Vier NATO-Soldaten bei Anschlägen getötet

Kabul - Die Sprengsätze waren am Straßenrand versteckt: Bei mehreren Bombenanschlägen sind im Süden Afghanistans vier NATO-Soldaten ums Leben gekommen.

Alle vier Soldaten seien am Samstag durch am Straßenrand versteckte Sprengsätze getötet worden, teilte das Bündnis am Sonntag mit. Nähere Einzelheiten zu den Vorfällen und die Nationalität der Soldaten wurden zunächst nicht bekanntgegeben. Ein weiteres Mitglied der NATO-Streitkräfte wurde am Freitag bei einem Angriff Aufständischer in Ostafghanistan getötet. Auch dazu wurden zunächst keine Einzelheiten bekanntgegeben.

Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan?

Die Diskussion um den verheerenden Luftangriff im afghanischen Kundus entzündet sich vor allem an der Frage: Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan? © dpa
Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten. © dpa
Herrscht in Afghanistan Krieg? © dpa
Die große Mehrheit der Experten spricht von einem “nichtinternationalen bewaffneten Konflikt“; landläufig nennt man das Bürgerkrieg. © dpa
Sollte die Bundesanwaltschaft das ebenso sehen, sind Handlungen deutscher Soldaten nach dem Völkerstrafgesetzbuch zu beurteilen - was ihnen einen deutlich größeren Spielraum gibt als das normale Strafrecht. © dpa
Dürfen deutsche Soldaten gezielt Taliban-Kämpfer töten, auch wenn sie nicht aktuell angegriffen werden? © dpa
Nach dem Völkerrecht grundsätzlich ja. © dpa
Die Taliban sind zwar keine “Kombattanten“ wie in einem Krieg zwischen Staaten. Nach Angaben des Völkerrechtlers Michael Bothe werden jedoch Personen “mit ständigem Kampfauftrag“ in dieser Hinsicht genau so behandelt. © dpa
Damit sind sie - im Prinzip - ein zulässiges Ziel militärischer Gewalt, auch außerhalb einer akuten Notwehr- oder Nothilfesituation. © dpa
Laut NATO-Untersuchungsbericht sind infolge des von Kommandeur Georg Klein angeforderten Angriffs bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden, darunter 30 bis 40 Zivilisten. © dpa
Hat sich der Oberst strafbar gemacht? © dpa
Das hängt davon ab, ob die Schäden in der Zivilbevölkerung noch im Verhältnis zum “unmittelbaren und konkreten militärischen Vorteil“ stehen. © dpa
Dafür spielen neben dem Zahlenverhältnis zwischen getöteten Kämpfern und Zivilisten weitere Faktoren eine Rolle, etwa, ob eine akute Gefahrenquelle ausgeschaltet und ob die Zivilbevölkerung zuvor gewarnt wurde. © dpa
Maßgeblich ist zudem die Sachlage vor dem Angriff, nicht deren nachträgliche Beurteilung. Gerichtlich ist die Verhältnismäßigkeit bisher kaum definiert. © dpa
Könnte Klein (Foto: rechts) das ISAF-Mandat überschritten und sich deshalb strafbar gemacht haben? © dpa
Das ISAF-Mandat spielt für die Strafbarkeit nach dem Völkerstrafgesetzbuch keine Rolle. © dpa
Außerdem muss das anfangs auf eher unterstützende Sicherheitsaufgaben gerichtete Mandat nach Auffassung der Völkerrechtlerin Heike Krieger “dynamisch interpretiert werden“ - womit sich auch die Befugnisse der Soldaten zum Einsatz militärischer Gewalt erweiterten. © dpa

Bei einem der Toten handelt es sich wohl um einen britischen Soldaten, der am Samstag bei einer Explosion in der Region Nahr e Saradsch in der südlichen Provinz Helmand ums Leben kam. Das britische Verteidigungsministerium erklärte am Samstagabend, der Soldat sei in einem Fahrzeug fahrend ums Leben gekommen.

In diesem Monat kamen in Afghanistan bereits 33 NATO-Soldaten ums Leben, seit Jahresbeginn waren es 165. Seit Beginn des Afghanistaneinsatzes vor zehn Jahren sind insgesamt 414 britische Soldaten getötet worden.

Das afghanische Innenministerium erklärte am Sonntag, bei einer gemeinsamen Aktion in vier östlichen Provinzen seien am Samstag sechs Aufständische getötet worden. Weitere drei kamen demnach in den Provinzen Helmand und Kandahar ums Leben, als Sprengsätze, die sie am Straßenrand verstecken wollten, vorzeitig explodierten.

Acht Zivilpersonen Opfer von NATO-Luftangriff in Afghanistan

Unterdessen hat ein NATO-Luftangriff im Osten Afghanistans nach Behördenangaben acht Mitglieder einer Familie das Leben gekostet. Bei den Opfern handele es sich um einen Mann, eine Frau und ihre sechs Kinder, sagte ein Sprecher der Regierung in der Provinz Paktia am Sonntag. Der Angriff habe sich am Samstagabend (Ortszeit) im Dorf Suri Chail im Bezirk Gurda Saria ereignet. Die NATO kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

Ein Sprecher des Bündnisses erklärte, Koalitionstruppen hätten in Paktia eine Aktion gegen eine große Zahl Aufständische durchgeführt. Die Medienberichte über getötete Zivilpersonen seien der NATO bekannt, sagte Oberstleutnant Jimmie Cummings. Ein Sprecher des Gouverneurs von Paktia erklärte, der getötete Mann sei kein Taliban gewesen. „Er war in keiner Oppositionsgruppe. Er war ein Dorfbewohner“, sagte Rohullah Samon weiter.

Auch in der südafghanischen Provinz Helmand kamen zwei Zivilpersonen ums Leben. Ihr Fahrzeug sei am Sonntag im Bezirk Mardscha auf eine Bombe am Straßenrand aufgefahren, sagte ein Provinzsprecher.

dapd

Auch interessant

Meistgelesen

Horst Seehofer erlebt Notlandung in Frankfurt - neue Details bekannt
Horst Seehofer erlebt Notlandung in Frankfurt - neue Details bekannt
TV-Star beleidigt Jungen auf Klima-Demo - „Kleiner Pisser“
TV-Star beleidigt Jungen auf Klima-Demo - „Kleiner Pisser“
Terror auf der London Bridge: Held korrigiert Narwalzahn-Gerücht - Johnson fordert härtere Strafen
Terror auf der London Bridge: Held korrigiert Narwalzahn-Gerücht - Johnson fordert härtere Strafen
Böse Klatsche für die CSU: Bayerisches Integrationsgesetz verfassungswidrig
Böse Klatsche für die CSU: Bayerisches Integrationsgesetz verfassungswidrig

Kommentare