Philipp Köster im tz-Interview

11Freunde-Chef: "1860 ist ein spezieller Fall"

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Philipp Köster ist Chefredakteur des Fußball-Magazins 11Freunde.

München - Ist es ein Indiz für bundesweite Relevanz, wenn Deutschlands bestes Fußballmagazin 11Freunde den TSV 1860 als Titel­thema wählt? Wir fragten nach bei Chefredakteur Philipp Köster.

Warum Sechzig, Herr Köster?

Philipp Köster: München 1860 ist ein Verein, auf den viele Leute mit romantischem Blick schauen. Unser ­Gedanke hinter der Titelgeschichte war, dass sich an den Löwen exemplarisch der Kampf um Identität im Profifußball zeigen lässt. Dazu gibt es wohl keinen anderen Verein, bei dem ein altes Stadion eine solche Bedeutung als Sehnsuchtsort hat.

Und das interessiert genügend Leser?

Philipp Köster: Die Erfahrungen haben wir mit vergleichbaren Titelgeschichten gemacht, ja. Klar ziehen Stars wie Thomas Müller, da gibt es viele Impulskäufe. Auch Kevin Großkreutz, Christoph Kramer und zuletzt Shkodran Mustafi haben funktioniert. Aber das Thema Bindung zum Klub und Vereinsidentität wird für 11Freunde immer interessant sein. Bei 1860 bestand der Ansatz darin, den Verein aus möglichst vielen Perspektiven zu beleuchten. Von innen wie von außen. Dazu hat unser Autor Tim Jürgens mit neun Protagonisten gesprochen, von den Fans über die Geschäftsführer bis zum Präsidenten.

Der langjährige 1860-Fan und Klub-Aktivist Hans Vonavka wünscht sich den Sturz in die Dritte Liga. Sein Zitat: „So unabsehbar die Konsequenzen für den Verein wären, aber ein Abstieg ist die einzige Chance auf einen Neuanfang.“

Philipp Köster: Ich halte es eher für Quatsch, darauf zu hoffen, dass ein Abstieg einen positiven Effekt haben könnte. Klar gibt es Ausnahmen, aber in 90 Prozent der Fälle entsteht eben kein neuer Kult, sondern es geht immer weiter bergab. Der finanzielle Unterschied zwischen Zweiter und Dritter Liga ist enorm.

Als Fan von Arminia Bielefeld sprechen Sie aus Erfahrung…

Philipp Köster: Leider, ja. Mir hat der Geschäftsführer der Arminia mal erzählt, was es für ein enormer Kraftakt ist, alleine die Sponsoren bei der Stange zu halten.

Einem Teil der Löwen-Fans geht es um solche Aspekte schon längst nicht mehr. Hauptsache raus aus der Bayern-Arenaknechtschaft heißt die Devise.

Philipp Köster: Für manch Hartgesottenen wird das sicher so sein, ja. Die Löwen sind in ihrer Gesamtkonstellation eben ein ganz spezieller Fall.

Interview: lk

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