Das Luxushotel hat komplett renoviert wiedereröffnet

Mandarin Oriental München: Das ist der Gipfel! Hier hängt jetzt große Bergkunst

Mandarin-Chef Dominik Reiner (l.) mit Kunstexpertin Sonja Lechner (r.) und Kulturredakteurin Katja Kraft.
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Treffen im Turmzimmer: Mandarin-Chef Dominik Reiner (l.) mit Kunstexpertin Sonja Lechner (r.) und Kulturredakteurin Katja Kraft. Lechner hat das Hotel bei der Auswahl der Kunstwerke, die in den Zimmern hängen, beraten.

„Das Tor zu den Alpen“ möchte das das Münchner Luxushotel Mandarin Oriental für seine Gäste sein. Und hat deshalb im Zuge der Renovierung auch künstlerisch einen neuen Gipfel erklommen: Statt wie die meisten Hotels nur Drucke lieblos an die Wände zu hängen, investierte Hotelchef Dominik Reiner in echte Kunstwerke.

  • 12,5 Millionen Euro hat das Haus in die Renovierung investiert.
  • Bergpanoramen des Münchner Künstlers Felix Rehfeld hängen nun in den Zimmern des Hotels.
  • Auch Nicht-Hotelgäste können in der Lobby einen Blick auf die Werke erhaschen.

Genau das ist ja das Schöne an der Kunst – und der Grund, warum Sonja Lechner so für ihren Beruf brennt: „Hier gibt es kein Richtig und Falsch. In ein und demselben Werk kann jeder Betrachter etwas anderes entdecken. Im besten Falle so, wie es Nick Hornby einmal gesagt hat: ,Manchmal, sehr selten, drücken Lieder und Filme und Bilder ganz genau das aus, was du bist‘“, zitiert die Münchner Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin der Kunstkonnex Artconsulting den britischen Schriftsteller. Irgendein passendes Zitat hat die gebürtige Finnin immer in ihrem schier unendlichen Wissensfundus im Kopf. Es sprudelt nur so aus ihr heraus, wenn sie die Chance hat, auch andere von ihrer Leidenschaft, den Künsten nämlich, zu begeistern.

Bei Dominik Reiner brauchte es indes keine große Überzeugungsarbeit. Bei einem Afternoon Tea in der Lobby lernten sich der General Manager des Münchner Mandarin Oriental und die quirlige Netzwerkerin kennen. Und waren sich einig, dass ein Hotel auch ein Zuhause für künstlerische Inspirationsquellen sein sollte. Dieser Ort, an dem sich so viele verschiedene Menschen aus allen Winkeln der Welt begegnen – ob beim Sun Downer auf der Dachterrasse mit dem spektakulären Blick auf München in all seiner Schönheit, oder beim Auschecken in der Lobby.

Leuchtendes Alpenpanorama vor den Fenstern - und in den Zimmern

In diesem Jahr stand die Renovierung der Zimmer an, 12,5 Millionen Euro investierte das Haus in die Erneuerung und Umgestaltung. Doch Reiner wollte nicht einfach „nur“ edle Möbel, Stoffe und Lampen hübsch arrangieren lassen. „Mir war auch wichtig, zu zeigen, dass wir zwar ein Hotel sind, das international vertreten ist – aber den Gast doch spüren zu lassen, dass er hier in München ist“, erzählt er.

Es waren diese Tage, die so nur die bayerische Landeshauptstadt bieten kann: Reiner saß auf der Hotelterrasse, in der Ferne das leuchtende Alpenpanorama, davor die Dächer der Altstadt. Himmlisch. Da wurde ihm die Überschrift für die Geschichte klar, die er erzählen möchte – München, das Tor zu den Alpen. „Hier kommen unsere Gäste an. Aus aller Welt. Wir sind meist der Anfang einer Reise weiter nach Österreich oder in die bayerischen Berge.“ Das Begrüßungskomitee gewissermaßen für jeden, der alle Vorzüge des (bayerischen) Lebens auskosten möchte.

In jedem Raum des Hotels ist (mindestens) eins der 100 Bergpanoramen zu sehen, die Felix Rehfeld (r.) angefertigt hat. Im Treppenaufgang hängen sie alle noch einmal im Miniaturformat. Kunstberaterin Sonja Lechner (l.) hat den Münchner Künstler schon häufig ausgestellt und vermittelte den Kontakt zum Mandarin.

Und hier kommt die Kunst ins Spiel. Reiner griff zum Hörer und rief Sonja Lechner an. Ob sie einen Künstler kenne, der die ungeheure Faszination der Alpen in Bilder fassen kann? Was für eine Frage, klar kannte Lechner jemanden. Vor zehn Jahren entdeckte sie bei einem ihrer Besuche im Städtischen Atelierhaus Baumstraße das Werk des 1981 geborenen Felix Rehfeld, der unter anderem an der Akademie der Bayerischen Künste bei Karin Kneffel studiert hat, einst Meisterschülerin von Gerhard Richter. Seither hat Lechner immer wieder Ausstellungen mit Rehfeld realisiert. Und sich unheimlich gefreut, als die Anfrage von Reiner sie erreichte. „Mitten im Lockdown, als Kunst und Kultur in so vielen Bereichen zusammenbrachen, hat sich das Mandarin entschieden, in Kunst zu investieren. Nicht wie die meisten Hotels in Drucke, sondern in Originale“, schwärmt Lechner.

Frage an Dominik Reiner: Warum eigentlich? Es ginge doch auch günstiger. Weil er selbst ein Kunst-Narr ist? Der Hotelchef lacht. „Ich bin mit Sicherheit alles andere als ein Kunstkenner. Aber ein Kunstliebhaber. Sagen wir so: Ich weiß, was mir gefällt – und ich hoffe und merke, dass das auch dem Geschmack unserer Gäste entspricht.“

Kunst kann ein Denkanstoß sein, ein Gefühlsanstoß - irgendwas passiert beim Betrachten immer

Kunsthistorikerin Sonja Lechner

Das ist der Wunsch der beiden: dass der ein oder andere Gast am Morgen erwacht, angestrahlt von dem Bergleuchten, das Rehfeld so kunstfertig in die Zimmer holt. Vielleicht greift die- oder derjenige dann zu der Broschüre, die in den Räumen ausliegt, und in der Lechner von der Entstehung der Werke erzählt. „Und so beginnt irgendeine Art von Dialog, ein Denkanstoß, Gefühlsanstoß – was auch immer. Irgendetwas passiert immer“, ist sie sich sicher. Das Tor zu den Alpen ist geöffnet, nun liegt es an jedem selbst, hindurchzuschreiten.

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