Wegen Georg Niedermeier

Möhlmann genervt von den Indiskretionen im Verein

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Benno Möhlmann ist mit einigen Dingen im Umfeld der Löwen nicht zufrieden.

München - Gut 30 Minuten brauchte Benno Möhlmann. Eine halbe Stunde, in der er die Illusion einer schönen, neuen, heilen Löwenwelt schon wieder leicht beschädigte.

 Erst gab er im Mediencontainer ein paar unverfängliche Auskünfte zum Auswärtsspiel in Braunschweig. Dann legte er einen Auftritt hin, an den man sich noch länger erinnern wird. Er war so ehrlich, wie man sich das als Angestellter gerade noch erlauben kann – und so wenig diplomatisch, dass er mehr Fragen aufwarf als Antworten gab.

Thema eins: die Verpflichtung von Oliver Kreuzer als Sportchef, die offenbar selbst für Möhlmann überraschend kam. Der erste berufliche Kontakt? „Am Mittwochabend hat er mich angerufen“, sagte der Trainer: „Also am Tag, als das schon in der Zeitung stand.“ Sein erster Gedanke: „Ah, die Nummer hab ich noch gespeichert.“ Weil Kreuzer ihn schon vor Jahren mal kontaktiert hatte.

Und sein zweiter Gedanke? „Ich hab keinen zweiten Gedanken gehabt. Ich war ja bereits von den Geschäftsführern informiert worden, dass das so laufen wird“. Anders ausgedrückt: Fakten wurden geschaffen – Möhlmann hatte sie zu akzeptieren. Öffentliche Huldigungen, wie in der Branche üblich, vermied Möhlmann. Kreuzer sei Ex-Fußballer, habe Erfahrung als Sportchef und sei kommunikativ: „Insofern denke ich nicht, dass ich damit ein Problem haben werde.“ Womit er eher ein Problem hat: Dass im Verein weiter Alleingänge stattfinden. Auch Möhlmann dürfte die These kennen, dass Kreuzer auch deswegen verpflichtet wurde, damit der Vereinsführung bei der Mitgliederversammlung am 15. November nicht das leidige Thema Felix Magath um die Ohren fliegt.

Dem Verdacht, dass Möhlmann selbst den Job in Personalunion mitmachen wollte, trat er entgegen: „Ich hab keine Nerven dafür, und Journalisten anzulügen, ist auch nicht meine Welt.“ Doch Möhlmann ist auch bekennender Pragmatiker, und als solcher sagte er: „Ich nehme das positiv auf. Ich kann die Gründe des Vereins hundertprozentig nachvollziehen – aber jetzt muss gearbeitet werden.“ Verzichten muss der Cheftrainer bei diesem Vorhaben auf Rodnei. Der Brasilianer wird sich einer Leisten-OP unterziehen und Sechzig bis zu vier Monate fehlen.

Thema Nummer zwei: Das Interesse Möhlmanns an Ex-Bayer Georg Niedermeier, 29, der den VfB Stuttgart verlassen will. „Wir sind schon seit 14 Tagen an ihm dran. Er ist ein guter Typ, der gezeigt hat, dass er in jeder Spielklasse zurecht kommt und Führungsqualitäten hat.“ Das Problem dabei: Es stand bereits in der Zeitung. „Ein Verein kann nur erfolgreich sein, wenn gewisse Dinge auch mal geheim bleiben“, predigte Möhlmann: „Den werden wir nicht mehr kriegen, weil das jetzt öffentlich ist und andere da auch aufspringen werden. Man muss es einfach schaffen, dass man gute Entscheidungen auch mal für sich behält.“

Interessantes Detail am Rande: Kreuzer wusste gar nichts von Möhlmanns Interesse an Niedermeier. Auf Nachfrage sagte er: „Da muss man mal Necat Aygün fragen (Kreuzers Assistenten), mir ist bisher nichts bekannt.“

Scheint so, als müsse an der Zusammenarbeit Kreuzer – Möhlmann noch gearbeitet werden. Auf die abschließende Frage, ob es an seinem Bremer Naturell liege, dass er sich so unterkühlt zu Kreuzer äußere, sagte Möhlmann: „Es gibt doch keinen Grund, den jetzt schon hochzujubeln. Er hat jetzt zwei Jahre Zeit, um zu zeigen, was er kann.“ Danach könne man die Personalie objektiv bewerten. Halt, fiel es ihm ein: „Mal sehen, ob ich dann überhaupt noch da bin. Trainer leben ja nicht so lange in diesem Verein.“

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