Ausgefallene Motive, Wirtshäuser, Nachhaltigkeit:

Was München zu einem touristisch attraktiven Ziel macht

Zwar halten Münchner ihre Stadt schon für überlaufen, doch gehen Experten keineswegs von einem „Overtourism" aus.
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Zwar halten Münchner ihre Stadt schon für überlaufen, doch gehen Experten keineswegs von einem „Overtourism" aus.

Die touristische Branche in München wächst stetig. Anfang 2019 vermeldete die Stadt neue Rekordzahlen: Insgesamt 17,1 Millionen Menschen übernachteten im Jahr 2018 in den zahlreichen Hotels, Hostels und Herbergen mit mehr als acht Betten.

Dies entspricht einem Gesamtjahresplus von 6,5 Prozent. Nur die deutsche Metropole und Hauptstadt Berlin empfing im vergangenen Jahr mehr nationale und internationale Besucher. Warum aber ist München so ein strahlender touristischer Magnet, der sich von anderen innerdeutschen Städten abhebt? Experten führen die starke Aufwärtsdynamik nicht alleine auf das Oktoberfest oder die historischen Sehenswürdigkeiten Münchens zurück. Vielmehr sorge ein Zusammenspiel von kulturellen, politischen und marketingwirksamen Komponenten für die anhaltende touristische Begeisterung im In- und Ausland. 

Zeitgemäßes und junges Werksviertel belebt das Stadtbild

Natürlich rechnet die Stadt auch im Jahr 2019 mit wachsenden Besucher- und Übernachtungszahlen. Um der hohen Nachfrage zu entsprechen, planen Wirtschaft und Politik einen schrittweisen Ausbau der ortsansässigen Hotellerie. Neben Hostels in zentraler Lage wie beispielsweise den A&O Hostels entstehen im Münchener Osten viele neue Quartiere. Hinter dem Ostbahnhof auf der rechten Seite der Isar entstehen neben einer ganzen Hotelflut viele neue Arbeitsplätze und sozialer Wohnraum.

An der Orleansstraße entsteht ein neuer Standort der designorientierten Hotelkette „Motel One“. Auch das Gambio Hotel hat in Münchens Kreativviertel einen neuen Standort zugesagt, der voraussichtlich Ende 2019 fertig sein soll. Der neue Ballungsraum entsteht alles andere als grundlos. Denn das Viertel befindet sich in einem dynamischen Entwicklungsprozess, der nicht spurlos an der Stadt vorbeigeht. Luxushotels wie der Bayerische Hof sind im Werksviertel nicht zu finden – und von Touristen, die hierherkommen, auch nicht gewollt. Denn im Werksviertel wird der sozialen Verträglichkeit ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Im zukunftsträchtigen Viertel genießen die bodenständigen Menschen die vielseitige Architektur, aber auch die grünen Oasen und Rückzugsmöglichkeiten.

Licht als Geheimnis der Münchener Biergärten

Biergärten sind in München nicht einfach nur Orte zum entspannten Biertrinken. Vielmehr sind sie als Lebensgefühl, gar eigene Institutionen anzusehen. Jahr für Jahr kehren Tausende von Touristen in die Biergärten am Wiener Platz oder in den Augustiner-Keller ein. Was aber ist das Geheimnis der traditionsreichen „zweiten Wohnzimmer“ der Stadt? Eine eher unkonventielle Antwort darauf liefert der Lichtforscher Andreas Wojtysiak. Die Lichtverhältnisse Münchens stehen seiner Aussage nach ohnehin günstig. Durch die nähere Lage am Äquator fallen die Tage in der bayerischen Hochburg im innerdeutschen Vergleich im Winter länger aus.

In den Biergärten sei das spezielle Licht für die wohlige, heimelige Atmosphäre verantwortlich, die Touristen so schätzen. Die Bäume filtern das kurzwellige und bläuliche Licht heraus. Dieser Lichtanteil belebt den menschlichen Körper, macht ihn wach. Unter den Bäumen bleibt also der rötliche Anteil des Sonnenlichtes zurück. Dieser beruhigt – wie der sanfte Schein einer Kerze – das menschliche Gemüt. Auf diese Weise entsteht inmitten der Münchener Biergärten ein warmer und geschützter Rückzugsort. Es ist der spezielle Gesamteindruck des Lichts, der die Menschen dazu bewegen würde, immer wiederzukommen.

Außergewöhnliche Fotomotive fernab der klassischen Sehenswürdigkeiten

Anders als vermutet zieht einige Touristen nicht das Rathaus, der Viktualienmarkt oder der Chinesischen Turm in die Metropole. Stattdessen stehen naturnahe, kunstvolle und auf andere Weise außergewöhnliche Motive im Fokus.

Zu den außergewöhnlichsten Foto-Motiven innerhalb der bayerischen Hochburg gehört die Kaufingertor Passage. Es sind die Lichtspiele der Schmetterlinge, die hier abends ein einzigartiges Ambiente erzeugen. Die Überdachung erzeugt in der Abenddämmerung einen schönen Kontrast zu den Reklameschildern der Geschäfte. Ebenfalls kontrastreich ist die schwarze Kanzel in der Theatinerkirche am Odeonsplatz. Sie bildet mit ihrer pechschwarzen Farbe einen einzigartigen Gegensatz zu den weißen Säulen und den bräunlichen Sitzbänken.

Münchener Wirtshäuser stehen bei Individualreisenden hoch im Kurs

Ob Hofbräuhaus, Haxnbauer oder Hackerhaus: Die Münchener Wirtshäuser sind nicht nur touristische Sehnsuchtsorte. Es ist die landestypische Tradition, welche Einheimische und Touristen gleichermaßen in den Bann zieht. Je größer das touristische Aufkommen ist, desto strenger handhaben die Wirtshäuser ihre Qualitätskontrollen. Im Hofbräuhaus wird die Tradition besonders großgeschrieben. Elektrisch verstärkte Instrumente gibt es im Wirtshaus ebenso wenig zu hören wie zeitgemäße Schlagermusik.

Stattdessen stellen sich alle darbietenden Künstler – zumindest für einen Abend – in den Dienst der alpenländischen Volksmusik. Goaßlschnalzer, Trachtler und Schuhplattler bieten den Gästen ein spezielles und unvergessliches Unterhaltungsprogramm. Vor allem die japanischen und chinesischen Reisenden zeigen sich von der Haxn-Kultur nachhaltig beeindruckt.

Sehenswürdigkeiten Münchens verbreiten sich durch Netzkultur in alle Welt

Auch die Touristen selbst lassen München sehenswert erscheinen. Sie tragen die berühmten Orte durch das Internet in die weite Welt hinaus. Teilweise gehen die Touristen mit altbekannten Sehenswürdigkeiten allerdings hart ins Gericht. Das Schloss Nymphenburg kommt bei vielen Besuchern „atemberaubend“ und „berührend“ an. Weit weniger Zuspruch erhält hingegen die Münchener Frauenkirche von der Netzgemeinde. „Nüchtern“, „kahl im Innenraum“ und „etwas langweilig“ lauten die einhelligen Meinungen zum spätgotischen Bauwerk.

Als überraschender Besucher-Magnet kristallisierte sich in den vergangenen Jahren das BMW-Gelände heraus. Die Touristen erachten den Besuch als lohnenswert. Der freie Zutritt zum Gebäudekomplex macht BMW selbst für Nicht-Autofahrer zu einem beliebten Ausflugsziel. Dieser Umstand liegt in der außergewöhnlich futuristischen Gestaltung des Geländes begründet. Einzelne Gebäudeteile des Stammwerks muten mit ihrer Bauweise wie aus einem Science-Fiction-Film an. Wer tiefer hinter die Kulissen des Automobilbauers schauen möchte, nimmt an den angebotenen Werksführungen teil.

München boomt mit innovativen Konzepten und nachhaltigen Ideen

Nicht zuletzt die innovativen Konzepte begünstigen den touristischen Zuwachs. In Zeiten des Klimawandels setzt bei vielen Touristen ein Umdenken ein. Warum mit dem Auto reisen, wenn die nachhaltigere Alternative, der Zug, ebenso schnell am Ziel ist? Diesen Punkt nehmen sich die „grünen“ Politiker Münchens vor. Sie wollen die An- und Abreisebedingungen der Touristen nachhaltiger gestalten. Beispielsweise sei langfristig gesehen ein Rabatt auf nachhaltige öffentliche Verkehrsmittel denkbar. Die Zusammenarbeit mit Carsharing-Dienstleistern und anderen Mobilitätsstationen solle stetig verbessert werden. Auch verbesserte Navigationssysteme, die sich speziell an Touristen richten, seien denkbar. Mit solch einem nachhaltigen Konzept könnte der touristische Zustrom in Zukunft weiter ansteigen.

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