Die Löwen im Abstiegskampf

Die 1860-Krise: "Rettendes Ufer oder untergehen"

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Frust in Aue: Sportdirektor ­Gerhard Poschner (rechts hinten), vor ihm Trainer Markus von Ahlen.

München - Die Blauen stecken in einer Krise, wie es sie nach zehn Spieltagen in der 2. Liga für sie noch nie gegeben hat. Sportchef Poschner ist gespannt auf die Zukunft.

Die Jungs von Sky hatten am Montag noch zu tun. Es galt, die Löwen-Doku "57, 58, 59, Sechzig" auf Vordermann zu bringen für die Erstausstrahlung im Bezahlsender. Denn die am Donnerstag präsentierte Uraufführung im Mathäser-Kino, die mit dem 2:0-Sieg gegen Greuther Fürth und einem optimistischen Blick in die Zukunft endete, war aktuell nicht mehr zu halten. Also wurden noch Bilder vom 0:2 in Aalen und dem unterirdischen1:4 am Sonntag in Aue hinzugefügt, und auch über die Tatsache, dass sich der TSV 1860 aktuell auf einem Abstiegsplatz befindet, konnte nicht hinweggeschaut werden.

Die Blauen in der Krise. In einer Krise, wie es sie nach zehn Spieltagen in der 2. Liga für sie noch nie gegeben hat. Mickrige neun Punkte, ein Auftritt in Aue, der jeder Beschreibung spottet – die Fans ließen in den Internetforen ihrer Wut, ihrer Trauer und ihrem Frust freien Lauf. Die Angst vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit.

Sportchef Gerhard Poschner trommelte die Mannschaft nach deren Rückkehr am Sonntagabend noch zu einem einstündigen Krisengespräch in der Kabine an der Grünwalder Straße zusammen. „Ich wollte die Meinung der Spieler hören“, sagte Poschner. „Nicht, wie sie das Spiel gesehen haben – da gibt’s sowieso nur eine Meinung: Es war das schlechteste in allen Bereichen in dieser Saison. Ich wollte wissen, welche Gründe sie dafür anbringen und ob sie eine nachvollziehbare Erklärung dafür haben, dass wir nach fünfzehn Minuten schon 0:3 in Rückstand gelegen sind.“

Ob einer eine halbwegs sinnvolle Erklärung gefunden hat, ist nicht bekannt – viel wichtiger ist aber mittlerweile die Frage: Kann diese Mannschaft überhaupt Abstiegskampf? Poschner glaubt schon: „Weil ich von einer Profimannschaft erwarten muss, dass sie in jeder Situation Wachheit an den Tag legen muss.“

Das mit der Wachheit war aber gerade in Aue so eine Sache. Drei Tore in der ersten Viertelstunde beim Tabellenletzten – das muss man sich mal geben. Eine führungslose, sich ihrem Schicksal ergebende Mannschaft – das ist der TSV 1860 im Herbst 2014. „Im Fußball gibt es Generäle und Soldaten“, sagte Poschner. „Wir haben in Aue keinen einzigen General auf dem Platz gehabt.“ Aber auch keinen Soldaten – wenn man genau hingeschaut hat…

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Poschner deutete an, dass ihm die Mannschaft insgesamt zu ruhig sei. „Das kann man nur mit einer Streitkultur und offener Kommunikation verändern.“ Das Problem: Fünf der zehn neuen Spieler sind der deutschen Sprache gar nicht mächtig.

Und Trainer Markus von Ahlen fügte hinzu: „Wir waren vom Gesamtauftreten und vom Selbstvertrauen gar nicht in der Lage, das frühe 0:1 wegzustecken.“ Und mit dem Willen war’s auch nicht weit her. Den könne man aber von außen nicht beeinflussen, meinte Poschner: „Bereitschaft ist die Voraussetzung, die kannst du jemandem nicht einimpfen.“

Am kommenden Sonntag geht’s zu Hause gegen Braunschweig. Im Abstiegskampf. Poschner ist gespannt auf die Zukunft. „Entweder gehen wir komplett miteinander unter, oder wir erreichen das rettende Ufer“, sagte er. Sicher ist auch er sich offenbar nicht mehr...

tz

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