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Putin in der Machtfalle: Mächtige Silowiki verfolgen zunehmend eigene Pläne

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Von: Fabian Müller

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Ramsan Kadyrow und Jewgeni Prigoschin, zwei der mächtigen Silowiki, werden Russlands Präsidenten Wladimir Putin zusehends gefährlich. Doch für den sind beide aktuell unantastbar.

Moskau/München - Sie heißen Ramsan Kadyrow oder Jewgeni Prigoschin und gelten als mächtig, berechnend und skrupellos. Die Rede ist von den sogenannten Silowiki, ranghohen Geheimdienstlern und Militärs. Eigentlich gelten Kadyrow, der Anführer der Tschetschenen, und Prigoschin, wichtiger Kopf der paramilitärischen Gruppe Wagner, als treu gegenüber Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Nicht umsonst werden Kadyrow „Putins Bluthund“ und Prigoschin „Putins Koch“ genannt - beide haben sich um Putins Interessen verdient gemacht. Das berichtet merkur.de.

Doch nun nutzen beide die Unruhe rund um den Krieg in der Ukraine und versuchen, massiv ihre Macht und ihren Einfluss auszubauen. Das berichtet das Institute for the Study of War, kurz ISW, in seinem Bericht vom Montag. Wagner-Chef Prigoschin baut dem ISW zufolge gerade mehrere Ausbildungszentren auf, um darin weitere Kämpfer für die Wagner-Gruppe zu gewinnen und zu schulen. Allerdings sollen die Männer später nicht für Putin in den Krieg ziehen, sondern für Prigoschin. Der begann zudem Ende Oktober im Oblast Belgorod damit, eine eigene Befestigungsanlage zu errichten.

Kadyrow und Prigoschin sägen an Putins Macht: Einmischung in US-Wahlkampf und neue Netzwerke

Macht in Russland: Im Kreml kommt Putin immer mehr ins Straucheln.
Im Kreml gerät Präsident Wladimir Putins (links) Macht immer mehr ins Wanken. (Archivbild) © Alexei Druzhinin/dpa

Das ISW berichtet außerdem davon, dass Prigoschin in Russlands zweitgrößter Stadt, Sankt Petersburg, Unruhe stiftet. Dort attackiert er immer wieder öffentlich Alexander Beglow, den örtlichen Gouverneur, eröffnete in der Stadt sogar ein eigenes Zentrum, mit dem er laut ISW versuchen könnte, „die Geschäftswelt der Stadt zu infiltrieren“.

Auch in der Außenpolitik positionierte sich Prigoschin in der jüngeren Vergangenheit vermehrt und stellte sich als starken Russen dar. Unter anderem behauptete er am Montag, einen Tag vor den Midterms in den USA, sich in den US-Wahlkampf eingemischt zu haben, er wurde mit den Worten „Wir haben uns eingemischt, wir tun es und wir werden es weiter tun“ zitiert. Der Kreml wird seit Jahren der Einmischung in Wahlen beschuldigt, gegen Prigoschin wurden deshalb bereits Sanktionen verhängt.

Silowiki greifen nach Macht in Russland: Wird Prigoschin Putins Nachfolger auf dem Präsidentenstuhl?

Neben Prigoschin versucht auch Ramsan Kadyrow, sich am Krieg in der Ukraine zu bereichern. Laut dem ISW baut Putins Bluthund „Geschäftsnetzwerke in den besetzten Gebieten auf“. Zudem sollen Kadyrow und seine Männer durch Plünderungen enorme Summen erwirtschaften.

Kadyrow verhalte sich laut ISW ähnlich wie Prigoschin, beide würden für die eigene Armee werben und damit das russische Militär untergraben. Im Gegensatz zu Purins Truppen verfügen die Soldaten von Kadyrow und Prigoschin über gute Ausbildung und deutlich bessere Ausrüstung. Die Zustände beim russischen Militär sind zahlreichen Berichten zufolge katastrophal.

Putin kann den Machenschaften seiner ehemals getreuen Unterstützer nicht beenden, er ist im Ukraine-Krieg militärisch dringend auf sie angewiesen, laut ISW könne er sich nicht leisten, ihre Macht zu beschneiden oder sie gar zu bestrafen. Aktuell seien sie unantastbar, für Putin eine brandgefährliche Situation. Prigoschin wird in Russland schon als nächster Präsident und damit als Nachfolger Putins gehandelt. (fmü)

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