Frankenberger in TV-Show als "Jungfaschist" beleidigt

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ZDF-Redakteur Wolfgang Herles lieferte den Stein des Anstoßes

Passau - Er musste sich ja schon viele Beleidigungen anhören. Doch wenn ihn ein ZDF-Journalist in einer TV-Talkshow als "wildgewordenen Jungfaschisten" bezeichnet, platzt auch dem ÖDP-Mann Sebastian Frankenberger die Hutschnur.

Der Initiator des erfolgreichen Volksbegehrens für das bayerische Rauchverbot schäumt vor Wut. Er fordert vom ZDF eine öffentliche Entschuldigung und setzt dem Sender sogar ein Ultimatum. Sollte der nicht reagieren, droht der 30-Jährige mit "weiteren Schritten".  Was war passiert?

In der Gesprächsrunde "Unter den Linden" des TV-Nachrichtenkanals Phoenix ging es am vergangenen Montag um die Frage, ob die Demokratie in der Krise steckt. Eingeladen war unter anderem ZDF-Redakteur Wolfgang Herles (51). Der Redaktionsleiter des Kulturmagazins "aspekte" machte sich beim Thema "Wutbürger" ordentlich Luft.

Er nannte zwar den Namen des Bundesvorsitzenden der Ökologisch-Demokratischen Partei nicht, allerdings war jedem Zuschauer völlig klar, auf wen er anspielte, als er sagte: "Ich kenne Wutbürger, die mir absolut nicht behagen - nehmen wir diesen wildgewordenen Jungfaschisten, grün angestrichen, der in Bayern ein radikales Rauchverbot per Volksbefragung durchgesetzt hat."

In der Phoenix-Sendung fuhr Herles, selbst Nichtraucher und für seine Nähe zur CSU bekannt, fort: "Ich mag nicht diese illiberalen Leute, die den anderen die Freiheit nicht gönnen, sich so zu verhalten, wie sie wollen." Da zeige sich "ein grüner Faschismus", so Herles.

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In einem offenen Brief reagiert Frankenberger nun "entsetzt" auf diese Beleidigung. Mit Bezug auf das Volksbegehren schreibt er: "Ich kann einfach nicht verstehen, wie Sie ein solches direkt demokratisches Verfahren als Faschismus bezeichnen können." Er fährt fort: "(Ich bin) sehr erschüttert, wie leichtfertig sie den Begriff Faschismus gebrauchen, so dass der tatsächliche rechtsradikale, antidemokratische Faschismus dadurch abgeschwächt wird." Schließlich fragt der Politiker, der gerade eine Fortbildung als Zeitgeschichte-Fremdenführer im Konzentrationslager Mauthausen macht: "Wissen Sie eigentlich, wie unglaublich beleidigend und verleumderisch ein Vergleich mit solch einem System ist?"

Der streitbare Frankenberger hatte im vergangenen Jahr unter anderem für seinen Versuch von sich reden gemacht, in der Allianz Arena ein Rauchverbot durchzusetzen. Auch von einem Rauchverbot unter freiem Himmel ist er angetan.

Dieter Janacek, einer der Vorsitzenden der bayerischen Grünen, versicherte Frankenberger auf Facebook seine Solidarität. Laut dem Online-Portal der SZ will Phoenix zu den Äußerungen von Herles keine Stellung abgeben. Der Sender hält sein Statement für "eine rein private Meinung". Herles selbst will nach Informationen der SZ "keine Silbe zurücknehmen." Frankenberger sei für ihn ein Mensch, "der die Welt von einem vermeintlichen Übel erlösen will. Das ist sicherlich nicht im historischem Sinne faschistisch, aber es ist eine Kreuzzüglermentalität". Und die habe für ihn sehr wohl faschistische Züge, so der ZDF-Journalist.

tz

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