Kapitän trieb sein Team nach vorne

Schindler total aufgepusht: Tête-à-tête mit dem Schiri

+
Schiedsrichter Knut Kircher (l.) schubst Löwen-Kapitän Christopher Schindler.

München - Mit einem Kraftakt retten sich die Löwen in der Relegation gegen Kiel. Sportlich ragte kein Spieler besonders heraus, wohl aber was die Einstellung betrifft: Kapitän Christopher Schindler.

Es war vielleicht die entscheidende Szene des Spiels, und doch ging sie im Trubel und der Hektik rund um das furiose Finale beim 2:1-Sieg der Sechzger gegen Holstein Kiel beinahe unter: Löwen-Kapitän Christopher Schindler hatte bereits während des gesamten Spiels versucht, seine Teamkollegen zu pushen und nach vorne zu treiben. Mit mäßigem Erfolg. Spielerisch ideenlos und ohne Durchschlagskraft präsentierten sich die Sechzger über weite Strecken. Bis zur 77. Minute. Da trat die ganze Verzweiflung, die Wut, der Frust - aber auch der Kampfgeist des 25-Jährigen zu Tage. Zu spüren bekam das kein geringerer als Schiedsrichter Knut Kircher.

Schiedsrichter Knut Kircher (l.) schubst Löwen-Kapitän Christopher Schindler.

Was war passiert? Der Spielführer der Löwen hatte im Kieler Strafraum ein Foul an Kollege Stephan Hain gesehen und wollte unbedingt einen Elfmeter zugesprochen bekommen. Dementsprechend kommunizierte es Schindler aufgebracht und verzweifelt dem Schiedsrichter. Löwe Schindler schien kaum zu bändigen, diskutierte mit dem Unparteiischen von Angesicht zu Angesicht, die Nasen nur wenige Zentimeter voneinander entfernt, und wirkte dabei so aufgepusht, dass Kircher handgreiflich werden musste und das Testosteron-Paket vehement mit dem Arm von sich schubsen musste. Eine Szene, die man selten so sieht. Vor allem, ohne anschließende Bestrafung des Spielers durch den Schiri. "Es war alles respektvoll", schilderte Schindler die Szene nach dem Spiel. "Der Schiedsrichter meinte nur, ich solle ein bisschen Abstand halten. Ich habe ihm klar gemacht, dass er jetzt mal genauer hinschauen soll. Da waren schon drei oder vier brenzlige Situationen im Strafraum", sagte Schindler frech.

Löwen halten Liga! Spiel- und Jubel-Bilder plus Noten

Die an Intensität kaum zu überbietende Szene jedenfalls schien wie ein Weckruf für die Löwen zu sein: Knapp eine Minute später erzielte Daniel Adlung den Ausgleich und plötzlich spielten die am Abgrund stehenden Münchner wie entfesselt auf. "Plötzlich kam jeder zweite Ball zu uns. So verrückt ist Fußball", sagte der Kapitän nach dem Spiel fassungslos. So ergaben sich noch weitere Torgelegenheiten, die schließlich im ekstatischen Siegtreffer von Kai Bülow in der ersten Minute der Nachspielzeit mündeten.

Nach dem Spiel sprach Schindler dann wie ein wahrer Kapitän in die Mikrofone. Äußerte Selbstkritik für die so katastrophale Saison seiner Mannschaft ("Ich bin heilfroh, dass diese Scheiß-Saison vorbei ist"), lobte aber gleichzeitig auch den Willen seiner Truppe sowie die Arbeit des Trainers ("Er ist ein super Trainer. Er hat immer die richtigen Worte gegenüber uns Spielern gefunden"). Ganz besonders dankte Schindler den Youngstern im Team, von denen mit Julian Weigl, Marius Wolf und Korbinian Vollmann drei Spieler eingewechselt worden waren und die Wende mit herbeiführten.

"Die ganzen jungen Spieler, die reingekommen sind - unglaublich, was sie geleistet haben und wie sie uns das Spiel entschieden haben", lobte der Anführer, dem die Erleichterung förmlich anzusehen war: "Das letzte Halbjahr war nicht einfach für mich, weil ich hier zu Hause bin und als Kapitän die Verantwortung trage. Deshalb bin ich so glücklich, dass ich mithelfen konnte, dass mein Verein in der Liga bleibt."

Auch interessant

Meistgelesen

Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block

Kommentare