Der 1860-Kapitän im tz-Interview

Schindler über Zukunft: "Perspektive ist entscheidend"

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1860-Kapitän Christopher Schindler mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Paulina.

München - Zum Auftakt des Kurztrainingslagers in Bodenmais sprach die tz mit Löwen-Kapitän Christopher Schindler über seine Zukunft, Ehestress und die Absurditäten bei 1860.

Mit Einsatz, Hirn und Führungsstärke war Christopher Schindler (25) einer der Hauptfaktoren dafür, dass die Horrorsaison des TSV 1860 mit anderthalb blauen Augen endete. Ob und wie es mit dem Kapitän bei Sechzig weitergeht? 2016 läuft sein Vertrag bei den Löwen aus, Gespräche über eine Verlängerung sind im Gange. Doch in der gegenwärtigen Situation ist ein Abschluss wenig realistisch. Zum Auftakt des Kurztrainingslagers in Bodenmais sprach die tz mit dem Kapitän.

Christopher, nachträglich herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit mit Ihrer Frau Paulina! Wie froh waren Sie, dass Sie als Zweitliga-Profi heiraten konnten und nicht als Absteiger vor den Standesbeamten treten mussten?

Christopher Schindler (lacht): Für die Stimmung war’s sicher besser so. Meine Frau hat nach dem Kiel-Rückspiel auch gesagt: Ich bin so froh, dass es vorbei ist und gut ausgegangen ist. Diese Zeit war für uns beide prägend und wir sind dadurch nochmals enger zusammengerückt.

Der Abstiegskampf als Ehe-Eignungstest?

Christopher Schindler:In Extremsituationen merkst du, auf wen du dich verlassen kannst. Meine Familie und Paulina haben mir so viel Kraft gegeben, ich weiß nicht, ob ich das alles ohne diese Hilfe gepackt hätte. Paulina hat nach einer Niederlage direkt mal gesagt: So, jetzt fahren wir am freien Tag weg, damit du auf andere Gedanken kommst. Das hab ich noch nie gemacht – und es hat geholfen.

Die Saison hätte dramatischer nicht laufen können.

Christopher Schindler: Kann man so sagen, ja. Ich bin vom ersten Spieltag an, diesem 2:3 in Lautern bis zum letzten Spiel gegen Kiel praktisch jeden Tag im Bett gelegen mit dem Gedanken, was hier eigentlich abgeht, was das für eine Sch… Saison ist und wie wir da heil rauskommen sollen. Das macht dich verrückt.

Die Kapitänsbinde hat Sie lange gelähmt.

Christopher Schindler: Ich wollte das Idealbild eines Kapitäns sein, mich um alle und jeden kümmern. Dabei habe ich mich vergessen. Das 1:4 in Aue war der absolute Tiefpunkt, mein schlechtestes Spiel seit ich Profi bin. Danach habe ich mir gesagt: So, jetzt bist du am Boden und hast zwei Möglichkeiten – dich ergeben und als Opfer fühlen oder einen Schnitt machen, deine Fehler analysieren und dich an jeder gelungenen Aktion hochziehen. Im Laufe der Rückrunde hab ich die Stabilität gefunden, um glaubwürdig vorangehen zu können. So schlimm die Saison insgesamt auch war, ich bin dankbar für diese Erfahrung; ich habe davon profitiert.

Ein Bild des letztes Spieles gegen Kiel war Ihre Konfrontation mit Schiedsrichter Knut Kircher. War das der Weckruf an die Mannschaft?

Christopher Schindler: So war’s nicht geplant. Ich habe Herrn Kircher gesagt, dass es jetzt zwei drei Situationen gegeben hat, wo er Elfmeter hätte pfeifen können. Es stand 0:1, die Zeit ist uns davongelaufen und die Mannschaft hat 70 Minuten wie tot gewirkt. Der Druck war extrem. Aber es stimmt schon, ab dieser Szene ist es dann besser geworden, wir haben uns Chancen erarbeitet, gezielt Druck gemacht. Die Mannschaft hat auf die Szene reagiert – bewusst oder unbewusst.

Jetzt hat die Vorbereitung auf die neue Saison begonnen und wieder bestimmt die Klubpolitik die Schlagzeilen. Was haben Sie gedacht, als Sie im Urlaub von den Querelen um Sportchef Gerhard Poschner und vom Rücktritt des Präsidiums gehört haben?

Christopher Schindler: Das ist Sechzig, der Verein lebt… Nein, es ist nicht zum Lachen, überhaupt nicht. Ich finde es absurd und befremdlich, was da in aller Öffentlichkeit wieder ausgetragen wird.

Ihr Vertrag läuft 2016 aus, zuletzt hieß es, der FSV Mainz habe Interesse an einer Verpflichtung. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Christopher Schindler: Mein Berater und ich sind in extrem positiven Gesprächen mit Gerhard Poschner. Es gibt noch ein paar Paramenter, die man prüfen muss. Und diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.

Können Sie konkreter werden?

Christopher Schindler: Es geht um die sportliche Perspektive. Ich muss schauen, was für mich der richtige Schritt ist. Kann ich mich hier weiterentwickeln oder nicht? Das hängt natürlich auch davon ab, welche Spieler dazukommen, wie die Strategie ist, und wie verlässlich die Strukturen gelebt werden.

Gibt es eine Deadline von 1860, bis wann Sie sich entschieden haben müssen?

Christopher Schindler: Beide Seiten haben nicht ewig Zeit, das ist doch klar. Man kann nicht warten bis zum Schluss. Ich habe 1860 sehr viel zu verdanken, aber entscheidend ist die Perspektive.

Interview: lk

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