Sieben Spieler unter Vertrag

1860: Insolvenz abgewendet, doch das Ringen geht weiter

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Zumindest hat er weiterhin eine Mannschaft: Trainer Daniel Bierofka darf aufatmen – Boss Fauser hat es zumindest geschafft, sieben Spieler vertraglich zu halten.

Die sofortige Insolvenz bleibt den Löwen erspart, doch ein Konsens mit Ismaik steht noch aus.

München – Am Freitag haben die Löwen Abschied genommen vom großen Fußball. Der 30. Juni ist der Tag, an dem das alte Spieljahr formal in die neue Saison übergeht, und passend dazu haben die hoffnungsvollsten Kräfte aus Zweitligazeiten neue Anstellungsverhältnisse fixiert. Borussia Mönchengladbach sicherte sich die Dienste von Florian Neuhaus, der VfL Wolfsburg angelte sich das Defensivtalent Felix Uduokhai. Schmerzhaft war das noch einmal für all die Fans, die den Doppelabstieg noch immer nicht verdaut haben, doch selbst für die gab es eine halbwegs tröstliche Nachricht. Das Schlimmste, die Insolvenz, bleibt den Löwen erspart, zumindest fürs Erste.

Die endgültige Rettung durfte am Freitag allerdings noch nicht gefeiert werden, denn ein Konsens mit Hasan Ismaik zeichnet sich weiterhin nicht ab. Damit Geschäftsführer Markus Fauser auch in Zukunft der Gang zum Amtsgericht erspart bleibt, muss noch so einiges passieren. Für den Moment gelang es zwar, mittels einiger Raffinessen (Stundungen, Überbrückungsdarlehen) die akute Finanzierungslücke von gut fünf Millionen Euro zu überbrücken, doch das reicht noch nicht aus, um der überschuldeten KGaA für die nächsten zwei Jahre eine positive Fortführungsprognose zu attestieren.

Es war vor allem von kurzfristigen Erfolgen die Rede

In der Pressemitteilung, die der TSV 1860 am Freitagnachmittag verschickte, war dann auch vor allem von den kurzfristigen Erfolgen die Rede – den vertraglichen Fixierungen mit Hoffnungsträgern, die in den letzten Wochen nur mit Altverträgen oder Sondergenehmigungen trainiert und gespielt hatten. Kapitän Felix Weber, Jan Mauersberger, Timo Gebhart, Nico Karger, Aaron Berzel, Daniel Wein und Benjamin Kindsvater hätten nun auch rechtsverbindliche Arbeitspapiere Engagements, teilte der Verein mit: „Wir wollen gewährleisten, dass Daniel Bierofka und sein Team (...) die positive Weiterentwicklung unserer Mannschaft fortsetzen können“, lässt sich KGaA-Chef Fauser zitieren.

Der Schwabe deutet an, dass es nicht mehr als das Nötigste war, das die weiterhin rangelnden Gesellschafter fürs Erste hingekriegt haben. „Kurzfristig notwendige Verträge“ seien geschlossen worden, erklärte er: „Damit haben wir die Weichen gestellt mit dem Ziel, in den nächsten zwei Wochen eine Gesamtlösung für die KGaA zu finden“, bedient sich der Sanierungs-Geschäftsführer einer mehr als vagen Formulierung.

Ismaik ist und bleibt der Knackpunkt

Knackpunkt ist und bleibt Ismaik, bei dem die Löwen mit gut 50 Millionen Euro in der Kreide stehen. Eines seiner Darlehen wird Ende des Geschäftsjahres 2017/18 fällig, die Rede ist von bis zu 15 Millionen Euro. Bisher war es gängige Praxis, dass Ismaik seine Kredite nachrangig gestellt oder in Genussscheine umgewandelt hat – ein notwendiger Bilanztrick, um die Eigenkapitalquote des Klubs aufzuhübschen. Diesmal jedoch, im Zustand des Kalten Krieges zwischen den Gesellschaftern, dürfte das nicht so leicht vonstatten gehen.

Der längst nicht mehr geheime Plan der Klubführung sah ja ursprünglich vor, sich unabhängig von Launen, Geldfluss und gutem Willen des Investors zu machen. Doch ob das nach dem erbitterten Machtkampf der letzten Wochen möglich ist, steht weiterhin in den Sternen. Auf gut Deutsch: Ismaik hält die Löwen weiterhin am Gängelband, kann nach Belieben den Daumen heben oder senken – ein Szenario, das die e.V.-Seite unter allen Umständen vermeiden wollte.

Rhetorisch geschickt ist es dem Klub dafür gelungen, die kurzfristige Notlösung in optimistisch klingende Worte zu kleiden. „Starkes Signal für den Sport“, lautet die Überschrift über dem Pressetext, was die Vermutung nahelegt, dass ein Signal, dass fragile Binnenverhältnis betreffend, nicht zu kriegen war, für den Moment zumindest. Konkret heißt es: „Das ist ein starkes Signal in Richtung unserer Sponsoren und potenzieller Investoren, mit denen wir uns ebenso wie mit unseren Gesellschaftern in konstruktiven Gesprächen befinden.“

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