Zerrissene Löwen-Fanherzen

Abstieg: Katastrophe oder DIE Chance auf Neuanfang?

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München - Die Löwen-Fans blicken als gespaltene Fußball-Persönlichkeiten Richtung Saisonende. Wäre der Abstieg eine Katastrophe? Oder vielmehr die einzige Chance auf einen echten Neuanfang ohne Arena?

Noch drei Spiele bleiben dem TSV 1860, den Klassenerhalt zu schaffen. „270 Minuten Besessenheit“ fordert Sportchef Gerhard Poschner von der Mannschaft. Im Falle der Relegation könnten noch mal 210 Minuten plus ein eventuelles Elfmeterschießen hinzukommen. Einen Konkurrenten müssten die Blauen freilich auch für diese Chance noch überholen, morgen Abend beim FSV Frankfurt (18.30 Uhr, Sky) steigt das nächste Endspiel. Rund 1000 Löwen-Fans werden mit an den Bornheimer Hang reisen. Und nicht wenige davon als gespaltene Fußball-Persönlichkeiten.

"Löwenbomber" Axel ­Dubelowski sieht im Abstieg die große Chance auf einen Neuanfang im "Sechzger".

Wäre der Abstieg eine Katastrophe? Oder vielmehr die einzige Chance auf einen echten Neuanfang ohne Allianz Arena? An diesen Fragen entzünden sich die Diskussionen der Anhängerschaft. „Es zerreißt mich, wenn ich die Spiele sehe“, sagte Hans Vonavka, Langzeit-Fan und Mitglied der Initiative Pro1860 kürzlich im Magazin 11Freunde. „So schwer es mir fällt und so unabsehbar die Konsequenzen für den Verein wären, aber ein Abstieg ist die einzige Chance auf einen Neuanfang.“ So sieht’s auch Axel Dubelowski, bis 2014 Fanbeauftragter des TSV 1860. „Ein Klassenerhalt würde nur das Leiden in Fröttmaning verlängern“, sagte der „Löwenbomber“ der SZ. „Ich bin deshalb inzwischen für den Abstieg in die dritte Liga, damit wir so schnell wie möglich wieder im Sechzger spielen können. Jetzt oder nie mehr.“

„Allesfahrer“ Franz Hell will, dass 1860 in der Liga bleibt.

Eine Sichtweise, die „Allesfahrer“ Franz Hell zwar „in gewisser Weise“ nachvollziehen kann, aber keinesfalls teilt. „Der Frust bei vielen Fans ist enorm“, sagte Hell zur tz. „Aber einen Abstieg des Vereins billigend in Kauf zu nehmen, nur damit man als Fan vielleicht wieder ins Sechzger kommt, dafür ist aus meiner Sicht der Preis zu hoch.“ Was Hell konkret meint: „Kein Mensch kann sagen, was im Abstiegsfall mit unserem Nachwuchsleistungszentrum passieren würde, wie tief die finanziellen Einschnitte wären.“ Dazu käme der Zwangsabstieg der U 21, die eine Klasse tiefer in der Bayernliga weiterspielen müsste und die Frage, ob sich 1860 als Drittligist noch eine U 19- und U 17-Bundesligamannschaft leisten könnte. „Ganz abgesehen davon“, so Hell, „dass niemand zu hundert Prozent sagen kann, ob ein Abstieg nicht doch in die Insolvenz führen würde.“ Dann wäre wohl die Regionalliga das höchste der Gefühle.

Bilder: Das sind Münchens große Stadien

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Hell wird den Löwen am Freitag in Frankfurt also die Daumen drücken und auf einen Sieg hoffen. „Noch ist der Glaube da, dass es die Mannschaft packt“, sagt er. „Die Spieler müssen ohne Angst in die Partie gehen, nicht wie gegen Union Berlin, wo sie die Hosen alle so voll hatten, dass du es bis auf die Tribüne gerochen hast.“ Klar ist für Hell aber auch, dass es im Falle des Klassenerhalts kein „Weiter so“ geben dürfe. „Diese Saison muss Konsequenzen für die Verantwortlichen haben, da muss alles auf den Tisch, das ist klar. Aber bevor abgerechnet wird, zählen jetzt erst einmal die drei Spiele gegen Frankfurt, Nürnberg und Karlsruhe.“

Und vielleicht noch zwei Zugaben.

lk

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