Fahrenschon-Nachfolger: Münchner Lösung?

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Finanzminister Georg Fahrenschon

München - Horst Seehofer ist nicht zu beneiden in diesen Tagen: Er braucht einen neuen Finanzminister, hat aber enorme Schwierigkeiten, ihn zu finden. Doch vieles spricht für eine Münchner Lösung des Personalproblems.

Die Telefondrähte glühen am Wochenende in der CSU. Zahllose SMS-Nachrichten werden hin- und hergeschickt. Ministerpräsident Horst Seehofer selbst lässt wissen, er führe sehr viele Gespräche. Und das muss er wohl: Bis spätestens Dienstag will er einen Nachfolger für seinen abtrünnigen Finanzminister Georg Fahrenschon benennen, der in die Wirtschaft wechseln will, an die Spitze des deutschen Sparkassenverbandes. Nur: Seehofer findet erst einmal keinen geeigneten Nachfolger - oder tut sich damit zumindest enorm schwer.

“Es drängt sich eigentlich keiner auf“, sagt ein CSU-Stratege am Samstagabend. Auch aus dem Kabinett heißt es zu dem Zeitpunkt, Seehofer habe noch keinen konkreten Personalvorschlag. Und so schießen am Wochenende erst einmal die Spekulationen ins Kraut. Da nennen die einen CSU-Politiker einen Namen, den andere Christsoziale umgehend als unwahrscheinlich abtun - und umgekehrt.

Klar ist nur: Finanzminister kann nicht jeder. Gerade in diesen Zeiten, mitten in der Euro-Rettung, mitten in den neuerlichen Steuersenkungsquerelen der Berliner Koalition und angesichts der bevorstehenden Haushaltsberatungen in Bayern kann Seehofer sich eine B-Besetzung auf dem Posten eigentlich nicht leisten. Er braucht eine A-Besetzung - doch die scheint, zunächst jedenfalls, nicht in Sicht.

Diskutiert werden verschiedene Fragen: Gibt es eine größere Kabinettsumbildung oder begnügt sich Seehofer mit einer schlichten Nachbesetzung? Gibt es eine Münchner oder eine Berliner Lösung? An letztere Möglichkeit hatte Seehofer offenbar sehr wohl gedacht: Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Hartmut Koschyk, räumt im “Nordbayerischen Kurier“ ein, auch er sei gefragt worden, ob er zur Verfügung steht - doch Koschyk winkte dankend ab.

Bleibt also offenbar nur eine Münchner Lösung. Wobei mehrere CSU-Abgeordnete eine Nachbesetzung aus der Landtagsfraktion für wenig wahrscheinlich halten. Sozusagen von 0 auf 100, das gehe bei der Schlüsselposition des Finanzministers eigentlich nicht, heißt es.

Und dann wiederum bleibt nur eine kleinere, mittlere oder größere Umbesetzung des Kabinetts. Denkbare Kandidaten für die Fahrenschon-Nachfolge: grundsätzlich erst einmal mehrere, von Innenminister Joachim Herrmann über Umweltminister Markus Söder bis hin zu Staatskanzleichef Marcel Huber, Finanzstaatssekretär Franz Pschierer oder Kultusstaatssekretär Thomas Kreuzer. Doch Herrmann, so heißt es in der CSU, sei mit seinem Posten eigentlich zufrieden. Söder und Huber sollen sich selbst nicht unbedingt als geborene Finanzer sehen. Und Pschierer und Kreuzer wiederum hält nicht jeder in der CSU für hundertprozentig geeignet für den so wichtigen Finanzminister-Posten.

Wie auch immer: Bis spätestens Dienstag will Seehofer eine Lösung präsentieren. Die Frist dafür hat er sich selbst gesetzt.

dpa

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