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Rätselraten bei 1860: Wo ist Hasan Ismaik?

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Zwischenhoch im Verhältnis zwischen Hasan Ismaik (r.) und dem TSV 1860. Doch die Zeiten, in denen er – wie hier im Dezember 2014 – die Allianz Arena besuchte und mit 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer plauderte, sind passé.

München - Man hört nicht viel vom einst so spektakulär auftretenden Investor des TSV 1860. Die Anzeichen mehren sich, dass der Jordanier sein Interesse verloren hat an dem Fußballklub, mit dem er nie seine rechte Freude hatte und der ihm auch immer fremd geblieben ist.

In Zeiten der Not hilft oft nur das Wir-Gefühl weiter, die Solidarität der Mitleidenden. Beim TSV 1860 fand am vergangenen Sonntag eine besonders eindrucksvolle Demonstration der kollektiven Verbundenheit statt. 68 500 Zuschauer waren zum Derby gegen Nürnberg (2:1) gekommen, vom Schauspieler Ottfried Fischer über Nationalspieler Kevin Volland bis zum Ex-Sportdirektor Florian Hinterberger und Ex-Keeper Gabor Kiraly. Vereinschef Gerhard Mayrhofer spricht in solchen Fällen gerne von der „großen Löwen-Familie“. Einer allerdings fehlte. Wieder einmal. Dabei ist er der Mann, der bei 1860 das Sagen hat. Der Entscheider. Doch Investor Hasan Ismaik, den Mehrheitsgesellschafter, ließ sogar das Schicksalsspiel der Sechziger kalt.

In eingeweihten Kreisen war das keine große Überraschung. Denn schon seit Monaten ist von Ismaik nichts zu sehen und zu hören. Alle Kontaktversuche seitens der Münchner blieben erfolglos. Die Vermutung liegt nahe: Der Geschäftsmann aus Abu Dhabi hat sein Interesse an dem Zweitligisten verloren.

Dabei war Ismaik einst als Retter, als Heilbringer gefeiert worden. Sein Einstieg bei den Löwen bewahrte den Verein 2011 vor dem Ruin. Die Schätzung über die von Ismaik eingesetzten Finanzmittel schwanken zwischen 30 und 50 Millionen Euro. Ziel eines Drei-Jahres-Plans war der Erstliga-Aufstieg, Ismaik träumte gar davon, eines Tages „auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona“ zu gelangen. Es ist bekanntlich ganz anders gekommen. Vier Jahre später zittern die Löwen um den Klassenerhalt. Und in all der Zeit schien Ismaik nie recht glücklich geworden zu sein mit seinem Investment.

Bilder: 1860 schlägt Nürnberg - nur einer bekommt Note 2

Zwar gelang es dem Jordanier, fast alle früheren Führungskräfte zu eliminieren: Von Ex-Präsident Dieter Schneider bis Geschäftsführer Robert Schäfer. Seine bisweilen von orientalischem Zorn erfüllten Auftritte in München belustigten ganz Fußball-Deutschland. Als dann Gerhard Mayrhofer das Präsidentenamt antrat, zeigte sich Ismaik versöhnt, rühmte die „ausgezeichneten Beziehungen“.

Doch sportlich war zunächst nur Stillstand zu verzeichnen, in dieser Saison folgte der Absturz in die Abstiegszone. Ein einziges Mal ließ sich der Geschäftsmann aus dem Morgenland im Spieljahr 2014/15 blicken. Es war im Dezember 2014 beim Spiel gegen Karlsruhe (2:3). Er hatte sich gerade auf der Tribüne niedergelassen, als Maxi Wittek den Ball zum 1:0 ins Kreuzeck hämmerte. Ismaiks Reaktion: er kauerte völlig ungerührt in seiner Kunststoffschale. Während es neben ihm die Zuschauer von den Sitzen riss. Im weiteren Spielverlauf konzentrierte sich Ismaik ganz auf das Display seines Smartphones.

Die Aufsicht über sein Münchner Investment hat der Multimillionär bekanntlich längst seinem Cousin Noor Basha übertragen. Und dieser wiederum knüpfte sehr enge Bande zum umstrittenen 1860-Sportchef Gerhard Poschner. Mittlerweile entstand der Eindruck, dass Poschner unter dem persönlichen Schutz des Ismaik-Adlatus steht. Wohl nur so ist zu erklären, dass sich der öffentlich schwer angeschlagene Sportchef noch im Amt halten kann.

Sein Veto hat Ismaik in dieser Saison zudem bei der Trainersuche eingelegt. Wie von informierter Seite bestätigt wurde, sei mit einem prominenten Coach bereits Einigung erzielt gewesen. Der Mehrheitsgesellschafter habe das spektakuläre Engagement jedoch abgelehnt.

Den Vereinsoberen sind also die Hände gebunden. Dennoch traut sich beim TSV 1860 niemand, sich über Ismaik hinwegzusetzen. Zu groß ist die Befürchtung, dass der impulsive Araber die Daumenschrauben anzieht: also zum Beispiel seine Darlehen kündigt. „Der kann uns platt machen“, verlautet aus 1860-Kreisen.

Mittlerweile machte auch die Runde, dass Ismaik längst versucht, seine Anteile an der Profi-Fußballabteilung des TSV 1860 zu verkaufen. „Es will sie nur keiner haben“, heißt es. Solange nicht auszuschließen ist, dass die Blauen in der Dritten Liga landen, wird sich daran wohl auch nicht ändern.

Wie es nun weitergeht mit den Löwen und ihrem unwilligen Investor? Bei den Sechzigern weiß das derzeit niemand zu sagen. Ein Insider meinte nur: „Es ist, als ob Ismaik sich tot stellen würde."

Armin Gibis

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