Mayrhofer und Reiter nehmen Stellung

1860 bekennt sich zur Arena - vorerst

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Die Nordkurve der Arena bei einem Löwen-Spiel.

München - Die Löwen wollen in der Arena bleiben. Zumindest für die nächste Saison. Präsident Gerhard Mayrhofer will das Projekt eigenes Stadion befeuern - und OB Dieter Reiter glaubt ebenfalls  nicht an eine Zukunft der Löwen in der Allianz Arena.

Präsidenten sagen Sätze, die bleiben. Das gilt in der Politik. Und manchmal auch im Fußball. Für die jahrzehntelange Stadion-Debatte in München stammt ein solcher Satz vom ehemaligen 1860-Präsident. „Es geht hoid ned“, so begründete Karl-Heinz-Wildmoser, warum die Löwen nicht im Grünwalder Stadion bleiben könnten. Und auch Ex-Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat einen Satz gesagt, der bei den Fans noch immer nachhallt. Er werde die Kapelle anführen, die die Löwen per Defiliermarsch aus der Arena geleitet, sagte er.

In den letzten Wochen sah es aus, als könne der mittlerweile verstorbene Wildmoser doch noch widerlegt werden – und der inhaftierte Uli Hoeneß vielleicht keine Kapelle anführen, aber sich doch über den Auszug des Mieters 1860 freuen. Beides kommt jetzt doch nicht so. Der TSV 1860, sportlich am Dienstagabend in allerletzter Minute gerettet, bleibt mindestens noch ein Jahr in der Allianz Arena. Offenbar hatten die Löwen sich bereits entschieden, im Falle des Klassenerhalts nicht ins Grünwalder Stadion zurückzukehren und im Lizenzierungsverfahren für die zweite Liga nur die Arena angegeben.

1860-Präsident Gerhard Mayrhofer dementiert Gerüchte, die Löwen wollten 2016 ins Olympiastadion umziehen. „Da ist überhaupt nichts dran“, sagte er dem Münchner Merkur. Jetzt würden die Löwen aber erstmal noch eine Saison in der Arena spielen. „Daran gibt es keinen Zweifel.“ Wie berichtet, war 1860 seit Wochen in Gesprächen mit der Stadt über eine Rückkehr ins Sechzgerstadion im Abstiegsfall. Sowohl Gerhard Mayrhofer als auch Oberbürgermeister Dieter Reiter hatten aber auch geäußert, sich Zweitliga-Fußball im Grünwalder Stadion vorstellen zu können. Das ist nun offenbar erstmal vom Tisch.

Oberbürgermeister Reiter betonte am Donnerstag im Gespräch mit dem Münchner Merkur: „Es bleibt bei unserem Angebot. Jetzt kann 1860 in aller Ruhe nachdenken. Und überlegen, welche Zuschauerzahl sie brauchen. Und dann die Planungen für ein neues Stadion zu konkretisieren – oder für ein ein bisschen erstarktes Grünwalder Stadion.“ Als ein zentraler Knackpunkt für eine Rückkehr nach Giesing hatte stets die Zuschauerkapazität gegolten. Derzeit sind nur 12 500 Zuschauer zugelassen. Reiter hatte sich offen für eine Erweiterung auf etwa 15 000 gezeigt, Mayrhofer von 25 000 gesprochen. Am Dienstagabend zum Relegationskrimi gegen Holstein Kiel waren 57 000 Zuschauer in der Arena gewesen, im Liga-Alltag aber häufig nicht einmal 20 000.

Jetzt ist die Frage, wie es weitergeht – und wie ernsthaft die Löwen die Stadion-Debatte nach dem Klassenerhalt noch führen. In den Fan-Foren im Internet sind viele der Meinung, dass die hohen Zuschauerzahlen der letzten Wochen gezeigt haben, dass das Grünwalder Stadion in Anbetracht des immer noch großen Fanpotenzials zu klein ist. Auf der anderen Seite stehen die Stadion-Nostalgiker, die unbedingt nach Giesing zurückwollen. Und: Es sprechen offensichtlich auch betriebswirtschaftliche Gründe gegen die Arena. Die Miete und die viel zu hohen Kosten etwa fürs Catering belasten 1860 stark. „Natürlich sind wir weiterhin der Meinung, dass wir ein eigenes Stadion brauchen“, sagt Gerhard Mayrhofer. „Ich glaube, dass sie früher oder später einfach aus der Arena raus müssen“, sagt OB Reiter.

Aus dem Verein heraus ist zu hören, dass sich alle Kandidaten für die Verwaltungsratswahl im Juni für einen Auszug aus der Arena ausgesprochen haben. Unter den aussichtsreichen Kandidaten sind auch mehrere explizite Giesing-Fans. Zum Beispiel Markus Drees. Der Vorsitzende des „Vereins der Freunde des Sechzgerstadions“, sagt: „1860 muss jetzt klar machen, was man will.“ Selbst für die Saison 2016/17 dränge schon die Zeit. „Man braucht für die Genehmigungen ein halbes Jahr Vorlauf.“ Die endlose Münchner Stadion-Debatte – sie fängt mal wieder von vorne an. Ob Sechzig aus der Arena auszieht und wer wann den Defiliermarsch spielt, wird sich zeigen. Schon Ende Juli beginnt die nächste Zweitliga-Saison für 1860 in der Zwischenlösung Allianz Arena. „Hoffentlich“, sagt Dieter Reiter, „müssen wir nicht nochmal bis zum letzten Spieltag darüber nachdenken, ob wir ein drittliga-taugliches Stadion brauchen."

Einen Merkur-Kommentar zur Stadion-Debatte lesen Sie hier

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