Löwen gehen auf Tauchstation

1860 zittert: "Dreckssaison" mit Happy End?

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Nicht zufrieden in Kiel: ­Präsident Mayrhofer (2.v.r.) und Vizepräsidentenkandidat Helfer (r.).

München - Das 0:0 aus dem Hinspiel ist gefährlich für 1860. Vor dem Relegationsrückspiel gegen Kiel gehen die Löwen auf Tauchstation. Abgerechnet werden mit den Verantwortlichen soll erst nach dem Schlusspfiff.

Alles spitzt sich zu beim Zwei(einhalb)tligisten 1860, auch die Formulierungen. „Wir müssen jetzt alles hintanstellen, damit wir diese Dreckssaison positiv zu Ende bringen!“, sagte Trainer Torsten Fröhling in den engen Gängen des Kieler Stadions. Und als auch dieses dritte TV-Interview beendet war, da fuhr sich Fröhling mit Daumen und Zeigefinger über die geschlossenen Augenlider – eine Sekunde, zwei… beam’ mich weg von hier, Scotty… spul uns nach vorne… am besten direkt auf Dienstagabend halb neun… es reicht jetzt mit dieser verdammten Ungewissheit!

Allianz Arena wird fast voll sein

Bald ist er da, der Tag des letzten blauen Endspiels, dieser zweiten Relegations-Partie gegen Holstein Kiel, die Kapitän Christopher Schindler mit einem „Pokalfinale“ gleichsetzt. Nicht zu Unrecht, Spannung und Kulisse dürften durchaus Berlin-Niveau erreichen am Dienstag. Die Löwen erwarten 65.000 Zuschauer, 55.000 Tickets sollen laut Pressestelle bereits verkauft sein.

Am Sonntagmittag dieselten die Sechziger im Mannschaftsbus zum Bündeln der letzten Kräfte ins Trainingslager nach Bad Häring bei Kufstein, dorthin, wo sie vor dieser Dreckssaison noch die großen Pläne geschmiedet hatten vom

4-3-3 und spanischer Spielkultur. Insgesamt drei Trainingseinheiten hat Fröhling in Tirol angesetzt, heute Nachmittag geht’s zurück nach München und direkt ins Mannschaftshotel. Morgen noch ein leichtes Anschwitzen, die finale Teamsitzung – und dann raus nach Fröttmaning zum letzten Gefecht.

Mayrhofer: "Jetzt zählt nur der Sport"

„Wir wollen viele Gespräche führen, um die mentale Sache hinzukriegen“, sagte Fröhling am Sonntag kurz vor der Abfahrt. „Ich hoffe, dass wir die Ruhe und Konzentration finden, um das am Dienstag richtig anzugehen.“ In Kiel habe die Mannschaft „gut angefangen, dann aber zu viele einfache Fehlpässe“ gespielt. „Wenn von zehn Pässen acht angekommen wären, dann wäre das Spiel sehr gut ausgegangen für uns, es sind aber nur zwei angekommen, so haben wir uns in die Bredouille gebracht. Wenn wir das abstellen im Rückspiel, dann bin ich guter Dinge. Mit so ’ner Atmosphäre wie gegen Nürnberg wird das wirklich ein Heimspiel.“

Um Optimismus ist auch Gerhard Mayrhofer bemüht: „Grundsätzlich kann man mit einem Unentschieden auswärts zufrieden sein“, meinte der 1860-Präsident. „Aber ein Nullnull ist halt ein gefährliches Ergebnis. Ich hoffe, dass die Kulisse unsere Mannschaft beflügeln wird.“ Torwart Vitus Eicher bringt’s auf den Punkt: „Wir müssen mit Mut reingehen, mit Mut, Mut, Mut!“ Klar habe 1860 als Zweitligist mehr zu verlieren als Kiel. „Aber du kannst auch… naja, nicht unbedingt ein Held werden, aber zeigen, dass du was draufhast.“ Ob sich Eicher schon über die Kieler Elfmeterschützen erkundigt habe? Der Keeper grinsend: „Naja, über drei weiß ich schon Bescheid.“

Und ob auch der Präsident schon weiß, wie es am Mittwoch weitergeht bei 1860? „Wenn das letzte Spiel gespielt ist, dann muss man sich gemeinsam an einen Tisch setzen und über alles reden“, sagte Mayrhofer am Sonntag zur tz. „Aber jetzt zählt nur der Sport.“ Grund zum Überschwang bestehe bei einem Happy End keinesfalls. Mayrhofer: „Wenn es so kommt, wie wir alle hoffen, dann werde ich ein Erleichterungsbier trinken oder zwei, dass wir das minimalste Ziel dieser Saison erreicht haben.“

lk

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