Investor spricht sich gegen Magath aus

Chaos bei 1860: "Hasan ist verdammt sauer"

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Vermisst bei 1860 Seriosität und eine klare Linie: Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik.

München - 1860-Investor Hasan Ismaik grollt und spricht sich gegen Felix Magath als Trainer aus. Unterdessen steht Coach Fröhling wohl vor dem Aus.

Hasan Ismaik steht in dem Ruf, grundsätzlich eher mürrisch gelaunt zu sein. Die Beschreibung seiner aktuellen Stimmungslage aber klingt fast schon ein wenig bedrohlich. „Hasan ist verdammt sauer“, verlautete aus seinem engeren Umfeld. So gesehen ist es keine große Überraschung, dass sich der Investor des TSV 1860 – nach fast einjähriger Pause – erstmals wieder der Öffentlichkeit zuwandte. Und das in teilweise sehr geharnischtem Ton. „Die haben zu viel von meinem Geld verloren!“, beklagte sich der Geschäftsmann in einem Telefon-Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ über die Misswirtschaft des Fußball-Zweitligisten TSV 1860.

Auslöser von Ismaiks Groll ist die Diskussion um Sportchef Gerhard Poschner, von dem sich der Verein unbedingt trennen möchte: „Wir müssen Poschner bis 2017 bezahlen. Jetzt wollen sie ihn feuern. Wo ist da die Logik? Wir müssen 500 000 Euro bezahlen!“, polterte der Jordanier: „Wenn wir jetzt einen neuen Sportdirektor holen, soll er dann nach einem Jahr wieder gefeuert werden? Drei Millionen, vier Millionen! Einstellen, feuern, einstellen, feuern!“

Auch auf Anfrage unserer Zeitung zeigten sich die 1860-Vereinsoberen nicht bereit, Ismaiks Vorstoß zu kommentieren. Unbestreitbar aber ist, dass sich das Interview ganz danach anhörte, als ob der 38-Jährige aus Abu Dhabi endgültig mit seiner Geduld am Ende ist. Die Meinungsverschiedenheiten um die Münchner Personalpolitik haben allerdings, so war von informierter Seite zu erfahren, eine längere Vorgeschichte. Längst ein offenes Geheimnis ist, dass die Sechziger den in München wohnenden Felix Magath schon seit vergangenem Winter als künftigen Cheftrainer und Sportdirektor favorisieren. Der 61-Jährige, der einst den FC Bayern zweimal zum Double führte, soll aber sein Engagement an eine Bedingung geknüpft haben: Er will, so heißt es, „zwei, drei Prozent“ von Ismaiks Anteilen erwerben. Der Mehrheitsgesellschafter erteilte diesem Ansinnen schon vor einigen Monaten eine strikte Absage und distanzierte sich von einer Verpflichtung Magaths. Zur „SZ“ sagte er nun: „Ich habe Magath abgelehnt. Ein Berater hat mir gesagt: Magath wäre vielleicht der Richtige bei einem anderen Klub. Aber nicht bei 1860.“

Angeblich hatte sich die 1860-Vereinsführung in der Endphase des Abstiegskampfs mit seinem Investor bereits darauf geeinigt, auf Kontinuität zu setzten, also mit Trainer Torsten Fröhling und Sportdirektor Poschner weiterzumachen. Umso erstaunter war Ismaik dann, als ihm Magath nun erneut als künftiger starker Mann der Löwen präsentiert wurde. Ismaik lehnte erneut ab. Und zwar mit dem Ausdruck tiefer Zerknirschung. Es sei ihm da, so Insider, weniger um die Person Poschner gegangen. Sondern ums Prinzip. Er vermisse bei 1860 „Seriosität und eine klare Linie“. Auch die Nachricht vom angeblichen – und bis heute noch nicht dementierten – Rücktritt des Präsidenten passte da ins chaotische Bild.

Zwischenzeitlich soll sogar ein Kompromiss schriftlich fixiert worden sein, wonach Sportchef Poschner noch eine letzte Bewährungsfrist bis zur Winterpause erhält. Falls die Löwen bis dahin einen bestimmten Tabellenplatz erreichen, so der Deal, hätte Poschner weitermachen dürfen. Falls nicht, wäre sein Ende bei 1860 endgültig besiegelt gewesen. Aber auch dieser Plan wurde von 1860-Seite verworfen – wohl auch auf Drängen des Verwaltungsrates hin, der den erfolglosen Geschäftsführer Sport unter allen Umständen los haben möchte. Dem Vernehmen nach habe ein Präsidiumsmitglied im Auftrag des Vereins dem missliebigen Poschner sogar 350 000 Euro angeboten, damit dieser freiwillig seinen Posten räume. Auch dies blieb gestern von der Löwen-Führung unkommentiert.

Was Ismaik nun genau vorhat, ist nur schwer absehbar. Auf die Frage, ob er seine Anteile eventuell doch verkauft, meinte er: „Ich kann darüber nicht reden.“ Bislang hatte er solche Überlegungen stets vehement zurückgewiesen. Andererseits erklärte Ismaik: „Ich will im großen Stil investieren. Wir brauchen einen stärkeren Trainer. Und mehr Spieler.“ Diese Aussage wiederum lässt sich eigentlich nur so deuten, dass der Investor immer noch auf den sportlichen Aufschwung setzt. Allerdings ohne den bisherigen Cheftrainer Torsten Fröhling, mit dem ja Poschner gerne verlängert hätte. Fröhling sagte gestern zur aktuellen Entwicklung: „Das ist alles andere als erfreulich.“ Wie so vieles derzeit bei 1860.

Von Armin Gibis

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