Die Bahn bietet den Privaten Paroli

IC-Bus von München nach Zürich: Der tz-Test

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Vier mal täglich fährt der IC-Bus Richtung Schweiz.

München - Die Bahn schickt immer mehr Fernbusse auf die Reise, um mit den privaten Anbietern auf dem umkämpften Reisemarkt konkurrieren zu können. tz-Reporter Johannes Welte testet den IC-Bus nach Zürich

Das weiße Design mit den roten Streifen, Polstersitze in dezentem Blau – schon äußerlich erinnert der Bus an das Flaggschiff der Bahn, den ICE. Der Schienenkonzern schickt jetzt nicht mehr nur Züge, sondern auch immer mehr Fernbusse auf die Reise und versucht Boden gutzumachen, den er an private Buslinien verloren hat. Dabei helfen soll unter anderem ein neues Entertainment-Angebot im IC-Bus.

Auf rund 50 Millionen Euro beziffert Bahnchef Rüdiger Grube die Verluste, die die Bahn wegen der Konkurrenz durch private Linienbusse 2013 verzeichnete. Die Bahn reagiert zum mit dem Fernbusanbieter Berlin Linien Bus BLB, der ihr zu 65 Prozent gehört – und sie verzichtet heuer auf Preiserhöhungen im Fernverkehr. Außerdem gibt es mehr Sonderangebote bei ICE-Tickets, die man auch auf Preissuchmaschinen wie www.busliniensuche.de findet. Und sie fährt mit eigenen IC-Bussen Städte an, in die Züge lange brauchen. Auf Hauptstrecken wie nach Hamburg oder Köln sind die ICEs schneller.

Mit dem Tablet online gehen und Filme schauen.

Kostenloses WLAN, Steckdosen an jedem Doppelsitz, Klimaanlage, Beinfreiheit wie im ICE, ein Rollstuhlstellplatz sowie ein eigenes WC sollen der ähnlich ausgestatteten Konkurrenz Paroli bieten. „Wir wollen das Bahn-Angebot ergänzen“, so IC Bus-Chef Stefan Totsch. Am ZOB an der Hackerbrücke starten IC-Busse nach Prag, Freiburg und Zagreb. Und von Nürnberg verkehrt ein Bus über den Münchner Flughafen und ZOB nach Zürich.

ZOB–Zürich gibt es im IC Bus ab 19 Euro, im Eurocity-Zug ab 29 Euro. Der IC Bus braucht 3:45 Stunden, die Bahn 4:08 Stunden. Flixbus fährt ab 13 Euro und braucht 4:10 Minuten.

Ab sofort können Fahrgäste im IC-Bus nach Zürich ein kostenloses Unterhaltungsprogramm genießen: Filme, Hörbücher, Zeitungen – alles kann man via WLAN auf dem eigenen Gerät anschauen. Ein Test – wenn er erfolgreich verläuft, wird das Entertainment auf andere Linien ausgeweitet.

10 Millionen Passagiere

2013 wurde der Fernbusverkehr in Deutschland liberalisiert. Mittlerweile gibt es sieben große Anbieter mit 255 Linien und 7500 Fahrten pro Woche. Zehn Millionen Fahrgäste werden heuer wohl Fernbus fahren, die Bahn transportiert jährlich 131 Millionen Passagiere. 100 Kilometer Fernbusstrecke kosten im Schnitt fünf Euro, bei der Bahn sind es 13 bis 25 Euro.

Der Markt ist hart: Mit city2city gibt Ende Oktober der erste Fernbusanbieter auf. Die Gewerkschaft Verdi fordert mittlerweile ein Qualitätssiegel – bei Kontrollen seien viele Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten festgestellt worden.

J. Welte

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