Westerwelle setzt sich für Kindersoldaten ein

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22 Länder stehen auf der "Liste der Schande" der UN. In diesen Ländern werden Kinder als Soldaten eingesetzt.

New York - Unter der Leitung von Außenminister Guido Westerwelle befasst sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit dem Thema Kindersoldaten. 22 Länder stehen auf einer "Liste der Schande" der UN.

Im dritten Stock der UN-Zentrale ist in diesem Sommer eine Ausstellung mit Kinderzeichnungen aus aller Welt zu sehen. Keine Bilder, wie sie Mädchen und Jungen normalerweise zu Papier bringen. Sondern düstere Schilderungen, wie es war, als sie im Krieg überfallen wurden. Eröffnet wurde die Ausstellung mit dem Titel “In their own words“ (“In ihren eigenen Worten“) am Dienstag von Außenminister Guido Westerwelle.

Das hängt damit zusammen, dass Deutschland in diesem Monat den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat führt und damit auch über die Tagesordnung mitbestimmen kann. Westerwelle - kinderlos, aber mehrfacher Patenonkel - suchte sich das Schicksal von Kindersoldaten und Kindern in Kriegen als Thema aus. “Kinder brauchen besonderen Schutz. Sie sind die Schwächsten in Konflikten.“

Das ist auch ein Thema, bei dem sich die Vereinten Nationen - bis auf wenige Ausnahmen - einig sind. Anders als etwa bei der UN-Resolution 1973 zu Libyen, wo sich die die Deutschen immer noch wegen ihrer Enthaltung rechtfertigen müssen, oder bei der geplanten Resolution zum gewaltsamen Vorgehen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, die seit Wochen vor sich hinschmort.

Beim Thema Kindersoldaten ist das anders. Völkerrechtlich ist es schon seit 1977 offiziell verboten, Kinder unter 15 Jahren in Streitkräfte oder bewaffnete Gruppen einzugliedern. Trotzdem wird geschätzt, dass weltweit immer noch etwa 250 000 Minderjährige als Soldaten missbraucht werden. Etwa jeder dritte kleine Soldat ist ein Mädchen.

Auf einer “Liste der Schande“, die einmal pro Jahr von den UN veröffentlicht wird, stehen aktuell 22 Länder, in denen Minderjährige vom Staat oder von Rebellengruppen rekrutiert werden. Auch Konfliktgebiete, in denen Kinder verstümmelt oder sexuell missbraucht werden, werden erfasst. Die meisten Schandstaaten liegen in Afrika, wie etwa in Somalia, Uganda oder dem Sudan. Allein aus dem bislang größten afrikanischen Land - seit dem Wochenende in Süd und Nord geteilt - sind über ein Dutzend Parteien gelistet.

Aber auch aus Afghanistan sind sieben Gruppierungen aufgeführt, die Kinder für militärische Zwecke benutzen - von den radikal-islamischen Taliban bis hin zur Polizei. Auch zwei gegenwärtige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats werden genannt: Indien und Kolumbien.

Der Weg zur Waffe kann nach einem Bericht von Amnesty International (ai) unterschiedlich sein: Mancherorts werden Kinder mit zehn Jahren aus ihrer Familie entführt und zum Kämpfen gezwungen. Anderswo wird vor allem in Flüchtlingslagern Nachwuchs zwangsrekrutiert. Es gibt aber auch Orte, wo sich Kinder freiwillig melden, um der Armut zu entkommen. Oder es sind die Eltern, die ihren Nachwuchs zu bewaffneten Gruppen schicken.

Die Ausbildung geht in der Regel schnell. Die Kalaschnikow - immer noch bevorzugte Waffe von Rebellen wie Regierungstruppen in den Konfliktregionen der Dritten Welt - ist buchstäblich kinderleicht zu bedienen.

Zunehmend Sorge bereitet den Vereinten Nationen, dass immer mehr Schulen zum Angriffsziel werden. Das hat seinen Grund auch darin, dass Kriegsparteien Schulen als Stützpunkte nutzen - wohl wissend, dass sie dort normalerweise besser geschützt sind. Deshalb beschloss man eine neue Resolution, wonach künftig auch Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser geächtet werden.

Experten erwarten, dass die “Liste der Schande“ nun noch länger wird. Darüber hinaus sollen künftig aber auch Konten von Kriegsherren gesperrt oder Reiseverbote verhängt werden dürfen. “Diese Resolution ist nicht nur politisches Papier, sondern hat handfeste Konsequenzen“, sagt Westerwelle.

Darauf hofft auch die UN-Sonderbeauftragte für Kindersoldaten, Radhika Coomaraswamy: “Ich würde mir wünschen, dass der Sicherheitsrat mehr Sanktionen ausspricht. Aber die Bestrafung lässt leider noch immer lange auf sich warten.“

dpa

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