Kreuzer: "Er soll neues Feuer entfachen"

Bierofkas Vorbilder? Trapattoni, Toppmöller und Lorant

München – Benno Möhlmann ist weg – das war erwartet worden. Eine Überraschung ist dagegen, wem der Verein die Rettungsmission angedient hat: Daniel Bierofka, als Spieler einst ein Energiebündel, zuletzt Coach der U 21.

Mit Scheuermilch, einer Bürste und zwei Eimern Wasser wurde den Löwen gestern zu Leibe gerückt. Es war eine mühselige Prozedur, die die Gäste in Christls Biergarten aufmerksam beäugten; das Moos hatte sich über den Winter wie ein zäher Film über Mähne und Pranken gelegt, doch der Helfer mit dem blauen Pulli ging mit höchster Akribie zu Werke. Schon bald sah das verlotterte Rudel wieder einigermaßen vorzeigbar aus.

Die beiden frisch aufpolierten Steinlöwen vor Christls Stüberl waren ein beliebtes Fotomotiv gestern. Mithalten konnte nur der Mann, der parallel zu dieser Szenerie den Trainingsplatz betrat. Von Daniel Bierofka, 37, dem Vereinsidol, wird ab sofort etwas Ähnliches erwartet: Dass er dem tabellarisch abgestürzten Löwen-Team zu frischem Glanz verhilft. „Wir haben uns drei Tage lang Gedanken gemacht, was am besten zur Mannschaft und dem Verein passen könnte – und am Ende des Tages sind wir relativ schnell beim Biero hängen geblieben“, sagte Sportchef Oliver Kreuzer. In vier oder sechs Spielen soll der beförderte U 21-Coach die Profis des TSV 1860 zum Klassenerhalt coachen – als Nachfolger von Benno Möhlmann, der wie erwartet beurlaubt wurde. „Er hat nüchtern reagiert, nicht geschockt“, berichtete Kreuzer: „Absolut profihaft.“

Daniel Bierofka ist der Mann, der die Löwen in den letzten vier oder sechs Spielen zum Klassenerhalt coachen soll. Er gilt als akribischer Arbeiter.

Profihaft – das trifft auch auf Möhlmanns Nachfolger zu. Vollbart, blonde Haare, athletische Figur. Optisch ist Bierofka ganz der Alte. Haken wie zu aktiven Zeiten schlägt er aber keine mehr. Stattdessen stellt er Hütchen auf, steckt Laufstangen in den Boden und legt Sprungbänder aus. Die Einsatzfreude, die Bierofka schon als Spieler ausgezeichnet hatte, war ihm auch gestern anzusehen, bei der Vorbereitung seiner ersten Trainingseinheit als Teamchef. Cheftrainer zu sagen, verbietet sich, denn die A-Lizenz strebt er erst im Sommer an. DFL-Regularien ermöglichen, dass er das Team 15 Werktage auch ohne Schein betreuen darf. Danach – für das letzte Saisonspiel in Frankfurt und die mögliche Relegation – kann der Verein eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Zur Not könnte aber auch Torwarttrainer Kurt Kowarz, 58, einspringen. Er und Bierofkas angestammter Helfer Denis Bushuev, 34, komplettieren das improvisierte Trainerteam für die nächsten Wochen.

„Ich habe keine zwei Sekunden überlegen müssen“, sagte Bierofka, der am Montagabend von Kreuzer quasi überrumpelt wurde. Eigentlich hatte er vor, sein kleines, aber erfolgreiches Regionalligateam weiterhin zu betreuen (zuletzt zehn Spiele ohne Niederlage), doch als Löwe durch und durch konnte es für ihn nur eine Antwort geben: „Ich hänge sehr an den Löwen, und wenn der Verein meine Hilfe braucht, dann bin ich der Letzte, der Nein sagt.“

Als Bierofka vor zwei Jahren sein letztes Spiel als Profi bestritt (2:0 gegen Bochum), hatte er vor, erstmal unverbindlich in den Trainerjob reinzuschnuppern. Binnen zwei Jahren ergab sich dann eine Karriere im Zeitraffer: Co-Trainer der U 16, drei Monate später Chef, Beförderung zur U 21– und jetzt bei den Profis. Papa Bierofka, einst selber Spieler und Trainer bei 1860, ist überzeugt, dass Daniel den Job im Kreuz hat: „Er hat mich nicht um Rat gefragt“, so Bierofka sen.: „Aber ich traue es ihm zu. Sie brauchen drei Siege aus vier Spielen, um die Rettung zu schaffen.“ Vorbilder seines Filius seien: Trapattoni, Toppmöller – und Werner Lorant.

Dessen berühmtesten Spruch zitierte Bierofka auch, als er seinen ersten Auftritt im vollbesetzten Mediencontainer hatte. „Wer Angst hat, verliert, hat einer meiner Trainer gesagt: Und Angst hab ich schon mal gar nicht.“ Auch der Mannschaft will er in den wenigen Einheiten bis zum Ernstfall gegen Braunschweig einen veränderten, mutigen Offensivstil (4-3-3) einimpfen. Angsthasenfußball steht bei Bierofka auf dem Index, Fehler dagegen seien erlaubt. „Brust raus, her mit dem nächsten Ball“, heiße es dann: „Diese Einstellung will ich am Sonntag sehen.“

Bilder: Möhlmann verabschiedet sich - Erstes Biero-Training

Spieler, die Bierofka aus der U 21 kennen, beschreiben den Trainerlehrling als Rumpelstilzchen an der Seitenlinie, er sei einer, der zwei Tage miese Laune haben könne – zumindest wenn es nicht so läuft, wie Bierofka das erwartet. „Ihr kennt mich ja noch“, sagte er zu den Reportern und fügte hinzu: „Ich bin jetzt nicht mehr ganz so impulsiv. Zu viele Emotionen können die Spieler auch unruhig machen.“ Nur in einem Punkt, da gelte bei ihm das Nulltoleranz-Prinzip: „Wenn einer nicht mitgeht, bin ich rigoros, so viel kann ich jetzt schon sagen.“ Lorant lässt grüßen.

Zunächst will er dem Team jedoch als Kumpel begegnen: „Ich kenne die Spieler, sie haben einen guten Charakter“, sagte der frühere Musterprofi: „Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Ich sehe, dass wir die richtigen Spieler für meine Spielweise haben – und ich sehe nicht, dass die anderen Teams besser sind als wir.“

Bierofka klingt maximal entschlossen, als gehe er felsenfest von einer Rettung aus. Einen Vorteil immerhin hat seine Beförderung: „Ich habe es jetzt selber in der Hand, wo wir nächste Saison spielen.“ Halten die Profis die 2. Liga, bleibt auch seiner U 21 der Zwangsabstieg erspart. Verabschiedet hat er sich im Stile von Paulchen Panther: „Ich komm’ wieder, hab ich zu den Jungs gesagt.“

Rubriklistenbild: © sampics

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