Auswärtsdreier in St. Pauli

Moniz: Haben mehr individuelle Qualität

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Ricardo Moniz.

München - Erster Sieg für den TSV 1860: Die Löwen überzeugen in St. Pauli mit veränderter Taktik und einem qualitativ aufgewerteten Team.

So sieht Ricardo Moniz also aus, wenn er gewonnen hat: Angela-Merkel-Mundwinkel, nicht die Andeutung eines Lächelns – als Feierbiest wird dieser Trainer wohl kaum in die Vereinsgeschichte eingehen.

Moniz stand auf dem Rasen des Millerntor-Stadions, wo sich soeben Historisches ereignet hatte: erster Löwen-Sieg in St. Pauli seit 13 Jahren (2:1 durch Leonardos Elfer und einen Treffer von Yannick Stark); erster Zweitliga-Dreier für den niederländischen Offensivverfechter, der in den vier Spielen zuvor viel Spektakel, aber wenig Punkte verantwortet hatte. Aber was war das bitte für ein Blick? „Wir hatten heute ein bisschen mehr Glück als in Kaiserslautern“, grantelte Moniz, der mächtig unter Druck gestanden hatte und nun so tat, als sei dieser Auswärtssieg ein eher zufälliges Ereignis.

„Wir haben im richtigen Moment zugeschlagen und sehr effizient gespielt“, sagte der Trainer und verschwieg ein wesentliches Detail: Die Defensive, die sich bei den ersten Auswärtsspielen als äußerst brüchig erwiesen hatte (2:3 auf dem Betzenberg, 2:2 in Heidenheim), strahlte endlich so etwas wie Souveränität aus. Die Kritik von Sportchef Gerhard Poschner („Wir dürfen nicht offen sein wie ein Scheunentor“) hatte offenbar gefruchtet. Vor allem aber war es der Mann mit der Nummer 24, der die Kiezkicker zur Verzweiflung brachte und die Moniz-Elf in etwas angenehmere Tabellenregionen führte: Stefan Ortega. Mit mehreren Klasseparaden (18., 28., 88.) hatte der Nachfolger von Gabor Kiraly die Gäste im Spiel gehalten.

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Bilder & Noten zum Löwen-Sieg: Einer verdiente sich die 1

Es sei auch ein Sieg der „individuellen Qualität“ gewesen, sagte Moniz und meinte neben Ortega vermutlich: Martin Angha, der ein solides Debüt als Rechtsverteidiger gab. Valdet Rama, der links vorne mit schönen Dribblings den Angriff belebte. Es waren aber auch ein paar altgediente Spieler, die dazu beitrugen, dass die Löwen wesentlich stabiler auftraten als zuletzt: Grzegorz Wojtkowiak, der nach langer Verletzung links in der Viererkette aushalf und sogar die Zeit fand, sich bei einem Offensivausflug elfmeterreif foulen zu lassen. Und natürlich: Yannick Stark, der den Angriff des Tages selbst eingeleitet – und eiskalt abgeschlossen hatte. 1:1 stand es nach dem Elfmetertreffer von Leonardo (20.) und dem Ausgleich durch Verhoek (31.), als Stark einen steilen Ball auf Okotie spielte, sah, wie der österreichische Nationalelf-Rückkehrer klug in den Rücken der Abwehr passte, Edu Bedia gekonnt (und gewollt) am Ball vorbeilief – und Stark somit die Chance eröffnete, mit einem satten Schuss aus Mitteldistanz die erneute Führung herzustellen.

Bei diesem 2:1-Vorsprung, erzielt kurz vor dem Halbzeitpfiff, blieb es. Moniz hatte in der zweiten Hälfte rege vom neuen Personalüberfluss gebraucht gemacht, erst den begnadigten Weigl eingewechselt, dann Tomasov, dann Steinhöfer. Und hinterher meinte er: „Taktik ist immer wichtig, aber im Fußball geht es in erster Linie um individuelle Qualität – und da sind wir jetzt besser besetzt.“

Auch wenn er sich Mühe gab, den Coolen zu spielen: Es war eine Menge Anspannung, die sich da entladen hatte. Oder war es schlecht verdauter Frust? Durch den glücklichen Sieg darf sich der Niederländer als Gewinner fühlen – zur Belohnung winkt eine ruhige Arbeitswoche bis zum Wiesnauftaktspiel gegen Tabellenführer Ingolstadt. Der noch größere Gewinner war jedoch: Sportchef Poschner. Der Vorgesetzte von Moniz hatte indirekt den Taktikwechsel verfügt, er hat Spieler rangeschafft, die teilweise sehr ansehnlich den Ball laufen lassen – und letztlich hat er auch dazu beigetragen, die Trainerdebatte zu beenden. Die Debatte, die er selber mit angezettelt hatte.

Uli Kellner

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