Mittelfeldabräumer und Psychologiestudent

Rückkehrer Stahl: "Fröhling weiß, wie er uns anpacken muss"

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Zurückgekämpft: Nach langer Verletzungspause stand Stahl (r.) zuletzt wieder in der Löwen-Startelf.

München – Dominik Stahl ist nach langer Verletzungspause wieder fester Bestandteil der Löwen-Startelf. Der Abstiegskampf belastet den Psychologiestudenten auch mental. Der Mittelfeldabräumer lobt Trainer Fröhling.

Es ist durchaus eine Leistung, in dieser Gruselspielzeit der Münchner Löwen zum jetzigen Zeitpunkt der Saison noch das Etikett der Ungeschlagenheit tragen zu können. Dominik Stahl dürfte es sich aber ohne Bedenken ans Revers heften. Große Teile der Saison verpasste der 26-Jährige wegen einer Knieverletzung und stand deshalb erst dreimal auf dem Platz – dabei sprangen aber sieben Punkte heraus. „Mit der Ausbeute bin ich zufrieden“, sagt Stahl mit einem Lächeln. In den vergangenen beiden Partien in Fürth (3:0) und gegen Aalen (1:1) stand der Mittelfeldmann sogar in der Startelf. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so früh schon klappt, aber es freut mich natürlich“, sagt Stahl.

"Es ist schwer, gedanklich abzuschalten"

Freuen konnten sich alle Löwen-Spieler auch über zwei freie Tage, die Trainer Torsten Fröhling nach der Aalen-Partie gewährte. Stahl nutze die Zeit für einen Kurztrip nach Rom. „Es hat gut getan, mal eine fußballfreie Zeit zu genießen“, sagt der Mittelfeldspieler. Komplett zurücklassen konnte Stahl die momentane Situation bei der Reise in die italienische Hauptstadt aber nicht: „Es ist schwer, im Abstiegskampf gedanklich ganz abzuschalten, das hat man irgendwie schon immer bei sich“, gibt er zu. Vielleicht setzt gerade dem Ur-Löwen Stahl (seit 2004 im Klub) die prekäre Situation seines Vereines einen Tick mehr zu als anderen.

Unzählige Spieler hat er an der Grünwalder Straße schon Kommen und Gehen sehen – der Umbruch vor dieser Saison hatte aber auch für ihn ein neues Ausmaß. Lange war die aktuelle Mannschaft als Söldnertrupp verschrien, mittlerweile scheint sich aber ein besonderer Teamgeist entwickelt zu haben. „Auch wenn wir spielerisch nicht glänzen, so kann man uns mangelnde Leidenschaft nicht absprechen“, sagt Stahl. Anteil an dieser Entwicklung hat natürlich auch Fröhling, der zumindest punktetechnisch den Umschwung herbeigeführt hat. „Er weiß, wie er uns anpacken muss“, lobt der 26-Jährige seinen Trainer.

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Dass Fröhling seine Mannschaft mit psychologischen Tricks auf Kurs brachte, ist nicht überliefert. In diesem Bereich ist eher Stahl selbst Experte. Neben der Profikarriere absolviert er nämlich einen Bachelorstudiengang in Psychologie. „Ich hab mich da mal ein bisschen eingelesen, das ziemlich cool gefunden und einfach mal probiert“, berichtet Stahl, der jetzt bereits ins sechste Semester kommt. Im aktuellen Abstiegskampf hilft ihm das Erlernte aber nicht weiter, wie er lachend bestätigt.

Nach der aktiven Karriere soll das Studium aber dabei behilflich sein, Türen in eine zweite Karriere zu öffnen. „Es gibt in vielen Bereichen psychologische Nachfrage“, hat Stahl erkannt und fügt schmunzelnd an: „Und die wird in unserer Gesellschaft auch nicht geringer werden.“ Bis es soweit ist, heißt es aber erstmal im Jahr 2015 den Sturz seines TSV 1860 in die Drittklassigkeit zu verhindern. „Die Mannschaft hat begriffen, welche Stunde hier geschlagen hat“, ist sich Stahl jedoch sicher.

Unverhoffte Hilfe gab es beim Unterfangen Klassenerhalt am Dienstag aus der DFL-Zentrale: Wegen wiederholten Verstoßes gegen Lizenzierungsauflagen wurden dem Abstiegskonkurrenten Aalen zwei Punkte abgezogen. „Da müssen wir so egoistisch sein, um zu sagen, dass das eine gute Nachricht ist“, meint Stahl ehrlich. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt damit also vier Punkte – acht Spiele lang muss dieser noch verteidigt werden.

Nino Duit

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