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„Dann hat er mich auf die Binde angesprochen ...“: Faeser enthüllt Infantino-Gespräch auf Tribüne

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Von: Marcus Giebel

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Für die „One Love“-Binde ist nach dem Willen der FIFA bei der Fußball-WM in Katar kein Platz. Nancy Faeser zeigte sich trotzdem mit ihr im Stadion. Und diskutierte mit Gianni Infantino.

München - Sie ist die berühmteste Kapitänsbinde der Fußballwelt. Sie ist zu einem Politikum geworden. Und so hat sie es letztlich doch auf ein gemeinsames Foto mit Gianni Infantino, dem mächtigen Präsidenten des Fußball-Weltverbandes FIFA, geschafft. Das Stück Stoff mit dem „One Love“-Symbol, einer weißen Eins in einem bunten Herz, bestimmte die Schlagzeilen zu Beginn der Fußball-WM in Katar.

Für den bislang letzten Akt des Theaters um die Binde, mit der sieben europäische Nationalteams bei dem umstrittenen Turnier ihre Kapitäne aufs Feld schicken wollten, sorgte Nancy Faeser. Die Innenministerin besuchte das Auftaktspiel des DFB-Teams gegen Japan (1:2) und trug dabei jene für die Aktiven verbotene „One Love“-Binde, die für Vielfalt und Toleranz steht. Dabei kam sie auf der Ehrentribüne des Khalifa International Stadium sogar mit Infantino ins Gespräch, wie sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland verriet.

WM 2022 in Katar: Faeser will mit Infantino über „One Love“-Binde gesprochen haben

Denn ihren Angaben zufolge wurde der SPD-Politikerin wegen der Abwesenheit eines Regierungsvertreters aus Katar der Platz neben dem Schweizer angeboten. „Dann hat er mich auch auf die Binde angesprochen, ob das die Binde ist, dann habe ich ihm gesagt: ‚Und ist nicht so schlimm wie sie denken, oder?‘“, gab Faeser den Austausch laut der Deutschen Presse-Agentur wieder.

Vermutlich entstand so auch das im Internet kursierende Foto, auf dem Infantino neben der sitzenden Faeser stehend und mit einem Lächeln im Gesicht auf die Binde zeigend zu sehen ist. Die Sozialdemokratin will ihm aber auch kritisch begegnet sein und ihm gesagt haben, „dass ich die Entscheidung der FIFA als großen Fehler sehe“.

Der WM-Veranstalter hatte den Spielern das Tragen der Binde unter Androhung offenbar nicht näher benannter Strafen verboten, weil die FIFA die Binden für ihre Turniere selbst stellt. Die Exemplare für die Wochen in Katar sind auch mit verschiedenen Slogans wie „SaveThePlanet“, „NoDiscrimination“ oder „FootballUnitesTheWorld“ versehen.

Gianni Infantino steht neben Nancy Faeser und zeigt auf die „One Love“-Binde
Auf Tuchfühlung mit der „One Love“-Binde: Innenministerin Nancy Faeser brachte das Stück Stoff und FIFA-Boss Gianni Infantino zusammen. © Twitter/@JensWeinreich

Faeser bei WM in Katar: Polizisten sollen Fans Regenbogenflagge abgenommen haben

Zuletzt verurteilte sogar das Europaparlament das Vorgehen der FIFA gegenüber den Fußballverbänden von Deutschland, England, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz, und Wales in einer Resolution. Faeser nannte den aus dem Infantino-Haus ausgeübten Druck unglaublich.

Enttäuscht sei sie auch vom Gastgeber selbst, denn es zeige sich, dass die vor dem Turnier von Katar gemachten Zusagen nicht eingehalten würden. So hätten ihr Fans berichtet, dass ihnen vor dem Betreten des Stadions die Regenbogenflagge von der Polizei abgenommen worden sei. Auch ein weitgehendes Bierverbot für die WM-Arenen - in Katar eigentlich üblich - war für das Turnier erst kurz vor dem Start offiziell verhängt worden.

„One Love“-Binde bei der WM 2022: Faeser trug sie im Stadion - jetzt soll sie ins Museum

Faeser erinnerte auch an den stummen Protest der deutschen Startelf: Die Spieler hatten sich beim obligatorischen Mannschaftsfoto den Mund zugehalten, um zu demonstrieren, dass die FIFA sie mundtot machen würde. Weiter sagte die für den Spitzensport zuständige Ministerin, die mutmaßlich als einziges Regierungsmitglied den Weg nach Katar auf sich nimmt: „Ich habe meinen Protest ausgeübt, indem ich die ‚One Love‘-Binde getragen habe.“

Wie es für den symbolträchtigen Armschmuck weitergehen wird, scheint auch schon klar zu sein. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel möchte die Stiftung Haus der Geschichte die Binde als Ausstellungsstück fürs Museum in Bonn übernehmen. Eine entsprechende Bitte sei an das Innenministerium ergangen. (mg)

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