Wolfgang Heubisch über Kreativität und Kapital

Auch ein Minister mag's mal vorlaut

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Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat „Peter und der Wolf“ auf Bairisch umgetextet – na dann: Prost!

München - Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) wird am 12. Dezember in der Musikhochschule den Text zu Prokofjews "Peter und der Wolf" rezitieren. Die tz sprach mit ihm.

Als Kunstminister kann es nicht schaden, wenn man selbst die Bühne entert. Wie Wolfgang Heubisch (FDP), der am 12. Dezember in der Musikhochschule den Text zu Prokofjews Peter und der Wolf rezitieren wird. Oder besser: Bäda und da Woif. Denn schließlich hat der 1946 in München geborene Politiker den Text ins Bairische übersetzt. Wir trafen Heubisch stilecht zum Weißwurstfrühstück.

Herr Minister, wollen Sie es Ihren Kritikern zeigen, die gerne ins Feld führen, dass Sie ja eigentlich Zahnarzt sind?

Wolfgang Heubisch: Nein, gar nicht! Mich hatte der Vizepräsident der Musikhochschule, Christoph Adt, mal auf Peter und der Wolf angesprochen.

Sagten Sie gleich zu?

Heubisch: Nein. Ich musste überzeugt werden, bis ich zum ihm sagte: Dann geben Sie mir halt das Libretto! Ich las es durch und wusste nach wie vor nicht so recht, was das sollte. Das ist nicht mein Idiom, das kann ich nicht, wehrte ich mich. Und dann hatte ich eine Idee: Gibt’s denn das auf Bairisch? Nein. Und so schrieb ich es um.

Welche Vorlage hatten Sie?

Heubisch: Die von Loriot. Aber das hätte ich nicht im Original vortragen können, Loriot ist eine ganz andere Liga, und ich habe auch nichts dazugedichtet. Doch als Original-Münchner, der im Chiemgau verwurzelt ist, fühle ich mich jetzt wohl mit meinem Text. Er ist ja auch nicht das ganz große Drama. Ich habe zwei Urlaube drangesessen – nicht, dass Sie denken, ich hätte mein Ministeramt vier Wochen lang ruhen lassen.

Wie sind die Reaktionen der Musikhochschüler?

Heubisch: Die waren auf der Probe begeistert von meiner bairischen Aussprache. Egal, ob sie mich verstanden haben oder nicht. Und die erste Aufführung in Wolfratshausen kam ebenfalls gut an. Ich hatte die Stoibers eingeladen, die es sichtlich genossen. Der Erfolg war so groß, dass wir das jetzt noch einmal aufführen – wenn auch in geschlossener Gesellschaft. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Ihre Lieblingsfigur?

Heubisch: Das Vogerl. Es ist frech, vorlaut, selbstbewusst. Aber am meisten habe ich von der Hauptfigur: Peter hat „koa Angst nia ned“, wie ich schreibe. Er ist selbstbewusst, handelt und kümmert sich um andere.

Will er den bösen Wolf nicht deshalb fangen, weil er ein großes Geltungsbedürfnis hat?

Heubisch: So kann man es auch sehen. Aber ich glaube, er denkt nicht lange darüber nach, sondern will einfach denjenigen helfen, die in Not sind.

Hat die Aufführung einen handfesten Hintergrund?

Heubisch: Ja. Ich will als Minister vorangehen und Geld sammeln für die Renovierung der Musikhochschule. Es ist ein Signal an die Spendenbereitschaft der Münchner.

Glauben Sie nicht, dass die Münchner schon genug stöhnen – über die Sanierung des Deutschen Theaters, des Gärtnerplatztheaters, den möglichen Konzertsaal für die BR-Symphoniker?

Heubisch: Nein. Ich glaube, dass man gerade in München den Bürgern klarmachen kann, dass Stillstand Rückstand ist. Wir haben bald 1,5 Millionen Einwohner, und je größer das Kulturangebot ist, desto mehr Menschen kommen zu uns.

Aber die Kosten fürs Deutsche Theater steigen und steigen …

Heubisch: Eines ist klar: So darf es bei der Gärtnerplatz-Sanierung nicht laufen. Die Planung obliegt der Obersten Baubehörde. Aber wenn es Verzögerungen oder höhere Kosten geben sollte, dann stehe ich ganz schnell auf der Matte. Gerade der Gärtnerplatz ist heikel, den setze ich ganz oben an – auch, weil die Anwohner viel Lärm und Stress ausgesetzt sind. Das wollen wir so schnell wie möglich durchziehen.

Ein Satz zum Neubau fürs Vorzeige-Orchester, die BR-Symphoniker?

Heubisch: Die Machbarkeitsstudie wird wohl erst Ende Januar erscheinen, da ich noch ein paar Punkte ausarbeiten will. Aber im Grunde ist der Münchner ja stolz, wenn was passiert. Und denken Sie etwa an Luzern: gerade mal 80 000 Einwohner, doch sie wollten den Neubau und haben nun einen fantastischen Saal. Man darf nicht ängstlich sein. Für mich war Stuttgart 21 ein Déjà-vu-Erlebnis. München ist nun mal der Leuchtturm und strahlt aus, das ist in der Wissenschaft genauso.

Das werden die Nürnberger nicht gerne hören, gerade nach dem Streit um das Dürer-Selbstporträt …

Heubisch: Wissen Sie was? Die freuen sich mittlerweile, weil sie gar keine bessere Werbung für ihre Ausstellung bekommen konnten.

Und was wird aus der Münchner Philharmonie, wenn der neue Saal tatsächlich kommt?

Heubisch: Um die ist mir nicht bange. Sie wird nach wie vor ausgebucht sein, allerdings ein anderes Angebot präsentieren.

Kehren wir zu „Peter und der Wolf“ zurück: Was passiert mit der Ente, die der Wolf verschlungen hat und so jämmerlich aus seinem Bauch kräht?

Heubisch: Die wird gerettet. Der Wolf würgt sie wieder aus. Es wäre zu schade, wenn sie so ihr Leben aushauchen würde.

Interview: Matthias Bieber

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