Geschäftsführer fühlt sich weiter blockiert

Poschner: Präsidium hat Hoogland-Transfer verhindert

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Sport-Geschäfts­führer Gerhard ­Poschner in Bodenmais.

München - Der Kontrast könnte größer kaum sein. Perfekte Trainingsbedingungen in Bodenmais, die Idylle des Bayerischen Waldes, Sonne über den nahen Bergen… Auf der anderen Seite: die Löwen.

Ein von internen Machtkämpfen gelähmter Fast-Absteiger, der einen Monat vor dem Start in die neue Zweitligasaison noch immer ohne neue Spieler dasteht. Und bei dem Mannschaftskapitän Christopher Schindler (25) jüngst auf die Frage nach seiner Zukunft antwortete: „Es geht um die sportliche Perspektive. Ich muss schauen, was für mich der richtige Schritt ist. Das hängt natürlich auch davon ab, welche Spieler dazukommen, wie die Strategie ist, und wie verlässlich die Strukturen gelebt werden. Beide Seiten haben nicht ewig Zeit.“

Schindlers Vertrag läuft 2016 aus. Verlängern oder verkaufen heißen die Optionen. Befragt man Gerhard Poschner dazu, sagt der Sport-Geschäftsführer: „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, dass Chris hierbleibt und seinen Vertrag verlängert.“

Alles ganz normal? Natürlich nicht. Denn Übergangspräsident Siegfried Schneider und sein Beraterstab, der sich aus den erklärten Poschner-Gegnern Karsten Wettberg, Peter Grosser und Thomas Miller zusammensetzt, wollen zwar Schindler nicht vergraulen, aber trotzdem darauf hinwirken, dass Poschner bald das Feld räumt. Eine Kündigung oder Beurlaubung wird als zu riskant erachtet, da Investor Hasan Ismaik für diesen Fall bereits mit der Kündigung von Darlehen gedroht hat. Also wird Poschner ein Aufgeben nahegelegt, indem ihm bei Transfers genau auf die Finger geschaut und gegebenenfalls die Zustimmung verweigert wird. Der erste Fall war diese Woche Tim Hoogland (30), den Poschner als Rechtsverteidiger verpflichten wollte. Vor versammelter Presse erklärte Poschner am Donnerstag, warum nicht die Löwen Hoogland bekamen, sondern Bochum. „Alle sportlichen Entscheidungen benötigen die Zustimmung des Präsidiums. Sie können einen Haken oder ein Kreuz unter die Vorschläge machen“, erläuterte Poschner. Bei Hoogland habe es ein Kreuz gegeben. Begründung: Der Spieler sei zu oft verletzt gewesen.

Für Poschner nicht nachvollziehbar. 29 Einsätze habe Hoogland in der abgelaufenen Saison beim englischen Zweitligisten gehabt, in der Saison zuvor bei Schalke seien es wettbewerbsübergreifend 22 gewesen. Ein Indiz dafür, dass Hoogland nur aus einer Blockadehaltung Poschner gegenüber abgelehnt wurde? Das will er öffentlich nicht behaupten. Er sagt nur soviel: „Es ist kein Zustand für die Mannschaft, für den Trainer und den Verein. Das sind die eigentlich Leidtragenden! In der aktuellen Situation ist Unsicherheit das Schlimmste, was uns passieren kann. Der Großteil des Kaders sollte bis Ende nächster Woche stehen.“

Bilder: Blut und Schweiß in Bodenmais

Bilder: Blut und Schweiß in Bodenmais

Schädigt das Präsidium also den Verein, indem wertvolle Zeit für Verpflichtungen verloren geht? Oder ist Poschner zu stolz, seine missliche Lage mit einem freiwilligen Rückzug (samt Abfindung) zu beenden? Beides dürfte nicht falsch sein. Fest steht, dass keine Seite als Verlierer dastehen will. Schneider & Co. wären die Umfaller, sollte es mit Poschner weitergehen. Der wiederum wäre wohl als Alleinschuldiger am Niedergang gebrandmarkt, sollte er jetzt hinschmeißen. Poschners einstweiliges Schlusswort am Donnerstag: „Für die Sache wäre der Idealzustand, wenn jetzt eine Entscheidung getroffen wird – so oder so. Damit gearbeitet werden kann.“

Ins Realistische übersetzt: Wenn schon ein Abgang, dann wenigstens einer mit Anstand.

lk

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