Kagelmacher und Leonardo

Kritik an Neu-Löwen: "Sie sind weit weg von fit"

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Die drei Neuzugänge Gary Kagelmacher, Leonardo und Daylon Claasen (v.l.n.r.) konnten Ricardo Moniz noch nicht überzeugen.

München - 1860-Coach Moniz schlägt Alarm: Der mangelnde Fitnesszustand seiner Neuzugänge Kagelmacher und Leonardo sorgt für erhöhten Blutdruck. Zudem fehlt ihm die Stabilität im Team.

Ricardo Moniz stand wie immer unter Strom, als er am Mittwoch Mittag vom Trainingsplatz stapfte. „Sommerabendfußball“, schimpfte er, angesprochen auf das 3:1 seiner B-Elf in Schwabmünchen. Und was den Einstand der Neulöwen Gary Kagelmacher und Leonardo betrifft, die mal tragende Rollen in Abwehr und Angriff übernehmen sollen, polterte er mit genau der Leidenschaft, die er am Vortag vermisst hatte: „Ich frage mich, was die Leute in den Ferien getan haben. Beide sind weit weg von fit. Das sind fantastische Fußballer, aber sie haben keinerlei physische Kapazitäten.“

"Kagelmacher hat zuletzt bei Valenciennes in Frankreich drei Mal die Woche trainiert, das ist viel zu wenig", wird Moniz in der "Bild" zitiert. Und auch Neuzugang Daylon Claasen bekommt sein Fett weg: "Er ist ein Neuzugang. Das heißt, er muss alles dafür tun, besser zu sein als die, die da sind. Das hat er bisher nicht gemacht."

Moniz: "... dann bleibst du lieber im Bett"

Drei Tage nach der feinen Leistung gegen Stoke City (2:0) wirkte Moniz stark ernüchtert, um nicht zu sagen: desillusioniert. Dazu kam, dass auch das Training der Stammspieler Mittwoch nicht zu seiner Zufriedenheit abgelaufen war, im Gegenteil. „Haben Sie das Training gesehen?“, fragte er bissig. „Das sagt doch alles. So kannst du nicht nach Kaiserslautern gehen, das ist unmöglich.“

Die Frage eines Reporters, wieviele Positionen in seiner Ideal-Elf besetzt seien, beantwortete der Coach mit einer gezielten Provokation. Moniz überlegte lange, er sah aus, als würde er rechnen und jede einzelne Position vor seinem geistigen Auge durchgehen – danach überraschte er mit der Antwort: „Vier Positionen.“ Welche das seien, sagte er nicht, aber das erklärt zumindest im Ansatz, warum er dem Ligastart – Stand Mittwoch – nicht mit dem allergrößten Optimismus entgegenblickt.

Der Niederländer bemühte „ein altes Gesetz“, um zu verdeutlichen, warum ihm der Leistungsabfall gegenüber dem Stoke-Spiel ein wenig Sorgen bereitet. „Da hinzukommen, ist einfach“, sagte er und zeigte nach oben: „Da zu bleiben, umso schwerer.“ Was Moniz bemängelt, ist nicht der fehlende Eifer. Sondern: „Die Spieler kommunizieren zu wenig, sie helfen sich nicht – und sie verstecken ihre Persönlichkeiten.“ Soll heißen: Die Löwen sind noch kein stabiles Team. Dabei komme es genau darauf an, wenn man am Betzenberg – wie Moniz – gleich mal einen Dreier landen will. „Du musst da selbstbewusst hinfahren“, sagt er. „Wenn du nur ein Prozent zweifelst, bleibst du lieber im Bett.“

Ausstrahlung, Charakter, mentale Stärke – das ist es, was Moniz den Löwen einimpfen will. Die Zeit bis Montag ist knapp, und auch die gesunden Spieler werden weniger, neuerdings sogar hinten rechts. Volz ist noch nicht fit (Hüfte), Wojtkowiak fällt bis zu sechs Wochen aus (Muskelverletzung im Oberschenkel), Steinhöfer wäre der logische Nachrücker, doch Moniz scheint nicht auf das verzichten zu wollen, was der Uruguayer Kagelmacher – trotz fehlender Fitness – mit jeder Faser seines Körpers verkörpert: Leidenschaft, Biss, Unbeugsamkeit. Oder wie Moniz schwärmerisch sagt: „Er ist ein echter Verteidiger.“

Uli Kellner

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