Die fünf Favoriten im Portrait

Das sind die Kandidaten bei der Wahl in Frankreich

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Beide sind Favoriten auf die Stichwahl: Emmanuel Macron (l.) und Marine Le Pen.

Paris - Wer wird der Nachfolger von François Hollande als Präsident von Frankreich? Nur fünf der elf Kandidaten haben realistische Chancen, in den Élysée-Palast einzuziehen. Das sind die fünf Favoriten beim ersten Wahlgang im Überblick.

Die französischen Bürger müssen sich zwischen insgesamt elf Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl entscheiden. Wer löst Präsident Francois Hollande ab? Von den elf Bewerbern scheinen nur fünf akzeptable Chancen zu haben.

Klar ist auch jetzt schon: Am 23. April werden die Franzosen noch kein neues Staatsoberhaupt haben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass einer der elf Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen kann. Deshalb kommt es am 7. Mai zur Stichwahl. Unter diesem Link erfahren Sie, ab wann Sie im ersten Wahlgang mit einem Ergebnis rechnen können.

Doch wofür stehen die Kandidaten eigentlich? Wir stellen Ihnen die fünf aussichtsreichen Kandidaten im Kurzporträt vor. 

Wo Sie die Wahl in Frankreich live im TV und Live-Stream sehen, erfahren Sie hier. In unserem Live-Ticker zur Wahl in Frankreich halten wir Sie stets auf dem Laufenden.

Emmanuel Macron

Etwas unerwartet hat der ehemalige Wirtschaftsminister und Investmentbanker Emmanuel Macron momentan mitunter die besten Chancen auf das Präsidentenamt. Einige nennen ihn den „französischen Kennedy“. Macron tritt als Parteiloser an und will die Parteilandschaft seines Landes umpflügen. Der 39-Jährige könnte als jüngster französischer Präsident in den Elysée-Palast einziehen. Er steht vor allem für Wähler der politischen Mitte und er verspricht, den Arbeitsmarkt, die Arbeitslosenversicherung und das Rentensystem zu reformieren. Macron ist offen für Europa und steht deshalb auch für eine enge Partnerschaft mit Deutschland. „Ich habe Europa im Herzen“, lautet einer seiner Wahlsprüche. In Berlin wird seine Kandidatur deshalb mit Wohlwollen gesehen.

Macron ist seit 2007 mit der mehr als 20 Jahre älteren Brigitte Trogneux verheiratet, die früher seine Lehrerin im nordfranzösischen Amiens war. Très chic: Das Paar hat keine Scheu, sich schick angezogen in People-Magazinen zu präsentieren. Der hochbegabte und ehrgeizige Macron war bis 2012 gut bezahlter Investmentbanker bei Rothschild & Cie. Da das Misstrauen gegen die Finanzbranche im Land ganz tief sitzt, muss er sich immer wieder rechtfertigen.

Trotzdem: Im Vergleich zu seinen Kontrahenten steht er politisch solide da. Auch deshalb hat der frühere Jesuitenschüler aussichtsreiche Chancen. 

Emmanuel Macron.

Marine Le Pen

Im Wahlkampf dreht sich viel um die Rechtspopulistin von der Front National (FN): Marine Le Pen vertritt als einzige Kandidatin radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. Die 48-jährige Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen will Frankreich aus der EU führen, die Einwanderung drastisch beschränken und einen weitgehenden Wirtschaftsprotektionismus durchsetzen. Sie studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwältin. Im Jahr 1998 übernahm sie die Justizabteilung der FN. 

Le Pen hat drei Kinder, ihre beiden Ehen gingen auseinander. Derzeit ist sie mit dem FN-Europaabgeordneten Louis Aliot liiert. Bei den TV-Debatten war sie meist diejenige, die für Skandale sorgte. Aber: Le Pen hat ihrer FN ein gemäßigteres Auftreten verordnet und den offenen Rassismus zurückgedrängt. Dabei ließ sie sogar ihren Vater aus der Partei ausschließen. Trotzdem ist sie sich sicher: „Die Stunde der großen Konfrontation zwischen Globalisierern und Patrioten ist gekommen.“ 

Doch auch Le Pen hat den Wahlkampf bislang nicht ohne Schaden davon getragen. Sie ist Abgeordnete im EU-Parlament und ihr wird vorgeworfen, dass sie EU-Mittel verwendet hätte, wegen denen auch die französische Justiz ermittelt.

Marine Le Pen.

François Fillon

Der Kandidat der konservativen Republikaner musste sich im Wahlkampf heftigen Gegenwinds erwehren. Und eines muss man ihm lassen: Er hat Stehvermögen. François Fillon ist als Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten seit Mitte März mit einem Ermittlungsverfahren der französischen Justiz konfrontiert. In der Affäre um die Beschäftigung seiner Frau Penelope im Parlament prüfen Ermittler den Verdacht, dass Staatsgelder hinterzogen wurden. Kein anderer Präsidentschaftskandidat der vergangenen Jahrzehnte hatte mit derart massiven Vorwürfen zu kämpfen.

Zwar wies Fillon die Anschuldigungen zurück, doch seine Kandidatur litt erheblich unter „Penelopegate“. Denn das war noch nicht alles. Es kamen einige Medien-Enthüllungen über sein Privatleben ans Licht. Unter anderem nahm er in seiner Zeit als Premierminister eine teure Uhr als Geschenk an. Trotz allem werden dem Notarssohn aus der westfranzösischen Provinz im ersten Wahlgang immer noch rund 20 Prozent der Stimmen zugetraut. 

Kurz zusammengefasst lautet sein politische Programm so: Der 63-Jährige setzt auf liberale Wirtschaftsreformen, will die 35-Stunden-Woche abschaffen, 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen und die Staatsausgaben um 100 Milliarden Euro senken. Innenpolitisch fährt der Konservative einen harten Kurs, außenpolitisch will er die Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin verbessern. 

Fillon spielt gerne seine Erfahrung aus: Er war fünf Jahre lang Regierungschef unter Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012). Bei den konservativen Republikanern stach der Vater von fünf Kindern im vergangenen Jahr völlig überraschend seinen früheren Chef Sarkozy und den beliebten Alain Juppé aus. Von Sarkozy setzte er sich mit einem „No-nonsense-“Stil ab, von Juppé mit seinem radikalen Wirtschaftsprogramm.

François Fillon.

Jean-Luc Mélenchon

Für die Linken in Frankreich stellt sich der 65-jährige Jean-Luc Mélenchon zur Wahl auf. Der einstige Sozialist kritisierte unablässig die Politik von Staatschef Hollande als zu unternehmerfreundlich. Er schlägt unter anderem ein 100 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm vor, um das schwache Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ein weiteres Ziel von ihm: die EU-Verträge neu verhandeln. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

Mélenchon ist der Lautsprecher der französischen Politik. „Wenn ihr diese drei wählt, werdet ihr Blut spucken“, warnt er mit Blick auf seine drei härtesten Konkurrenten (Fillon, Le Pen, Macron) bei der Präsidentenwahl. Mit Schlagfertigkeit und radikal linken Positionen ist Mélenchon im Schlussspurt des Wahlkampfs in den Kreis der Favoriten aufgerückt. Der Franzose wurde 1951 im marokkanischen Tanger geboren, damals eine internationale Zone, und kam mit elf Jahren nach Frankreich. Er studierte Philosophie und arbeitete als Lehrer, bevor er in die Politik ging. 

Mélenchon ist geschieden und hat eine Tochter. Er trat in den 1970er-Jahren der Sozialistischen Partei bei, gründete dazu aber eine linke Konkurrenz. 2012 erreichte der Europaabgeordnete bei der Präsidentenwahl 11 Prozent. Diesmal profitiert er auch von der Schwäche des sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon.

Jean-Luc Mélenchon.

Benoît Hamon

Mit einem ausgesprochen linken Wahlprogramm gewann der Hollande-Kritiker Benoît Hamon im Januar überraschend die Vorwahl der regierenden Sozialisten. Der 49-jährige Partei-Linke wirbt unter anderem für ein bedingungsloses Grundeinkommen, will den Mindestlohn und Sozialleistungen anheben, neue Unternehmenssteuern einführen und den Umweltschutz stärken. Durch die Wahl von Hamon zum Präsidentschaftskandidaten rückten die angeschlagenen Sozialisten weiter nach links und spalteten die Partei. 

Der in Saint-Renan, an der Küste der Bretagne, geborene Benoît Hamon bringt bereits Erfahrung in nationaler und europäischer Politik mit. Von 2004 bis 2009 war der 49-Jährige Mitglied des 6. Europäischen Parlaments, in dem er zusätzlich Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sowie Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung war. Diese Erfahrung konnte er auf nationaler Ebene ausspielen. Im Kabinett unter Premierminister Jean-Marc Ayrault war der gebürtige Bretone Beigeordneter Minister für soziale Ökonomie und Solidarität im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Außenhandel, außerdem war er Minister für Bildung, Hochschulen und Forschung. Durch die Kritik Hamons und seines Kollegen Arnaud Montebourg an Präsident Hollands wirtschaftspolitischem Kurs wurde das Kabinett Valls I aufgelöst und durch die zweite Regierung unter Valls ersetzt, bei der Hamon aus dem Ministeramt schied. 

Bei den Präsidentschaftswahlen gilt der Sozialist als krasser Aussenseiter. Es wird nicht erwartet, dass er mit den anderen Kandidaten, und erst recht nicht mit den beiden Favoriten Macron und Le Pen mithalten kann. Ein Einzug des studierten Geschichtswissenschaftlers in die Stichwahl am 7. Mai gilt als ausgeschlossen. 

Benoit Hamon.

Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017: Das sind die aktuellen Umfragewerte

Die Umfrage vom 19. April sagt weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Der unabhängige Macron liegt mit 23 Prozent nur hauchdünn vor der rechtspopulistischen Marine Le Pen, die 22 Prozent der Stimmen erhält. Der Konservative François Fillon kann sich trotz des Skandals um die hinterzogenen Staatsgelder und die Beschäftigung seiner Frau immer noch bei starken 20 Prozent halten. Der Linke Jean-Luc Mélenchon käme momentan auf 19 Prozent. Der Sozialist Benoît Hammon kommt als schwächster der fünf Favoriten auf 8 Prozent. Die restlichen Prozentwerte verteilen sich auf die übrigen sechs Anwärter.

Die aktuellen Umfragewerte finden Sie unter diesem Link.

Kandidat

Prognose

Emmanuel Macron

23 Prozent

Marine Le Pen

22 Prozent

François Fillon

20 Prozent

Jean-Luc Mélenchon

19 Prozent

Benoît Hamon

8 Prozent

Sonstige 

8 Prozent

Alles, was Sie zur Wahl in Frankreich wissen müssen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

sap/tor

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