100 Jahre Feengrotten

Märchenhafte Tropfsteinwelt

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Die "Gralsburg" im Märchendom der Saalfelder Feengrotten.

Die farbenprächtigen Tropfsteine der Saalfelder Feengrotten beflügeln seit Generationen die Fantasie der Besucher. Am 31. Mai vor 100 Jahren wurden sie eröffnet.

Ursprünglich suchten die Bergleute und Forscher eine Heilquelle. Doch was sie 1913 im kargen Schein ihrer Lampen unter Tage erblickten, hat selbst gestandene Männer verzaubert. „Von gleißenden Farben und verschwenderischer Pracht ist alles erfüllt, die ganze Erhabenheit unberührter Natur kommt hier zum Ausdruck“, versuchte einer der Entdecker seine Eindrücke in Worte zu fassen. Für die märchenhafte Tropfsteinwelt in einem alten Saalfelder Bergwerk war bald der Name „Feengrotten“ geboren. Seit ihrer Eröffnung am 31. Mai vor 100 Jahren haben sie mehr als 18 Millionen Besucher angelockt und sind eine der beliebtesten Schauhöhlen Deutschlands.

Anders als andere solcher Höhlen entstanden die Feengrotten nicht auf rein natürlichem Weg. „Seit etwa 1530 wurde hier Alaunschiefer abgebaut“, erzählt Geschäftsführerin Yvonne Wagner. Das daraus gewonnene Salz war wichtig für Gerbereien, die Papierherstellung, aber auch als Wundstiller bekannt. Mit dem Aufkommen der chemischen Industrie verlor Alaunschiefer an Bedeutung, so dass der Abbau um 1850 eingestellt wurde. Wagner: „Der Stollen ist dann verfallen und hat niemanden mehr interessiert.“

Doch da, wo einst Bergleute mühevoll mit Schlegel und Eisen große Hohlräume ins Gestein geschlagen hatten, wuchsen Tropfsteine aus den Wänden, denen verschiedene Mineralien eine bunte Färbung gaben. Während andernorts Tropfsteine rund hundert Jahre brauchen, um etwa einen Zentimeter zu wachsen, schaffen die Saalfelder bis zu drei Zentimeter im Jahr. Denn sie bestehen vor allem aus dem weichen Mineral Diadochit. „Das ist der Ferrari unter den Tropfsteinen“, erklärt Grottenführerin Simone Pamminger. „Aber sie brechen leicht wie eine Salzstange.“

In der Hoffnung eine Heilquelle zu finden und vermarkten zu können, hatte der Berliner Bankier Adolf Mützelburg das alte Bergwerk gekauft und erkunden lassen. Zwei Tage vor Weihnachten 1913 stieß die Expedition auf den „Märchendom“, die älteste und eindrucksvollste Grotte. Mützelburg ließ den Stollen ausbauen und öffnete ihn für Touristen.

Bereitete der Erste Weltkrieg dem Besucherverkehr zunächst ein jähes Ende, wandelten sich die Feengrotten dann zu einem Besuchermagneten. So soll in den 1920er Jahren der Sohn des Komponisten Richard Wagner, Siegfried, im Märchendom zu einem Bühnenbild für die Oper „Tannhäuser“ inspiriert worden sein. Ab den 1930er Jahren schickte die Bahn sogar Sonderzüge nach Saalfeld. Damals wurde dort auch ein Heilstollen eingerichtet - den Angaben nach der erste seiner Art in Deutschland. Mitte der 1950er Jahren wurden die Feengrotten regelrecht überrannt: bis zu 450.000 Besucher waren es im Jahr.

Heute stemmen sich die Feengrotten mit etwa 170.000 Gästen jährlich gegen den rückläufigen Trend bei Schauhöhlen und Besucherbergwerken. Vor einigen Jahren entstanden ein Mitmachmuseum namens „Grottoneum“ und ein märchenhafter Abenteuerpark. Auch der Heilstollen wurde wiederbelebt. „Wir haben vor allem unser Angebot für Familien mit Kindern erweitert“, erklärt Wagner. Alles zusammen bringe es auf etwa 250.000 Besucher im Jahr.

Laut Internationaler Schauhöhlen-Vereinigung (ISCA) gibt es in Deutschland etwa 60 solcher echten Höhlen plus mehr als 100 Besucherbergwerke. „Die Feengrotten sind ein Paradebeispiel, wie Schauhöhlen organisiert werden können“, lobt Vizepräsident Heinz Vonderthann und hebt vor allem die Wissensvermittlung hervor. Der Besuch in Schauhöhlen sei immer wieder die Initialzündung für junge Menschen, sich mehr mit Höhlenforschung auseinanderzusetzen.

100 Jahre Saalfelder Feengrotte

Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Im Mittelalter bauten Bergarbeiter hier schwarzen Schiefer ab. Im Jahr 1910 wurde das fast vergessene Bergwerk wiederentdeckt und ist seit 1914 wieder für Besucher geöffnet. Das historische Foto zeigt Besucher im Märchendom. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Alaunsiedehütte - 1764 erbaut. Bis etwa 1850 war in dem Thüringer Bergwerk Alaunschiefer abgebaut worden. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Das Quellenhaus wurde am 1. Januar 1928 offiziell seiner Bestimmung als Quellenforschungsinstitut, Abfüllort und Verwaltungstrakt übergeben. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Fassung der Heilquelle 1927. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Mineralwasser Gralsquelle. Die "Saalfelder Heilquellen" waren Deutschlands einzige Heilquellen dieser Art. Sie enthielten medizinisch wirksame Konzentrationen an Arsen, Eisen, Phosphat und Sulfat in chemisch gebundener Form. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Adolf Mützelburg entdeckte am 22. Dezember 1913 die dritte Sohle mit dem "Märchendom" und seinem darin befindlichen berühmten Tropfstein "Gralsburg". © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Bau des Brunnentempels. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Einblick in den Brunnentempel. Ursprünglich war die Errichtung eines Heilbades in den Feengrotten geplant. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Die Grasquelle wurde ausgefahren. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Etikett Gralsquelle. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Fest im Brunnentempel 1937. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Historische Ansicht vom Märchendom. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Historische Ansicht vom Märchendom. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Quellenforschungsinstitut im Quellenhaus. Wissenschaftliche Analysen bestätigten einen hohen Mineralgehalt und die medizinische Verwertbarkeit. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Brunnenbohrung. Mit der Suche nach den Quellpunkten untertage entdeckte man völlig unerwartet jene Faszination an Form und Farbe, die vier Jahre später als eines der schönsten Schaubergwerke der Welt der Öffentlichkeit zugänglich wurde. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Historische Ansicht vom Märchendom. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Adolf Mützelburg, Besitzer der Feengrotte mit Mitarbeitern bei der Quellenfassung. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Werbeplakat für die Saalfelder Feengrotte. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Abfüllung der Gralsquelle. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Besucher vor dem Grotteneingang. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH
Saalfelder Feengrotte (Thüringen) historische Fotos aus dem Archiv des Schaubergwerks.
Besucherparkplatz an der Saalfelder Feengrotte. © Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH

dpa

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