Macher von "loewenblues.de" im Interview

Blogger analysiert die Lage bei den Löwen

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Die Löwen nach der Pleite in Aalen. Einige Tage zuvor hatte man noch Greuther Fürth überzeugend geschlagen.

München - Uli Niedermairs neues Buch soll "allen Löwenfans ein kleines Denkmal" setzen. Mit der tz spricht er über die Lage bei 1860 und erklärt, woraus er seinen unerschütterlichen Optimismus schöpft.

Sein Blog auf loewenblues.de ist Pflicht für alle 1860-Interessierten. Im November veröffentlicht Uli Niedermair (54), Mittelschullehrer aus Krumbach, mit "Sechzig Momente – eine Liebeserklärung an einen sehr außergewöhnlichen Verein" sein neues, 260 Seiten starkes Buch, mit dem er „allen Löwenfans, die gegen den roten Mainstream blau geblieben oder es neu geworden sind, ein kleines Denkmal“ setzen will. Mit der tz sprach Niedermair über die Lage bei seinem Herzensklub und erklärte, woraus er seinen unerschütterlichen Optimismus schöpft.

Herr Niedermair, Sie waren beim Spiel in Aalen. Wie tief sitzt die Enttäuschung noch?

Uli Niedermair.

Uli Niedermair: Zuerstmal muss ich sagen, dass ich die Unterstützung der Löwen-Fans sensationell gefunden habe. Das waren mindestens 2000 im Stadion, die Stimmung war wie bei einem Heimspiel. Umso unverständlicher ist mir die Leistung der Mannschaft. Wenn ich auftrete wie bei einem Freundschaftsspiel, dann muss ich mich nicht wundern, wenn auch ein völlig verunsicherter Gegner irgendwann zur Bedrohung wird. Dass mit Andreas Ludwig und Arne Feick zwei Ehemalige an den Toren beteiligt waren, war typisch. Ein echter Löwen-Klassiker.

Neun Spiele, neun Punkte – ist die Mannschaft nicht besser?

Uli Niedermair: Doch. Meiner Meinung nach ist der Kader in der Breite besser besetzt als in den vergangenen Jahren, es sind ja einige fähige Fußballer dazugekommen. Was fehlt, ist die Balance zwischen Defensive und Offensive. Und ich erkenne auch nicht diesen neuen Geist, diese letzte Gier, die Gerhard Poschner bei 1860 reinbringen wollte. Die Spiele gegen Ingolstadt und in Sandhausen waren fürchterlich, da merkst du auch bei eingefleischten Fans die Verzweiflung.

Nach Sandhausen wurde Trainer Ricardo Moniz beurlaubt, den sich die ersten Fans schon wieder zurückwünschen.

Uli Niedermair: An Moniz habe ich die Leidenschaft geschätzt, mit der er gearbeitet hat. Aber er hat in jeder Hinsicht zu viele Fehler gemacht. In Lautern hat er taktisch viel zu spät reagiert, als die in der zweiten Halbzeit alle Kräfte mobilisiert haben. Auch die Geschichte mit Julian Weigl, sein Festhalten an unfitten Spielern und nicht zuletzt seine unglücklichen Aussagen in der Presse haben dazu geführt, dass er bald nicht mehr zu halten war.

Seit Mittwoch ist klar, dass Markus von Ahlen den Cheftrainer macht. Eine sinnvolle Lösung?

Uli Niedermair: Ja, es musste einer sein, der Zweitliga-Erfahrung hat, Erfolge vorweisen kann und hungrig ist. Bei Friedhelm Funkel hat mir der Hunger gefehlt, Moniz hat’s vor lauter Hunger übertrieben. Von Ahlen kennt zumindest die Liga und die Mannschaft. Noch eine Fehleinschätzung kann sich Poschner kaum erlauben.

Was hätten Sie als Schwabe von einem 1860-Trainer Bernd Schuster gehalten?

Uli Niedermair: Wenig. Er kennt die Zweite Liga nicht und hat bei seinen letzten Kurzzeit-Engagements keine Erfolge gehabt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn die Fans mit großem Applaus empfangen hätten.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es nach der Länderspielpause aufwärts geht?

Uli Niedermair: Gute Frage. Nach dem Spiel gegen Fürth war ich eigentlich zuversichtlich, da hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass sie’s kapiert haben, wie du in der Zweiten Liga spielen musst. Draufgehen, schnell umschalten, hinten konzentriert im Verbund arbeiten. Und dann fahren sie nach Aalen und alles ist weg! Das ist wohl auch eine Charakterfrage. Trotzdem geb’ ich die Hoffnung nicht auf.

Weil?

Uli Niedermair: Weil es eben dieses Fürth-Spiel gegeben hat. An dieser Leistung halte ich mich fest. Mit dieser Einstellung machen wir bis zur Winterpause so viele Punkte, dass es für den Dunstkreis zu den Aufstiegsplätzen reicht. Andersrum – ich will keine Panik machen – aber mit der Einstellung aus dem Aalen-Spiel sind wir ein Kandidat für den Abstiegskampf. Aue wird die Nagelprobe.

Ihr Rat an die Klubführung?

Uli Niedermair: Rat wäre zu viel. Aber vielleicht ein Denkanstoß. 1976/77 sind wir sensationell mit einer No-Name-Mannschaft über die dramatische Bielefeld-Relegation in die Bundesliga aufgestiegen. Damals hatten die Spieler stark leistungsbezogene Verträge mit einer nicht geringen Partizipation an den Zuschauereinnahmen. Bei 210 000 Besuchern bei vier Spielen im Olympiastadion und einem stets gut besuchten Grünwalder Stadion hat sich da richtig gut Geld verdienen lassen.

Interview: lk

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