Kürzungen

So werden Rentner um Tausende Euro betrogen

Berlin - Die Renten folgen der Lohnentwicklung? Das war einmal! Erstmals legt Berlin offen, wie sich die Kürzungen auswirken. Die tz erklärt die Hintergründe.

Die Renten folgen der Lohnentwicklung? Das war einmal! Seit die Bundesregierung 2003 und 2005 die sogenannten Dämpfungsfaktoren eingeführt hat, wächst die Kluft zwischen Rentnern und Arbeitnehmern. Auf eine Anfrage der Linksfraktion hin hat die Bundesregierung jetzt erstmals Zahlen offengelegt, wie fatal sich diese Kürzungsfaktoren auswirken. Die tz erklärt die Hintergründe.

Wie viel Geld entgeht den Rentnern wegen der Kürzungsfaktoren?

Würden die vor zwölf Jahren eingeführten Dämpfungsfaktoren in der Rentenformel abgeschafft, hätte ein Rentner, der 45 Jahre zum Durchschnittsverdienst gearbeitet hat, monatlich 60,21 und jährlich 722,52 Euro mehr in der Tasche. Bis zum Jahr 2029 steigt das Loch im Geldbeutel dieses sogenannten Eckrentners sogar auf rund 2939 Euro jährlich. Derzeit kürzten die Dämpfungsfaktoren die Rente insgesamt um rund 4,4 Prozent. Zwischen 2016 und 2029 kommen noch einmal fast acht Prozentpunkte zusätzliche Kürzungen dazu!

Was sind die Dämpfungsfaktoren?

Das ist zum einen der Riester-Faktor, der einen Prozentsatz von der Rente abzieht, den man (theoretisch) durch eine private Riesterrente ausgleichen müsste. Dieser Riesterfaktor mindert die Rente schon jetzt um 2,98 Prozent, bis 2029 sogar um 4,21 Prozent. Ein zweiter Dämpfungsfaktor in der Rentenformel ist der „Nachhaltigkeitsfaktor“, der die Alterung der Gesellschaft ausgleichen soll. Weil immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen, wird dieser Faktor in den kommenden Jahren besonders stark steigen.

Was könnte man gegen den zunehmenden Wertverlust der Rente tun?

Der Linken-Abgeordnete Matthias W. Birkwald wird heute im Bundestag von Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) die Rücknahme der Dämpfungsfaktoren fordern. Die Renten sollten wieder eins zu eins den Löhnen folgen. Andernfalls drohe massive Altersarmut und eine „Legitimationskrise der Rentenversicherung“, so Birkwald.

Gibt es Chancen, dass die Regierung die Dämpfungsfaktoren wirklich abschafft?

Kaum. Das einzige Versprechen der Bundesregierung ist, das Rentenniveau (also das Verhältnis zwischen einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren und dem Durchschnittseinkommen) nicht unter 43 Prozent bis 2030 fallen zu lassen. Aber im Jahr 2002 lag dieses Rentenniveau noch bei 52,9 Prozent! Laut Rentenversicherungsbericht wird das Rentenniveau von rund 48 Prozent 2014 auf knapp 45 Prozent im Jahr 2029 sinken – dank der Dämpfungsfaktoren.

So wird die Rente „gedämpft“ (Abkoppelung der Renten- von der Lohnentwicklung)

Jahre Nachhaltigkeitsfaktor Riester- und Beitragssatzfaktor Rückgang insgesamt
2003 bis 2015 - 0,18 Proze“nt - 4,21 Prozent - 4,38 Prozent
2016 – 2029 - 4,97 Prozent - 2,98 Prozent - 7,8 Prozent
2003 – 2029 gesamt - 5,14 Prozent - 7,07 Prozent - 11,84 Prozent

Rentenentwicklung ohne Dämpfung (Beispielrechnungen für westdeutschen Durchschnittsrentner)

Jahr

Tatsächliche

Rentenhöhe

Rentenhöhe ohne Kürzungsfaktoren

monatliche

Differenz

jährliche Differenz
2015 1314,45 Euro 1374,66 Euro 60,21 Euro 722,52 Euro
2029 (Prognose laut Rentenversicherungsbericht) 1823,85 Euro 2068,80 Euro 244,95 Euro 2939,34 Euro
Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Links-Fraktion

KR

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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