Der Sieg der alten Männer

Wahlkampf in den USA: Sanders und Trump räumen ab

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Donald Trump.

München - Die tz sprach mit USA-Politikexperten Josef Braml über die Perspektiven von Bernie Sanders (74) und Donald Trump (69), den Siegern der Vorwahl aus New Hampshire.

Die höchste Quote fuhr bei den Vorwahlen in New Hampshire der mit 74 Jahren älteste Bewerber ein: Bernie Sanders, der letzte Woche in Iowa nur knapp gegen Hillary Clinton, Favoritin der Demokraten, verloren hat, deklassierte im Neuengland-Staat sämtliche Bewerber! Dazu gehört auch Donald Trump (69), schriller „Alterspräsident“ der Republikaner. Vor Mitte März ist nach Einschätzung des USA-Politikexperten Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) nicht mit einer (Vor-)Entscheidung über die letztendlichen Kandidaten zu rechnen. Die tz sprach mit Braml über die Perspektiven der Sieger aus New Hampshire. Mit den Gründen für deren bisherigen Erfolg befasst er sich auch in Auf Kosten der Freiheit: Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa (März 2016, Quadriga-Verlag).

Zwei alte Männer sind die Sieger der Vorwahlen in New Hampshire. Wie ist das zu erklären?

Dr. Josef Braml, USA-Experte bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik: Bei Bernie Sanders und seinem hervorragenden Ergebnis wird es am deutlichsten, dass die Amerikaner die Nase voll haben vom Business as usual, vom „Weiter so“ mit einem System, das nach Meinung der meisten korrumpiert ist. Donald Trump auf der anderen Seite hat ja nicht wirklich hoch gewonnen. Er bekam weniger Stimmen als Hillary Clinton – dabei gilt sie als große Verliererin. Dass Trump bei diesem Stimmenverhältnis als Sieger gelten darf, ist ein Hinweis darauf, dass auch die republikanischen Wähler unzufrieden sind. Er, zusammen mit Ted Cruz, kann diese Protestwähler auf sich ziehen. Die anderen Kandidaten, die die Partei bevorzugen würde, nehmen sich nach wie vor gegenseitig die Stimmen weg.

Wen hätte die Partei gerne?

Dr. Josef Braml: Den Republikanern wäre jeder recht – außer Cruz und Trump. Die Hoffnung ist, dass Marco Rubio oder Jeb Bush noch die Kurve kriegen, vor allem, wenn andere ausscheiden, wie z. B. Chris Christie aus New Jersey oder John Kasich aus Ohio. Deren Anhänger sollen sich, so der Wunsch der Partei, um den etablierten Kandidaten scharen, der Trump die Stirn bieten kann.

Halten Sie es für ausgeschlossen, dass Trump republikanischer Kandidat wird?

Dr. Josef Braml: Das würde ich so nicht sagen. Aber weder er noch der Hardliner Cruz hätten gegen eine demokratische Kandidatin Hillary Clinton eine Chance. Den Republikanern würde eine weitere gute Chance auf einen Wiedereinzug ins Weiße Haus vereitelt.

Kann Sanders Hillary die Kandidatur bei den Demokraten tatsächlich streitig machen?

Dr. Josef Braml: Ausschließen würde ich das nicht. Sanders nutzt Hillarys größte Angriffsfläche, nämlich ihre Verbindungen zur Wall Street, die es schon während der Präsidentschaft von Bill Clinton gab. Die Vortragshonorare, die sowohl sie als auch ihr Ehemann kassieren, klingen in den Ohren der einfachen Bürger horrend. Clintons Wahlkampfspenden kommen hauptsächlich aus der Finanzwelt. Sanders ist viel glaubwürdiger. Bill Clinton hat Sanders kürzlich vorgeworfen, er sei nicht ehrlich – aber da hätte er vielleicht vorher über sein eigenes Leben und seine Karriere nachdenken sollen. Die Kritik ging jedenfalls nach hinten los; sie hat Sanders in New Hampshire, bei Wählern, denen Ehrlichkeit wichtig ist, ein Ergebnis beschert, um das ihn Kim Jong Un beneiden würde. Die Clintons müssen sich eine neue Strategie überlegen - denn sie sind der Inbegriff des sogenannten Establishment. Hillary Clinton sollte weniger mit ihrer Erfahrung prahlen, die sie mit dem Establishment in Verbindung bringt, sondern mehr darüber reden, wie die Lebenssituation vieler ihrer Landsleute verbessert werden kann, denen es nicht so gut geht.

Was müsste Sanders ändern, um eine echte Chance auf die Kandidatur zu haben? 

Dr. Josef Braml: Sanders hat bisher ein Problem bei Minderheiten, aber das könnte er durch eine weniger intellektuelle Ansprache noch ausgleichen. Er fordert beispielsweise einen höheren Mindestlohn, das kommt sicher nicht schlecht an, etwa in Ballungszentren wie Reno oder Las Vegas im Bundesstaat Nevada. In diesen Glitzerstädten gibt es viele Verlierer aus Zeiten der Finanzkrise. Wenn Sanders dieser Kraftakt gelänge, würde Hillary wirklich rotieren. Dann hat sie gar keine Hausmacht mehr. Sie kann sich ja nicht mal auf die Frauen verlassen. Wenn sich Ex-Außenministerin Madeleine Albright schon dazu aufgerufen fühlt, Frauen, die nicht Frauen unterstützen, einen „ganz besonderen Platz in der Hölle“ anzudrohen, sagt das schon viel! Es ist unglaublich, wie alt Sanders, der selbst schon einige Lenze zählt, Hillary in New Hampshire bei den Zustimmungsraten der Frauen, gerade der jungen, hat aussehen lassen.

Interview: Barbara Wimmer

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