglich.

Beerdigung von George Floyd: Floyd Mayweather übernimmt die Kosten

Bei der Beisetzung von George Floyd sind nur 500 Besucher zugelassen. Unter ihnen wird unter anderem der Bürgermeister von Houston sein. Auch Schauspieler Jamie Foxx wird erwartet. Das berichtete La'Torria Lemon, eine Sprecherin des Beerdigungsinstituts, dem Sender CNN. Außerdem gab Lemon an, dass Ex-Boxweltmeister Floyd Mayweather alle Kosten der Beerdigung übernehmen wird.

Weiterhin berichtet der Sender darüber, dass diverse Reden auf der Beerdigung von George Floyd geplant sind. Wie die Co-Pastorin Mia K. Wright mitteilte, werden unter den Rednern auch diverse Bürgerrechtsaktivisten sein.

Vor Beerdigung von George Floyd: Joe Bidens Besuch bedeutet Familie „die Welt“

Update von Dienstag, 09.06.2020, 09.54 Uhr:  Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, hat in Houston Angehörigen des in Polizeigewahrsam getöteten Afroamerikaners George Floyd persönlich sein Beileid ausgesprochen. Der Anwalt der Familie, Benjamin Crump, teilte auf Twitter mit, Biden habe bei der mehr als einstündigen Begegnung am Montag zugehört und das Leid geteilt. Dieses Mitgefühl habe „der trauernden Familie die Welt bedeutet“. 

Im Fernsehsender CBS sagte der frühere US-Vizepräsident Biden, es sei schwer zu trauern, erst recht in den Augen der Öffentlichkeit. In Ansprachen hatte Biden zuvor betont, Floyds Tod sei ein Weckruf für die USA. Der 46-jährige Afroamerikaner war am 25. Mai in Minneapolis in Minnesota von einem weißen Polizisten getötet worden, der sein Knie minutenlang auf den Hals des in Handschellen am Boden liegenden Mannes gedrückt hatte. Am Montag kamen im texanischen Houston Tausende Menschen zur Kirche „The Fountain of Praise“, um am Sarg Abschied zu nehmen von Floyd, darunter Bürgermeister Sylvester Turner und Gouverneur Greg Abbott. Das Vorgehen gegen Floyd sei ein „entsetzlicher Fall von Polizeibrutalität“, hat der republikanische Politiker gesagt.

Tod von George Floyd: Joe Biden trifft sich mit Familie vor Beerdigung 

Update vom Montag, 08.06.2020, 22.35 Uhr: Der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA, Joe Biden, hat sich einem Anwalt zufolge mit der Familie des getöteten Afroamerikaners George Floyd getroffen. "Sich gegenseitig zuzuhören ist das, was Amerika heilen wird." Genau das habe Biden bei Floyds Familie getan - für mehr als eine Stunde, beschrieb der Verteidiger von Floyds Familie, Benjamin Crump, das Treffen am Montag auf Twitter. Bidens Mitgefühl habe für die trauernden Angehörigen "die Welt bedeutet". Dazu veröffentlichte Crump ein Foto, dass neben Biden unter anderem Bürgerrechtler Al Sharpton und Floyds Onkel Roger Floyd zeigen soll.

Erstmeldung vom Montag, 08.06.2020, 14.31 Uhr: Washington – Während der amtierende US-Präsident Donald Trump* wegen seines Umgangs mit den Protesten nach dem Tod von George Floyd zunehmend in die Kritik gerät, trifft sich Joe Biden, Trumps Gegner bei der US-Wahl 2020*, mit der Familie von George Floyd. Das Treffen solle am heutigen Montag (08.06.2020), einen Tag vor der Beerdigung des getöteten Afroamerikaners stattfinden, wie die „New York Times“ berichtet. 

Nach Tod von George Floyd: Joe Biden trifft sich mit Familie des Getöteten

Darüber hinaus möchte Joe Biden eine Videobotschaft für George Floyds Beerdigung aufnehmen. Er selbst wird an Floyds Beisetzung nicht teilnehmen, da er die Beerdigung nicht durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen durch seine Anwesenheit stören will, so Biden. Der Kandidat für das Präsidentschaftsrennen der Demokraten hatte sich bereits mehrfach gegen „systematischen Rassismus“ in den USA ausgesprochen. 

US-Präsident Donald Trump, der sich im November im Zweikampf mit Biden um eine Wiederwahl bewerben wird, hat Floyds Tod mehrfach verurteilt. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug Verständnis zu zeigen für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land. 

Beerdigung von George Floyd: Biden will Videobotschaft aufzeichnen 

George Floyd war am 25. Mai bei einer brutalen Festnahme in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gestorben. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Floyd gedrückt - trotz aller Bitten des 46-Jährigen, ihn atmen zu lassen. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Seit seinem Tod ist es in den USA - und auch weltweit - zu großen Protesten gegen Polizeigewalt, Rassismus und Diskriminierung gekommen.

Von Marvin Ziegele 

Donald Trumps Besuch einer Kirche und der damit verbundene Polizeieinsatz gegen Demonstranten sorgt weiter für Kritik. Die Idee soll von der Tochter des Präsidenten stammen. Jetzt sollen die Truppen in weiteren Städten aufmarschieren.*

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Rubriklistenbild: © DAVID J. PHILLIP / POOL / AFP

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