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Putin-Regierung verspricht Bosnien-Zündler 200 Millionen Dollar - und legt geheime Liste vor

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Von: Patrick Mayer

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Man kennt sich: Mirolad Dodik (li.), einer von drei Präsidenten der Republika Srpska, und der russische Machthaber Wladimir Putin.
Man kennt sich: Mirolad Dodik (li.), einer von drei Präsidenten der Republika Srpska, und der russische Machthaber Wladimir Putin. © IMAGO / ITAR-TASS

Russland und die bosnische Republika Srpska einigen sich auf ein bilaterales Wirtschaftsabkommen. Wladimir Putin und Milorad Dodik betonen ihre „Freundschaft“. Moskau hat auch Bitten an den Partner vom Balkan.

München/Banja Luka - Sie gelten als enge Verbündete: Moskau-Machthaber Wladimir Putin und Milorad Dodik, Mitglied der dreigliedrigen Präsidentschaft Bosnien-Herzegowinas. Dodik, der in einer der beiden bosnischen Teilrepubliken regiert, in der Republika Srpska, trägt internationale Sanktionen gegen Russland im Zuge des Angriffkriegs gegen die Ukraine nicht mit.

Bosnien-Herzegowina: Politischer Wettbewerb zwíschen EU und Russland um Einfluss

Gleichzeitig (und schon länger) unterstützt Putin indes Abspaltungsgedanken der Republika Srpska, die mit geschätzt 1,16 Millionen Einwohnern die kleinere der beiden Entitäten neben der Föderation Bosnien und Herzegowina ist, in der etwa 2,08 Millionen Menschen leben. Auch weit nach dem Bosnienkrieg (April 1992 bis Dezember 1995) gibt es in dem Land mit seinen rund 3,28 Millionen Einwohnern erhebliche Spannungen zwischen bosnischen Kroaten, Bosniaken und bosnischen Serben.

Auch deshalb begann nach Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs ein regelrechter Wettbewerb zwischen dem Kreml in Moskau und den westlichen Regierungen im Rahmen der Europäischen Union (EU) darum, wer größeren Einfluss auf Bosnien-Herzegowina hat. Das Land liegt nicht zuletzt im Zentrum des Westbalkans und gilt wie der Kosovo als „Pulverfass“ in der Region. Nur ein Beispiel für das diplomatische Werben: Ende Juli empfing der spanische Premierminister Pedro Sanchez Dodik und die beiden anderen Mitglieder der geteilten bosnischen Präsidentschaft, Sefik Dzaferovic und Zeljko Komsic.

Bosnien-Herzwgowina auf dem Westbalkan: Abspaltungsgedanken in der Republika Srpska?

Dodik steht im Westen seit Längerem enorm in der Kritik. Unter anderem leugnet der 63-Jährige laut dem österreichischen Standard das Massaker von Srebrenica. Stattdessen sei sein „Ziel seit Jahren, den Staat Bosnien-Herzegowina zu zerstören, indem er die RS abspalten will“. Wie die österreichische Tageszeitung weiter schreibt, verkündete er Mitte April in der bosnischen Stadt Bijeljina: „Es lebe Serbien, es lebe Russland, es lebe die Republika Srpska!“ Zur Einordnung: In Srebrenica wurden zwischen dem 11. und 19. Juli 1995 mehr als 8000 Bosniaken mutmaßlich durch Soldaten der Republika Srpska, demnach von bosnischen Serben, ermordet.

Was während unseres Aufenthalts in Russland besonders hervorgehoben wurde, war die Zuneigung und der Respekt für Milorad Dodik aufgrund der Nichteinführung von Sanktionen gegen Russland.

Drazen Vrhovac, Direktor der Investitions- und Entwicklungsbank (IRB) der Republika Srpska

Wie das Wirtschaftsportal bne IntelliNews berichtet, kamen nun Vertreter der heutigen Republika Srpska und der russischen Regierung zusammen, um ein bilaterales Wirtschaftsabkommen zu vereinbaren. Wie der Direktor der Investitions- und Entwicklungsbank (IRB) der Republika Srpska, Drazen Vrhovac, demnach der Nachrichtenagentur Srna erklärte, seien die Gespräche „sehr erfolgreich“ gewesen. Konkret: Vrhovac wird zitiert, dass Russland der bosnischen Teilrepublik Investitionen in Höhe von 200 Millionen Dollar in Aussicht gestellt habe. Derzeit investiere Moskau noch 17,5 Millionen Dollar.

Damit nicht genug: „Was während unseres Aufenthalts in Russland besonders hervorgehoben wurde, war die Zuneigung und der Respekt für Milorad Dodik aufgrund der Nichteinführung von Sanktionen gegen Russland und seine Freundschaft mit dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin“, wird Vrhovac weiter zitiert. Seine Delegation habe demnach eine Liste mit 734 Rohstoffen erhalten, die Russland als Gegenleistung benötige.

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

Bosnien-Herzegowina: Enge Zusammenarbeit zwischen Republika Srpska und Russland

Laut bne IntelliNews sagte er: „Es gibt zahlreiche Bereiche, in denen wir zusammenarbeiten können, von der Holzverarbeitung über Lebensmittel bis hin zur Medizin. Jetzt liegt alles an uns und ich glaube, wir werden die Chance nutzen.“

Ferner erzählte Vrhovac, dass die Republika Srpska im September eine Delegation russischer Geschäftsleute auf der zweiten Investitionskonferenz „Invest Srpska 2022“ in Prijedor empfangen werde. Weitere Versuche Moskaus, um die fragile Teilrepublik Srpska in Bosnien-Herzegowina auf seine Seite zu ziehen? (pm)

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