Zahl der Flüchtlinge vom Balkan steigt

Berlin - Innenminister Friedrich beäugt seit Wochen kritisch die wachsende Zahl der Asylbewerber vom Balkan. Nun ist die neue Statistik da - und Serben und Mazedonier stehen bei den Asylanträgen wieder mit Abstand an der Spitze. Friedrich will das nicht länger hinnehmen.

Der Zustrom von Asylbewerbern aus Balkanländern hält an. Auch im Oktober kamen die mit Abstand meisten Asylsuchenden aus Serbien und Mazedonien, wie das Bundesinnenministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Ressortchef Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte im Südwestrundfunk: „Diese Entwicklung kann nicht so weitergehen.“ Erneut plädierte er dafür, die Visapflicht für diese Länder wiedereinzuführen. Die Grünen warnten vor Populismus und Ausgrenzung.

Friedrich und andere Innenpolitiker beäugen den Ansturm der Asylbewerber vom Balkan seit Wochen mit Argwohn. Bereits im September hatte es einen deutlichen Anstieg der Asylsuchenden aus diesen Ländern gegeben. Im Oktober ging es nun noch einmal nach oben: Fast 2700 Menschen kamen aus Serbien und etwa 1300 aus Mazedonien, um in Deutschland um Asyl zu bitten. Aus dem Kosovo (344) und Bosnien und Herzegowina (630) kamen doppelt beziehungsweise drei Mal so viele Menschen wie noch im September.

Die Asylbewerberzahl ging dadurch insgesamt deutlich nach oben: Im Oktober stellten 9950 Menschen in Deutschland einen Asylantrag. Das waren fast 50 Prozent mehr als im September - und etwa 140 Prozent mehr als im Oktober 2011. Damit haben im bisherigen Jahr - mit rund 50 000 Menschen - bereits mehr Personen einen Asylantrag gestellt als gesamten Vorjahr (rund 46 000).

Rund 500 Menschen erkannten die Behörden im Oktober als Flüchtlinge an. Serben, Mazedonier, Bosnier oder Kosovaren waren nicht darunter.

Friedrich sagte im SWR, hinter den neuen Zahlen seien viele Anträge von Menschen verborgen, „die am Ende nicht anerkannt werden als Asylbewerber - und deswegen muss man ihnen das auch rechtzeitig und schnell sagen“. Er hatte zuletzt dafür geworben, Asylverfahren zu beschleunigen und unberechtigte Bewerber zügig heimzuschicken. Außerdem will er jenen, die nicht aus Krisenstaaten kommen, künftig weniger Geld bar auszahlen lassen.

„Ich bin dafür, dass wir vor allem den Menschen in ihren Ländern helfen“, sagte der CSU-Politiker. Die serbische und mazedonische Regierung müssten aber auch mit der Wiedereinführung der Visapflicht rechnen, wenn sie nicht dafür Sorge trügen, dass ihre Bürger ordentlich behandelt werden und zu Hause bleiben, „sondern weiter nach Deutschland kommen und unsere Kapazitäten hier überfüllen“.

Flüchtlingsorganisationen vermuten, dass unter den Asylbewerbern aus Serbien und Mazedonien vor allem Roma sind, die vor schlechten Lebensbedingungen und dem nahenden Winter in ihrer Heimat fliehen.

Der Grünen-Fraktionsvize Josef Winkler beklagte eine Verkürzung der Debatte auf den verstärkten Zuzug von Roma. „Die gestiegene Zahl der Asylbewerber aus Serbien und Mazedonien darf nicht für innenpolitischen Populismus missbraucht werden“, mahnte er. „Tatsächlich deutet sie vor allem auf die Ausgrenzung der dortigen Minderheiten hin.“ Statt über eine Wiedereinführung der Visapflicht zu diskutieren, müsse über Wege beraten werden, um die Situation der Roma in ihrer Heimat zu verbessern.

Die aktuellen Zahlen sind weit entfernt von dem Flüchtlingsansturm, den Deutschland in den 90er Jahren erlebte: Im Rekordjahr 1992 wurden mehr als 400 000 Asylsuchende gezählt. Seitdem ist die Zahl drastisch geschrumpft.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

auch interessant

Meistgelesen

Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Zitierte Trump den Batman-Bösewicht Bane?
Zitierte Trump den Batman-Bösewicht Bane?
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
US-Presse sagt Donald Trump den Kampf an
Kontrollen in Kölner Silvesternacht: Geheim-Bericht mit neuer Brisanz
Kontrollen in Kölner Silvesternacht: Geheim-Bericht mit neuer Brisanz

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion