Wie einst Rehhagel

Möhlmann: Jetzt herrscht ein neuer Umgangston

+
Ein Bild vom März 1987: Benno Möhlmann (re.) mit Otto Rehhagel.

München - Auf dem Trainingsplatz der Löwen herrscht nun ein anderer Umgangston. Benno Möhlmann orientiert sich dabei an seinen ehemaligen Trainer Otto Rehhagel.

Da schau her. Ein ganz neuer Umgangston auf dem Trainingsplatz des TSV 1860. „Rodnei, gerade für so einen Typen wie Sie ist diese Situation doch geeignet“ oder „Daylon, Sie haben doch zwei Anspielstationen, versuchen Sie nicht immer, den schwersten Ball zu spielen“. Der Absender dieser Worte war Benno Möhlmann, der neue Löwen-Coach, und der pflegt seine Spieler zu siezen. Auch auf dem Platz, wo es mit der Wortwahl gewöhnlich nicht so genau geht.

„Das habe ich als Trainer immer so gehalten“, sagte Möhlmann zur tz. „Ich will ihnen damit zeigen, dass ich sie als Männer betrachte.“ Und daran wird sich auch nichts ändern. Möhlmann: „Das mit dem Siezen bleibt so, auch wenn ich die Spieler irgendwann länger kenne.“

Nicht schwer nachzuvollziehen, warum Möhlmann diese eher höfliche Anrede gegenüber seinen Fußballern wählt. Von 1981 bis 1987 kickte er bei Werder Bremen unter dem Trainer Otto Rehhagel, und dieser pflegte von je her seine Spieler zu siezen. Möhlmann: „Klar, bei Otto Rehhagel habe ich diese Art des Umgangs kennengelernt und später, als ich selbst Trainer geworden bin, von ihm übernommen.“

Ungewöhnlich ist es trotzdem, und bei einigen Trainer-Kollegen auch unvorstellbar. Werner Lorant hätte sich eher auf die Zunge gebissen, bevor er einen seiner Kicker mit „Sie Blinder“ angeredet hätte.

Die Spieler bei den Löwen sind natürlich ebenfalls überrascht über das „Sie“ auf dem Trainingsplatz. „Erlebt habe ich das bei noch keinem anderen Trainer“, sagte Marius Wolf und grinste: „Aber ich komme schon klar damit.“ Für Torhüter Vitus Eicher ist es „erst mal ungewohnt, aber an der Trainingsarbeit an sich ändert es ja nichts“. Und Richard Neudecker, das 18-jährige Nachwuchstalent, schmunzelte: „Ich habe nichts dagegen, gesiezt zu werden.“

Möhlmann kann auch locker

Aber Möhlmann kann ja auch anders. Zum Beispiel lockere Sprüche loslassen. Als Stephane Mvibudulu per Körpertäuschung einen Ball durchlaufen ließ, weil er hinter sich einen Mitspieler vermutete, kommentierte der Trainer das folgendermaßen: „Das wäre ’ne gute Aktion gewesen – wenn ein zweiter Stürmer da gewesen wäre…“

Und das nahende Trainings­ende kündigte Möhlmann auf folgende Art und Weise an: „So Leute, Rodnei ist kaputt und kann nicht mehr – jetzt müssen wir dann Schluss machen…“

Übrigens: Mittlerweile ist Otto Rehhagel bei Benno Möhlmann längst zum „Du“ übergegangen. Der Löwencoach: „Und ich duze ihn ebenfalls. Das hat er mir damals angeboten, als ich selbst Trainer geworden bin. Sozusagen von Kollege zu Kollege.“

Claudius Mayer

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Ist das ein richtiges Derby? Für Bierofka keine Frage…
Ist das ein richtiges Derby? Für Bierofka keine Frage…
Vergängliches Idyll: Wie lange bleibt das Grünwalder Stadion Heimat der Löwen?
Vergängliches Idyll: Wie lange bleibt das Grünwalder Stadion Heimat der Löwen?
Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!
Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!

Kommentare