Tradition im Tölzer Land

Flößer zwischen Folklore und Toten Hosen

Rasantes Vergnügen: Höhepunkt für die Touristen sind die Floßrutschen. Foto: Bernd F. Meier
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Rasantes Vergnügen: Höhepunkt für die Touristen sind die Floßrutschen. Foto: Bernd F. Meier
Über 28 Kilometer führt die Floßfahrt für die Touristen von Wolfratshausen nach München. Foto: Bernd F. Meier
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Über 28 Kilometer führt die Floßfahrt für die Touristen von Wolfratshausen nach München. Foto: Bernd F. Meier
Bevor die Touristen aufsteigen, müssen die Flöße weitgehend in Handarbeit zusammengebaut werden. Foto: Bernd F. Meier
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Bevor die Touristen aufsteigen, müssen die Flöße weitgehend in Handarbeit zusammengebaut werden. Foto: Bernd F. Meier
Josef Seitner ist Flößermeister in vierter Generation. Foto: Bernd F. Meier
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Josef Seitner ist Flößermeister in vierter Generation. Foto: Bernd F. Meier
Muskelarbeit: Nicht nur beim Aufbauen, sondern auch beim Lenken hat Jason Charles ordentlich zu tun. Foto: Bernd F. Meier
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Muskelarbeit: Nicht nur beim Aufbauen, sondern auch beim Lenken hat Jason Charles ordentlich zu tun. Foto: Bernd F. Meier
Alles, was Gäste zum Mitsingen animiert: Wigg Heislmeier (links) spielt auf den Fahrten mit seiner "Floßcombo". Foto: Bernd F. Meier
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Alles, was Gäste zum Mitsingen animiert: Wigg Heislmeier (links) spielt auf den Fahrten mit seiner "Floßcombo". Foto: Bernd F. Meier
Schon im Morgengrauen bauen die Flößer die schwimmenden Inseln zusammen. Foto: Tölzer Land Tourismus
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Schon im Morgengrauen bauen die Flößer die schwimmenden Inseln zusammen. Foto: Tölzer Land Tourismus
Mit muskelbepackten Armen: Jason Charles (l.) und Michele Scollo sind Flößer in Wolfratshausen. Foto: Bernd F. Meier
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Mit muskelbepackten Armen: Jason Charles (l.) und Michele Scollo sind Flößer in Wolfratshausen. Foto: Bernd F. Meier

Früher transportierten die Flößer aus Wolfratshausen Waren, heute Touristen. Über Loisach und Isar treiben die Flöße bis nach München. Für die Gäste ist es eine Gaudi mit Blasmusik und Bier, für die Flößer ein Knochenjob.

Wolfratshausen (dpa/tmn) - Stamm um Stamm klatscht ins Wasser und wird von den Männern zu einem Floß zusammengebaut. So machen es die Flößer von Wolfratshausen heute, und so war es schon immer. 19 Tonnen bringt die schwimmende Insel am Ende auf die Waage.

Wer das Tag für Tag macht, bei dem sitzt jeder Handgriff. "Fitnessstudio? Das brauchen wir nicht, hier ist unsere Muckibude", sagen die beiden Flößer Jason Charles und Michelle Scollo.

Charles und Scollo arbeiten für Josef Seitner. Der ist 70 Jahre alt und Flößermeister in der vierten Generation. Zwischen dem 1. Mai und Mitte September bietet er täglich Floßfahrten für Touristen an.

Im Tölzer Land gehört er zu den Letzten einer traditionsreichen Zunft, deren Geschichte bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Tuche und Kalk, Marmor und Möbel schafften die Männer während wochenlanger Fahrten nach München, Passau und auf der Donau bis Wien und Budapest. Darüber hinaus wurden die Flöße bis etwa 1850 zur Personenbeförderung genutzt.

1904 machte Josef Seitners Großvater Sebastian seine allerletzte Floßfahrt als Fuhrunternehmer. Die Eisenbahn war längst ins bayerische Oberland vorgedrungen. Um 1890 erreichte der erste Zug die Flößergemeinde Wolfratshausen. Außerdem entstanden Ende des 19. Jahrhunderts an der Isar mehrere Wasserkraftwerke. "Viele Flößer gaben auf und ließen sich mit Geld abfinden", erinnert sich Josef Seitner.

Doch Opa Sebastian blieb stur. "Bereits 1910 hat er die erste Vergnügungsfahrt mit Gästen von Wolfratshausen nach München geflößt", so Enkel Josef.

Rund 300 Fahrten kommen für Meister Seitner und seine 18 Mitarbeiter heute während der Sommermonate zusammen: Freundescliquen, Burschenvereine, Feuerwehren, Sängerkreise, Skatclubs, Stars und Sternchen. Natürlich dürfen Bier und zünftige Musik nicht fehlen.

Die Musik kommt von Wigg Heislmeier und seinen Kollegen. "Floßcombo" nennt sich das Quartett um den 77 Jahre alten, quirligen Landshuter. Von bayerischen Heimatklängen bis zu den Toten Hosen spielen die Vier so ziemlich alles, was die Gäste zum Mitsingen und Tanzen auf den schwankenden Brettern animiert.

Spritzige, nasse Höhepunkte der abhängig vom Wasserstand fünf bis sieben Stunden dauernden Gauditour sind die Floßrutschen an den Wasserkraftwerken Pullach und Mühlthal bei Straßlach. 345 Meter lang ist die Mühlthaler Rutsche, die längste Schräge dieser Art in Europa. Mit Tempo 40 driften die massigen Holzinseln auf der Flutwelle abwärts in die 18 Meter tiefer dahinrauschende Isar.

"Jede Fahrt ist anders, jeden Tag ändert sich das Wasser", so Flößer Jason Charles. Der Vierzigjährige mit den muskelbepackten Armen stammt aus Trinidad und Tobago. Einst kam er der Liebe wegen nach Oberbayern. Die Liebe ist gegangen, sein Beruf als Flößer blieb, seit nunmehr 14 Jahren schon. Michelle Scollo ist erst seit 2016 dabei. "Ich muss noch viel von Jason lernen", meint der 38-jährige Sizilianer. Die Zwei sind die einzigen Vollzeitflößer in Seitners Betrieb. Und die neue Generation, die eine über 800 Jahre alte Tradition weiterführen wird.

Wolfratshausen

Tölzer Land - Flößerei

Anbieter Floßfahrt

Floßfahrten auf Loisach und Isar

Anreise: Mit dem Flugzeug bis München. Von dort mit dem Leihwagen bis Wolfratshausen. Die Fahrtzeit beträgt etwa eine Stunde. Mit dem Auto entweder ab München über die Autobahn A 8 München-Salzburg (Ausfahrt Hofoldinger Forst, weiter via Sauerlach und Egling) oder ab München-Süd über die A 95 nach Garmisch-Partenkirchen (Ausfahrt Wolfratshausen, weiter über die B 11a). Mit der Bahn bis München Hauptbahnhof, von dort mit der S-Bahn nach Wolfratshausen.

Reisezeit: Isar-Floßfahrten finden von Anfang Mai bis Mitte September statt. Kosten pro Person etwa zwischen 90 und 130 Euro. Sie führen über 28 Kilometer von Wolfratshausen nach München-Thalkirchen.

Informationen: Tölzer Land Tourismus, Prof.-Max-Lange-Platz 16, 83646 Bad Tölz, Tel.: 08041/50 52 06, E-Mail: info@toelzer-land.de.

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