Schnelle Entscheidung angekündigt, aber...

Von der Leyen: Darum hat Angela Merkel jetzt ein Mann-Frau-Problem

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Das Zentrum der Macht droht wieder männlicher zu werden. Verteidigungsministerin von der Leyen hat ihren Rücktritt angekündigt.

Nachfolger für Ursula von der Leyen an der Spitze des Verteidigungsministeriums gäbe es zwar, doch es gibt ein Problem: Die Quote.

München – Ursula von der Leyen ist eine Frau. So banal diese Feststellung zunächst scheint, so entscheidend ist sie bei der Überlegung, wer ihr an der Spitze des Verteidigungsministeriums nachfolgen könnte. Angela Merkel hat angekündigt, die Entscheidung schnell zu treffen. Dabei will die Kanzlerin die Frauenquote (6 ihrer 15 Minister und sie selbst sind weiblich) im Kabinett unbedingt halten. Doch blöderweise können alle, die bisher ernsthaft für den Job infrage kommen, mit vielem aufwarten – aber nicht mit zwei X-Chromosomen. Falls die letzte Biologie-Stunde etwas zurückliegt: Es handelt sich also sämtlich um Männer.

Männer würden Merkels Frauenquote konterkarieren 

Da wäre zuerst Peter Tauber (CDU), der im Verteidigungsministerium nur umziehen müsste, weil er dort bereits Staatssekretär ist. Als Hauptmann der Reserve verfügt er über Glaubwürdigkeit im Umgang mit der Truppe. Darüber hinaus wird auch CDU-Verteidigungsexperte Johann Wadephul als möglicher Kandidat genannt. Doch beide würden Merkels Frauenquote zerschießen.

Hier kommtJens Spahn ins Spiel. Der 39-Jährige ist zwar zweifelsohne ebenfalls ein Mann, verfügt jedoch über einen entscheidenden Vorteil: Spahn sitzt bereits in Merkels Kabinett. Das bedeutet, wenn er Verteidigungsminister würde, würde sein derzeitiger Job als Gesundheitsminister frei. Den könnte Merkel dann wiederum mit einer Frau besetzen. Die Kanzlerin hätte ihre Quote gerettet. Und es gibt sogar schon eine Kandidatin.

Das Gesundheitsminister-Amt könnte weiblich werden

Annette Widmann-Mauz (CDU), heute Integrationsbeauftragte, galt Anfang 2018 bereits als Favoritin für den Posten – bevor Merkel Spahn berief. Als ehemalige gesundheitspolitische Sprecherin der Unions-Fraktion und Staatssekretärin unter FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler hat sie die nötige Expertise. Beneiden müsste man Widmann-Mauz zwar trotzdem nicht um die Aufgabe, derzeit elf laufende Gesetzesverfahren aus dem Gesundheitsministerium mal eben zu übernehmen. Sie stünde aber wohl bereit.

Doch es sieht aus, als gestalte sich die Sache noch etwas komplizierter. Es gilt nämlich als äußerst fraglich, dass Spahn überhaupt Lust hat auf eine solche Verschiebenummer. Und das hat eher wenig damit zu tun, dass er selbst einst ausgemustert wurde.

Verteidigungsminister: Hohes Prestige auf dem Schleudersitz

Auf den ersten Blick wäre der Wechsel zwar ein Aufstieg, der dem ehrgeizigen CDU-Politiker gut gefallen dürfte. Spahn genießt als Gesundheitsminister viel Ansehen, will mittelfristig aber deutlich höher hinaus. Das Verteidigungsministerium wäre, was Etat und Einfluss betrifft, also ein logischer nächster Schritt. Doch gleichzeitig gilt das Ressort als gefährlicher Schleudersitz. Als denkbar gilt deshalb auch, dass der glücklose CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier, neuer Verteidigungsminister werden könnte und Spahn dafür Wirtschaftsminister.

Doch in beiden Fällen dürfte die Restlaufzeit der wechselnden Minister in ihren neuen Ressorts überschaubar sein. Selbst wenn die Große Koalition tatsächlich so lange durchhält, werden die Posten spätestens in zwei Jahren neu verteilt. Spahn könnte also zu dem Schluss gelangen, dass er dann mit klaren Erfolgen als Gesundheitsminister bessere Karten hat als als Ressortspringer, der nirgends seinen Stempel hinterlassen konnte.

Eine weitere Frage ist  ob er das der Kanzlerin auch sagen würde, wenn sie ihm einen Postenwechsel anträgt. Denn ein Ministeramt abzulehnen, kann einem Politiker auch als die Ablehnung von Verantwortung ausgelegt werden. 

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Von der Leyen geht: Merkel spricht Klartext - Favorit auf Nachfolge steht fest. Vor der Wahl in Straßburg warb Ursula von der Leyen mit einer engagierter Rede um die Stimmen der EU-Abgeordneten.

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