Präsidentschaftskandidat hat seine Meinung geändert

Cassalette über die Arena: "Das ist ein FC-Bayern-Stadion"

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Peter Cassalette.

München - Löwen-Präsidentschaftsanwärter Peter Cassalette ist ein Mann, der sich weiterentwickeln kann. Das hat er bei seiner Einstellung zur Stadionfrage beim TSV 1860 München bewiesen. 

Es soll der Beginn einer neuen Ära werden, und das haben die Löwen schon mit dem Ort ihrer Einladung dokumentiert. Vor die Wahl gestellt, ob der Präsidentschaftskandidat im ollen Mediencontainer vorgestellt werden soll oder im Saal eines noblen Hotels, entschied sich der TSV 1860 für einen kreativen Mittelweg. Man bat die Medien ins „Impact Hub“, einen loftartigen Arbeitsraum nahe der Großmarkthalle, der viele kleine Startups beherbergt und sich als „Musterbrecher“ versteht. Die Eigen-PR passt vortrefflich zum Krisenklub von der Grünwalder Straße: „Gemeinsam Zukunft experimentieren.“

Unverputzte Wände, ein Podium aus Euro-Paletten, Pappe und Spanplatten. In diesem gewollt unfertigen Ambiente nahmen sie Platz, die vier hohen Herren. Rechts Karl-Christian Bay, der Vorsitzende des Verwaltungsrats. Links Robert von Benningsen, der das Präsidenten-Casting federführend geleitet hatte. In der Mitte die beiden Herren, um die es ging: Peter Cassalette, der Interimschef Siegfried Schneider ablösen will. Und: Hans Sitzberger, Reinigungsunternehmer und Sponsor („Mia kehrn zsam“); einer der designierten Vizes.

Fast eine Stunde musste die älteren Herren auf ihren etwas zu hohen Stühlen ausharren. Bequem sah es nicht aus, doch das Publikum auf der Sperrholztreppe gegenüber (es hätte auch Hängeschaukeln und Sitzsäcke gegeben) wollte nun mal einiges wissen über das Auswahlverfahren an sich und die neuen Löwen-Hoffnungen.

Gestatten, Cassalette! Er soll der neue Ober-Löwe werden

Die Frage aller Fragen stellte und beantwortete Cassalette (ausgesprochen: Kassalett) gleich mal selbst: „Tja, warum macht man sowas?“ Angesprochen habe ihn der Verwaltungsrat, als einen von neun Kandidaten; von Benningsen kannte den Ex-Allianz und FTI-Mann noch aus einer Zeit, als die Löwen einen Wirtschaftsbeirat gründen wollten. Cassalette, 62, jedenfalls, „Hardcore-Fan“ seit den 60er-Jahren, Mitglied seit 1977, brauchte die Dauer eines Urlaubs, um abzuwägen, ob er seiner Gesundheit das antun soll: „Meine Frau sagt immer: Du kriegst irgendwann einen Herzinfarkt beim Fußball – und mit diesem Job ist die Gefahr noch größer.“ Schließlich sagte er natürlich ja. Seine Begründung: „Als Fan habe ich oft gedacht: Hallo, das kann doch nicht wahr sein, was die da oben schon wieder machen?“ Jetzt, sofern ihn die Mitglieder wählen, könne er „zum ersten Mal selbst“ die Geschicke seines Herzensvereins mitbestimmen.

Bei der Auswahl der letzten Präsidenten hatten die Löwen zuverlässig daneben gegriffen. Hep Monatzeder wurde gar nicht erst von der Basis bestätigt, Nachfolger Gerhard Mayrhofer verscherzte es sich schnell mit allen und leitete mit seiner Radikalkur die sportliche Talfahrt ein. Cassalette soll es nun besser machen als seine Vorgänger, und die wichtigsten Kriterien – „Zeit, Unabhängigkeit, Erfahrung“ (Bay) – erfüllt er offenbar. Seit einem Jahr sei er im passiven Bereich der Altersteilzeit angekommen, Kinder habe er keine – außer seinem Hund Toni sei keiner da, der ihn davon abhalten könne, sich die nächsten Jahre im Präsidentenzimmer zu verschanzen. Als „Fulltimejob“, wie er verspricht. Themen, die es anzupacken gilt, gebe es schließlich reichlich.

Die drängendste Frage ist natürlich, wie er mit Hasan Ismaik umzugehen gedenkt, dem arabischen Partner. Cassalettes Ansatz ist, dass er zunächst einen persönlichen Kontakt herstellen will: „Ich muss schauen, ob er zuverlässig ist. Er will kein Investor mehr sein – das mag sein. Aber: Die KGaA muss aufgewertet werden, wenn seine Anteile im Wert steigen sollen, und das geht nur über sportlichen Erfolg. Da muss man relativ zügig einen Weg finden – in die eine oder andere Richtung.“ Sprich: Endlich gemeinsam durchstarten – oder auseinander gehen.

Womit auch die zweite zentrale Frage zusammenhängt: Kann sich 1860 auf Dauer eine „ungeliebte und übergroße Arena“ leisten? Cassalettes Meinung zu diesem heiklen Thema ist: „Das ist ein FC-Bayern-Stadion.“ So denkt er sogar, obwohl er die Teilzeitrente von der Allianz bezieht. Seine Vision sei, „irgendwann mit 1860 in einem eigenen Stadion in der 1. Liga zu spielen“. Der Klassiker aller Löwenfunktionärs-Visionen.

Bei einem Mallorca-Urlaub will Cassalette noch einmal Kräfte sammeln, ehe er in der zweiten Novemberwoche den Wahlkampf verschärft („Das Duisburg-Spiel muss ich wohl oder übel im Megapark von El Arenal anschauen“). Anders als Ex-Boss Mayrhofer, der den Text des 60er-Marsches als Leitlinie wählte, zitierte Cassalette wie einst Peer Steinbrück ein Motto von Alfred Herrhausen, dem früheren Topbanker: „Sagen, was ist. Tun, was man sagt. Sein, was man tut.“ Ein experimenteller Ansatz, der den Löwen-Fans gefallen könnte – wenn er denn (ausnahmsweise) mit Leben gefüllt wird.

Cassalette stellt sich vor: Das sind meine Pläne

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