1860-Geschäftsführer tobt nach Ismaik-Forderung

Rejek: "Der Verein hat doch derzeit ganz andere Sorgen"

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Investor ­Hasan Ismaik über Geschäftsführer Markus Rejek: „Leider keinen Erfolg gehabt…“

München - Hasan Ismaik hat einmal mehr für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt tobt 1860-Geschäftsführer Markus Rejek, der laut dem Investor seinen Hut nehmen soll.

Hasan Ismaik ist es nun seit fast fünf Jahren gewohnt, dass er beim TSV 1860 die Zeche zahlt. Oft zähneknirschend, manchmal erst auf den letzten Drücker und hin und wieder auch begleitet von Beschimpfungen gegenüber den handelnden Personen an der Grünwalder Straße. Am Freitagabend in Rudelzhausen übernahm der Löwen-Investor auch wieder mal die gesamte Zeche: Für Speis und Trank der Löwen-Fans, mit denen er sich im Gasthof Festner getroffen hatte. Und wo er kräftig austeilte. Vor allem gegen die beiden Geschäftsführer Markus Rejek und Noor Basha – immer noch sein Cousin, aber keineswegs mehr sein Vertrauter –, deren Ablösung er am Freitag gefordert hatte.

Ismaik, der mit fünf Bodyguards aufmarschiert war, würde dazu allerdings das Einverständnis des Beirats der 1860-Geschäftsführung GmbH benötigen, in dem neben ihm noch Präsident Peter Cassalette, Aufsichtsratsboss Karl-Christian Bay sowie Ismaiks Bruder Abdelrahman Ismaik sitzen. Mit Cassalette, so Ismaik, habe er darüber bereits Einigung erzielt. Das aber dementierte der Löwen-Präsident: „So eine Zustimmung liegt nicht vor.“

Vor dem Spiel am Sonntag traf sich Cassalette mit dem Verwaltungsrat und dem Präsidium. Er sagte: „Wir müssen das zeitnah abklären. Wir brauchen einen Geschäftsführer, um handlungsfähig zu sein.“ Das Thema sei „zur Unzeit“ öffentlich geworden.

Rejek hat Ismaiks Aussagen gegenüber dem Münchner Merkur folgendermaßen kommentiert. „Hier wurde eine Grenze überschritten“, sagte er, „das trifft mich in meiner Reputation.“ Er trage „als kaufmännischer Geschäftsführer“ keine Verantwortung für die Misere: „Ich bin für diesen Bereich nicht zuständig.“ Ebenso wehrt sich Rejek dagegen, er habe einen aufgeblähten, überbezahlten Verwaltungsapparat geschaffen. Ismaik hatte in Rudelzhausen gesagt: „Wir haben viele Ausgaben gefunden, die keinen Nutzen bringen. Die Arbeitsverträge mancher Angestellten stehen in keiner Relation.“ Rejek bezeichnete die Vorwürfe als „populistisch“ und erklärte, dass im Schnitt jeder deutsche Zweitligist jährlich 2,1 Millionen für seine Verwaltung ausgebe – die Löwen nur 1,1 Millionen für 21 Mitarbeiter. Ismaik bezeichnete Rejek dennoch als „Hauptverantwortlichen“ für das angebliche Versagen der Geschäftsführung. Rejek: „Das war eine Demontage. Und das möchte ich nicht so stehen lassen.“

Der 1860-Geschäftsführer hält Ismaiks Attacken, die auch gegen die Medien gerichtet waren („Ich habe sehr unter den Lügen der Presse gelitten. Manche Journalisten gehen mit mir rassistisch um“), für kontraproduktiv: „Der Verein hat doch derzeit ganz andere Sorgen, wir befinden uns mitten im Abstiegskampf“, betonte Rejek, Kein Wunder, dass die 1860-Führung das Treffen in Rudelzhausen gern verhindert hätte. Vergeblich. Mehrere Versuche vonseiten des Aufsichtsrats, die Fanklub-Organisatoren dazu zu bewegen, die Versammlung abzublasen, hatten keinen Erfolg. Da wäre ihnen einiges entgangen. Zum Beispiel Ismaiks (ernst gemeinter?) Vorschlag, neben seinem in Riem geplanten 52.000-Mann-Stadion ein Löwengehege zu bauen. Mit echten Raubkatzen, die die Namen von Spielern tragen sollen. Rejek: „Ehe in einer Arena in Riem gegen den Ball getreten wird, vergehen sieben bis acht Jahre! Niemand weiß, wie teuer dieses Bauprojekt werden wird. Es gibt ja noch überhaupt keine Prüfung, keine Machbarkeitsstudie!“

Bilder: Fans schießen gegen Ismaik - Zweimal Note fünf

Bilder: Fans schießen gegen Ismaik - Zweimal Note fünf

Am Samstag schaute Ismaik bei DFB-Vize Dr. Rainer Koch vorbei. Auf Facebook postete er ein Bild von dem Treffen und schrieb: „Ein sehr gutes Treffen heute mit dem Präsidenten des Bayrischen Fußball-Verbandes Dr. Rainer Koch und Vizepräsident Herrn Reinhold Baier. Eine angenehme positive Atmosphäre bei einem konstruktiven Gespräch, in dem sich die Parteien auf eine enge Zusammenarbeit hinsichtlich der Entwicklung einer effizienteren Struktur für den TSV 1860 verständigt haben.“ Effizientere Stuktur – das bedeutet für Ismaik eigentlich nur Kippen der 50+1-Regel.

Rund eine Stunde dauerte das Gespräch in der Verbandszentrale. Koch schrieb auf Facebook: „Ich habe aber auch deutlich gemacht, dass jede Zusammenarbeit und Unterstützung nur unter Akzeptanz der 50+1-Regel möglich ist.“ Gegenüber der tz erklärte Koch, dass das Gespräch schon länger ins Auge gefasst war. Koch: „Ich wollte mir mal ein eigenes Bild von Herrn Ismaik machen und habe ihm verdeutlicht, wie der deutsche Profifußball reguliert ist.“

cm

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