Nach der 1860-Delegiertenversammlung

Die pikante Sache mit dem 1860-Hausmeisterjob

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Gerhard Mayrhofer (r.) stand nach der Versammlung im Fokus der Medien.

Taufkirchen – Löwen-Präsident Gerhard Mayrhofer hat sich auf der Delegiertenversammlung des TSV 1860 München im Amt bestätigen lassen. Dennoch wurde ihm ein dezenter Denkzettel verpasst.

In Kürze tritt hier der Tölzer Knabenchor auf, auch das Kindermusical „Käp’n Blaubär“ ist bereits plakatiert. Gestern jedoch stand das Kulturzentrum von Taufkirchen erstmal ganz im Zeichen des weißblauen Schmierentheaters.

Der TSV 1860 hatte sich für einen Abend eingemietet, um über das Schicksal des Präsidenten Gerhard Mayrhofer abzustimmen, der ja seit geraumer Zeit nur noch als Notvorstand firmiert – und sich zu seinem Leidwesen mit dem klagefreudigen Duo Helmut Kirmaier (Ex-Mitglied) und Heinz Veauthier (dessen Anwalt) auseinander setzen muss. 170 Delegierte fanden sich zu diesem Zweck im Süden Münchens ein. Sie tagten ab 19.08 Uhr hinter verschlossenen Türen, weil die Presse auf Anordnung der Vereinsführung die Rote Karte gesehen hatte.

Es war eine flotte, dem Vernehmen nach zivilisierte Veranstaltung. Schon gegen 19.55 Uhr war Top 5, der brisanteste Tagesordnungspunkt, abgehandelt. Mediendirektor Jörg Seewald trat vor die Tür und verkündete das Erwartete: Mayrhofer wurde mit dezentem Denkzettelfaktor im Amt bestätigt (111 Ja-, 18 Nein-Stimmen, 41 Enthaltung). Seine Vizes Heinz Schmidt und Erik Altmann kratzten am 100-Prozent-Votum. Auch die „Rückkehr“ zur neuen Satzung mit Mitgliederwahl wurde geräuschlos durchgewunken. Alles gut also? Alles harmonisch?

Delegiertenversammlung des TSV 1860 - Bilder

Delegiertenversammlung des TSV 1860 - Bilder

Mayrhofer wirkte jedenfalls stark erleichtert, als er um 20.12 Uhr für das Siegerfoto mit seinen beiden Helfern lächelte. „Ich habe die große Hoffnung, dass dieses ganze Theater damit beendet ist“, sagte er in den Pressepulk, der nach dem glücklichen Ausgang in den Saal gebeten wurde. „Damit sollte Herrn Kirmaier klar sein, dass er keine Mehrheit in diesem Verein hat.“ Weiteren Klagen, die Anwalt Veauthier bereits angekündigt hat, sieht der alte und neue Oberlöwe gelassen entgegen: „Ich erwarte von den Herren, dass sie das klare Votum akzeptieren.“ Mayrhofer spricht übrigens von 86 Prozent Zustimmung, die Enthaltungen geflissentlich ignorierend. In Wahrheit lag sie bei 65,3 Prozent. Bei der – ungültigen – Wahl vor 16 Monaten waren es noch 96 Prozent gewesen. Als nächsten Schritt will Mayrhofer eine Mitgliederversammlung einberufen, „um den Verein weiterhin auf eine gesunde Spur zu bekommen“.

Noch ehe sich die schweren Türen des Versammlungssaals schlossen, hatte Erich Meidert einen vielbeachteten Auftritt. In die Objektive mehrerer Kamerateams hinein polterte der einstige Gegenkandidat Mayrhofers, er werde den Abend für einige Enthüllungen nutzen, denn „ich habe die Nase voll“. Der einst von Helmut Kirmaier unterstützte Präsidentschaftsanwärter wehrt sich gegen Mayrhofers Andeutung im BR, „Teil einer Bande“ zu sein. Eine Aktennotiz, die unserer Zeitung vorliegt, erklärt den Groll des früheren Vizepräsidenten; in dem Dokument ist schriftlich niedergelegt, dass es im Vorfeld der ominösen Mitgliederversammlung vom 14. Juli 2013 einen ungeheuerlichen Vorgang gegeben haben soll. Es geht um heftige Einschüchterung des einzigen Kandidaten, der damals willens war, gegen Mayrhofer anzutreten.

Herbert Ziegler, Vorsitzender des Fanclubs „die Griabigen“ und entfernter Nachbar Mayrhofers, hatte sich gemäß der Aktennotiz drei Tage vor der Versammlung bei Meidert gemeldet und in einem fünfminütigen Telefonat diffuse Drohungen in Richtung des Wasserfilter-Herstellers ausgesprochen. „Ich soll dir ausrichten, du sollst den Quatsch lassen, sonst machen sie ernst“, soll der Anrufer in Unkenntnis des genauen Vorgangs gesagt haben. Und weiter: Sollte er, Meidert, seine Kandidatur nicht zurückziehen, so der protokollierte Wortlaut, „dann werden die Maßnahmen ergreifen, von denen ich mich nie wieder erholen werde“. Pikant: Meidert zog sich daraufhin tatsächlich zurück, weil er sich laut Anwalt Veauthier „einer massiven Belastung für Leib und Leben ausgesetzt“ sah und damit rechnete, „fertig gemacht“ zu werden. Ebenso pikant: Ziegler, der den Vorgang im Plenarsaal bestritt („Unverschämtheit. Ich bin doch nicht Mayrhofers Papagei“), hat inzwischen den Hausmeisterjob an der Grünwalder Straße übernommen.

Und was sagt der wiedergewählte Präsident zu dem ganzen Vorgang? „Herr Ziegler hat doch gesagt, dass das seine Meinungsäußerung war. Ich habe noch nie ein Wort mit Meidert gewechselt – und habe auch weiterhin keinen Gesprächsbedarf.“

Meidert dagegen verließ die Veranstaltung mit einem hintergründigen Lächeln. „Unfassbar wie in diesem Verein gelogen wird“, sagte er.

Uli Kellner

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