Mit dem Nightjet der ÖBB

Unsere Leserreporter berichten: 31 Stunden Venedig und zurück

Vier für Venedig!

Freitagabend in den Zug, den Samstag in Venedig verbringen und Sonntagmorgen schon wieder zurück in München. Willkommen beim Abenteuer Nachtzug!

Vier für Venedig!

Die Reiseredaktion von tz und Münchner Merkur hat vier Freunde mit dem Nightjet der ÖBB in die Lagunenstadt geschickt. Nicole (30) und Michael Tannebaum (37) aus München und Janina Cramer (25) und Daniel Leitmeier (27) aus Weßling haben getestet, wie es sich auf der Schiene nächtigt und wie viel man an einem Tag in Venedig erlebt. Zurück in München hat Reisereporterin Beate Winterer die noch etwas verschlafene Truppe frühmorgens zum Frühstück vom Bahnhof abgeholt.

Guten Morgen, ausgeschlafen?

Alle: Nicht ganz.

Janina: Aber das Wochenende war ein großes Abenteuer.

Wie war die Fahrt?

Nicole: An das Abteil muss man sich erst gewöhnen. Man kann sich gerade so umdrehen. Aber man darf nicht vergessen: Das ist ein Zug. Was erwartet man?

Janina: Man kann die Tür absperren. Das ist super. Ich bin schon im Sitzabteil verreist. Dort ging das nicht. 

Nicole: Auf der Hinfahrt hatten wir Pech, weil wir ein Abteil mit sechs statt vier Liegen bekommen haben. Wir mussten die ganze Zeit liegen, weil wir in den Stockbetten nicht aufrecht sitzen konnten. Die Rückfahrt war aber angenehm.

Wie schläft es sich im Liegewagen?

Michael: Es ist nicht das Hotel Excelsior... Aber nach einem ganzen Tag in Venedig schläft man überall gut. 

Nicole: Zu groß darf man nicht sein.

Janina: Ich bin 1,80 Meter und konnte gerade noch ausgestreckt liegen. Das Problem war eher, dass die italienische Polizei in der ersten Nacht an die Tür gehämmert hat. Die Österreicher haben auf dem Rückweg an der Grenze ganz leise kontrolliert.


Wie war der Service?

Janina: Das Frühstück war gut. Das hätte ich im Zug nicht gedacht. Es gab Tee oder Kaffee und zwei Semmeln mit Marmelade.

Michael: Das Personal war auf zack, nette Jungs.

Janina: Leider waren die Toiletten nicht sehr sauber.

Lohnt sich der Nachtzug?

Janina: Ich finde die Fahrt ein bisschen teuer. Unsere vier Tickets haben zusammen mit der Reservierung 472 Euro gekostet.

Nicole: Auf der anderen Seite ist es toll, dass man sich die Unterkunft spart und morgens gleich mitten in der Stadt ankommt. Wären wir am Freitagabend geflogen, hätten wir eine Unterkunft von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag gebraucht. Für ein Doppelzimmer ist man in Venedig schnell bei 80 Euro pro Nacht. Macht für zwei Nächte und zwei Zimmer 320 Euro. Und dann kommt die Anreise noch dazu. Dafür ist der Preis im Liegewagen wirklich in Ordnung.

Janina: Ein Abenteuer ist es auf jeden Fall: Ich rate jedem, den Nachtzug zumindest mal auszuprobieren.

Ihr wart zum ersten Mal in Venedig. Wie war’s?

Janina: Wir sind morgens zu Fuß vom Bahnhof aufgebrochen und durch die Gassen zur Rialtobrücke spaziert. Auf dem Weg haben wir uns Läden mit Murano-Glas angeschaut und ich habe einen kleinen Weihnachtsbaum gekauft. Wir dachten, wir hätten Venedig für uns.

Nicole: Aber ab 10 Uhr sind die Touristen aus allen Richtungen gekommen. Ich hätte nicht gedacht, dass im Winter so viele unterwegs sind.

Michael: Eigentlich wollten wir Gondel fahren, aber das war uns zu kalt. Deswegen haben wir das Vaporetto (Wasserbus, Anm. d. Red.) genommen. Für 20 Euro kann man den ganzen Tag damit fahren. Wir haben die Gelgenheit öfter genutzt. Janina: Einmal nicht ganz freiwillig... Wir haben im Markusdom eine Kerze mit den besten Wünschen angezündet und uns danach auf dem Weg Richtung Bahnhof verlaufen. Am Ende standen wir wieder am Markusplatz und sind zur Zeitersparnis vorsichtshalber mit dem Vaporetto gefahren. Das war für mich eins der schönsten Erlebnisse. Es war schon dunkel und in den Häusern brannten Lichter. Man sieht toll eingerichtete Hotels mit Kronleuchtern an den Decken.


Was hat euch noch gefallen?

Daniel: Als ich fast ins Wasser gefallen wäre.

Bitte?

Janina: Wir sind ans Ende der Stadt gelaufen, um aufs Meer zu schauen. Durch den Wellengang spritzt das Wasser dort auf den Gehweg. Daniel musste sich an den Rand stellen. Dabei hat er das Gleichgewicht verloren. Es war knapp, dass er nicht ins Wasser gefallen ist.

Nicole: Dann hätten wir aber einen Grund gehabt, noch mehr einzukaufen!

Janina: Shoppen kann man in Venedig ganz toll, wenn man Lust hat...

Nicole: ... und das nötige Kleingeld.

Janina: Wobei ich schöne Ledertaschen gesehen habe, die in München teurer sind.

Nicole: Wir haben Olivenöl und Wein eingekauft.

Michael: Und Pecorino!

Janina: Das Essen ist generell super. Man kann schlemmen ohne Ende.

Was gab’s denn?

Nicole: Mittags ganz klassisch Pizza. Danach haben wir zum Aufwärmen immer wieder Kaffee getrunken. 

Michael: Nicole hat eine tolle Ecke gefunden, wo man direkt am Kanal sitzt.

Nicole: Da stehen nur fünf Tische und die Gondeln fahren direkt darunter vorbei. Sobald es wärmer ist, prügeln sich die Gäste wahrscheinlich um die Plätze.


Wie viel Geld habt ihr ausgegeben?

Daniel: Im Schnitt jeder 100 Euro für Essen, das Vaporetto und Einkäufe.

Nicole: Dadurch, dass wir uns die Unterkunft gespart haben, war das ein günstiges Wochenende.

Hättet ihr euch mehr Zeit gewünscht?

Janina: Man bekommt einen guten Eindruck. Ich fand es schön, dass wir die Stadt noch bei Nacht gesehen haben.

Michael: Natürlich könnte man länger bleiben.

Nicole: Wir haben in den Tag alles reingepackt, was ging. Zurück im Zug haben wir noch kurz die Zähne geputzt und dann sind wir in die Betten gefallen.

Euer Fazit zu Venedig und dem Nachtzug: Würdet ihr beides noch mal machen?

Daniel: Venedig auf jeden Fall. Die Stadt ist eine schöne Abwechslung zu München.

Nicole: Michael und ich fahren an keinen Ort zweimal, sondern schauen lieber etwas Neues an. Zu einem anderen Ziel würden wir wieder über den Nachtzug nachdenken, weil man sich das Hotel spart.

Was macht ihr jetzt mit dem angebrochenen Tag?

Daniel: Chillen!

Janina: Ich finde es super, dass man noch Zeit hat, um den Haushalt zu machen und sich auszuruhen.

Impressionen unserer Leserreporter in Venedig

INFOS zum Nightjet der ÖBB

Züge

Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) ist mit 15 Nachtreisezügen in Europa unterwegs. Jeder dieser Nightjets verfügt über Plätze in verschiedenen Kategorien. Sparfüchse reisen im Sitzwagen mit sechs Plätzen. Mehr Komfort bieten die Liegewägen mit vier oder sechs Betten und einem Wiener Frühstück für jeden Fahrgast. Wer besonders entspannt durch die Nacht fahren möchte, ist im Schlafwagen richtig. Die privaten Abteile sind für ein bis drei Personen buchbar und mit einem Waschbecken ausgestattet. In der Deluxe-Version gibt es sogar ein Bad mit Dusche. Außerdem serviert der Schaffner morgens ein Frühstück à la carte. Einige Züge sind auch mit zusätzlichen Wägen für den Transport von Autos und Motorrädern ans Urlaubsziel ausgestattet.

Ziele

Ab München fährt der Nightjet auf acht Linien. Neben Venedig sind unter anderem Verona, Florenz, Rom, Zagreb, Budapest, Hamburg und Düsseldorf über Nacht erreichbar. Auf den letzten beiden Verbindungen ist die Mitnahme von Autos und Motorrädern möglich. Der Zug nach Venedig verlässt den Hauptbahnhof täglich um 23.35 Uhr und ist morgens um 8.24 Uhr in der Lagunenstadt. Der Rückzug startet um 21.04 Uhr und erreicht München um 6.10 Uhr.

Preise

Die einfache Fahrt von München nach Venedig ist im Sitzwagen ab 39 Euro buchbar. Ein Bett im Liegewagen kostet ab 59 Euro und im Schlafwagen ab 79 Euro. Die gleichen Preise gelten für alle weiteren Strecken ab München mit Ausnahme von Budapest, wo Tickets bereits ab 29 Euro erhältlich sind. Alle Fahrkarten enthalten bereits eine Platzreservierung.

Weitere Infos und Buchung über die ÖBB unter Tel. 0043/5/17 17, unter www.nightjet.com und an allen Verkaufsstellen der Deutschen Bahn.

Mit dem ÖBB Nightjet nach Venedig

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