1860 am Samstag auf dem Betze

„Komplett durchbeleidigt“: Salger berichtet von Türkgücü-Derby - Vorfreude auf Lautern

Stephan Salger freut sich auf das Duell auf dem Betzenberg: Der TSV 1860 München fährt am Samstag zum 1. FC Kaiserslautern.
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Stephan Salger freut sich auf das Duell auf dem Betzenberg: Der TSV 1860 München fährt am Samstag zum 1. FC Kaiserslautern.

„Wir müssen uns überall steigern“, fordert Stephan Salger vom TSV 1860 vor dem Duell mit Kaiserslautern. Vom Türkgücü-Derby hat er nicht nur schönes zu berichten.

München – Dieses Duell mit Türkgücü München wird Stephan Salger so schnell nicht vergessen. „Du wirst komplett durchbeleidigt die ganze Zeit aus der Kurve“, sagte der 1860-Abwehrchef nach dem 1:1 gegen den innerstädtischen Rivalen. „Aber da steht man drüber und weiß auch, dass eine gewisse Brisanz dabei ist.“

Heiß hergehen dürfte es auch an diesem Samstag auf dem Lauterer Betzenberg. 20 000 Zuschauer (1000 Gästefans) sind beim Traditionsduell in der Pfalz erlaubt – es wird die größte Kulisse für die Löwen seit Juli 2019 (in Braunschweig). Und der erste echte Lärmtest für Salger im Trikot des TSV 1860. Das Interview.

Stephan Salger, wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Spiel am Betzenberg?
Ich freu’ mich auf jeden Fall auf die Kulisse. Vor so vielen Zuschauern hab ich lange nicht mehr spielen dürfen. Aber es ist natürlich auch eine Herausforderung, was die Kommunikation angeht, da musst du dich schon auf ein anderes Level bringen.
Das bedeutet konkret?
Dass wir uns gegenseitig mehr coachen müssen, weil die Kommandos in diesem großen Stadion nicht über den ganzen Platz durchdringen werden. Du musst da eine Leiter aufbauen – von meiner Position hinten über den oder die Sechser und Achter bis ganz nach vorn. Das haben wir im Training schon eingeübt. Jetzt geht’s an die Umsetzung.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Saisonstart?
Mit der Punkte-Ausbeute bin ich zufrieden, den Rest können wir schon realistisch reflektieren. Was wir spielerisch bisher auf die Platte gebracht haben, damit kannst du nicht zufrieden sein. Aber das konnten wir letztes Jahr in dieser Phase auch noch nicht. Nur sind wir damals nicht so im Fokus gestanden wie jetzt. Die Erwartungshaltung ist eine andere – und das haben wir uns selbst zuzuschreiben.
Gegen Türkgücü hätte es schon zur Pause vorbei sein können.
Absolut. Wir haben die mit unfassbar einfachen Fehlern ja praktisch zum Toreschießen eingeladen. Unterm Strich hatte die Gelb-Rote Karte für den Deichi (Yannick Deichmann, Anm. d. Red.) sogar was Positives für uns, weil wir damit gezwungen waren, uns aufs Verteidigen zu konzentrieren.
Wo sehen Sie noch am meisten Sand im Getriebe?
Alles hängt mit allem zusammen. Der Spielaufbau, wie wir vorne anlaufen und zurückverteidigen. Wir müssen uns definitiv überall steigern.
Die meisten Ausfälle gibt es in der Viererkette. Marius Willsch hat nach seiner Schambeinentzündung gerade erst wieder mit dem Laufen begonnen, Semi Belkahia ist noch im Aufbautraining. In Lautern fehlt Yannick Deichmann gesperrt. Wird Ihnen nicht langsam bange?
Klar ist es nicht leicht, wenn du die ganze Vorbereitung mit einer festen Kette trainierst und spielst – und dann bricht dir mit Semi schon im ersten Spiel eine Stütze weg. Trotzdem ist mir nicht bange. Niki Lang macht es für sein Alter sehr gut. Mit dem Druck musst du erst mal zurechtkommen. Auch Deichi war in den ersten Spielen richtig gut drin.
Zum Gegner: Kaiserslautern wurde vor der Saison zu den Favoriten gezählt und steht jetzt mit einem Punkt und 0:5 Toren da. Die Wettquoten sprechen für Sechzig …
Dass Lautern Probleme hat, kann ein Vorteil für uns sein, muss es aber nicht. Vielleicht hat sich bei denen auch was aufgestaut, das sich beim ersten Tor entlädt, keine Ahnung. Was wir aber wissen: Das Publikum dort ist nicht das geduldigste. Die gute Stimmung kann schnell ins Gegenteil umschlagen.
Wie muss man Lautern bespielen?
Du musst sie bearbeiten, technisch beschlagenen Leuten wie Mike Wunderlich, Jean Zimmer oder René Klingenburg auf den Füßen stehen. Der Schlüssel ist, dass du ihnen den Spaß am Spiel nimmst.
Gutes Stichwort: Wie bekommt Richy Neudecker den Spaß am Spiel zurück?
Natürlich geht die Situation nicht spurlos an ihm vorbei. Es nervt ihn, dass er noch nicht an seine Leistung aus der letzten Saison herangekommen ist. Aber im Training sieht man schon, dass er den Schalter umgelegt hat. Er wirkt sehr fokussiert und gibt Gas. Dass wir seine verrückten Ideen brauchen, ist klar. Er ist ein echter Unterschiedsspieler.
Wie Dennis Dressel.
Ganz genau. Es war doch völlig normal, dass er bei dieser Anfrage aus Darmstadt mehrere Gedanken im Kopf hatte. Aber wer Dennis jetzt sieht, der muss sich keine Sorgen mehr machen, dass er mental nicht voll bei 1860 wäre.
Um noch mal auf die Druck-Frage zurückzukommen. Wie schwer ist es, mit der Favoritenrolle umzugehen?
Ich sehe uns nicht als klaren Aufstiegsfavoriten, sondern als Teil einer Gruppe, die am Ende ganz vorne dabei sein kann. Was andere sagen, muss uns egal sein. Es wäre brandgefährlich, wenn wir uns für was Besseres hielten. Nach sechs Spielen kann man eine erste Bilanz ziehen – reden wir am besten nach der Englischen Woche weiter.

Das Interview führte Ludwig Krammer.

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