3. Liga: Sechskampf um den Aufstieg

Top-Teams im Check: Die Auswärtslöwen sind schon aufstiegsreif...

Sascha Mölders haucht ein Atemwölkchen in die kalte Giesinger Stadionluft.
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Der heiße Atem der Löwen: Dresden, Ingolstadt und Rostock sollen ihn ab sofort wieder zu spüren bekommen.

In der 3. Liga trennt sich so langsam die Spreu vom Weizen: Sechs Teams setzen sich ab - und werden den Aufstieg wohl unter sich ausmachen. Dresden hat den besten Kader, Ingolstadt Nehmerqualitäten, doch auch 1860 und Türkgücü sind nicht abgeschrieben.

Bereits am Tag vor dem Heim-0:0 gegen Rostock hatte Michael Köllner einen Ausblick auf den Rest dieser intensiven Drittligasaison gegeben. Der 1860-Coach betonte: „Für uns ist es wichtig, dass wir sagen können: Wir sind immer noch dabei. Wir spielen die nächsten Wochen nicht im Niemandsland rum, sondern sind im vorderen Drittel unterwegs.

“Unterwegs sind die Löwen dort mit fünf anderen Teams, die sich gute bis sehr gute Chancen ausrechnen können, bis zum Schluss im Aufstiegskampf mitzumischen. Unsere Übersicht beleuchtet diesen Sechskampf um die vorderen drei Plätze.

Dynamo Dresden (22 Spiele, 44 Punkte)

Es wirkt nicht immer souverän, was der Topfavorit auf den Aufstieg anstellt, aber es reicht unter dem Strich, um die Verfolger auf Distanz zu halten. Verlassen können sich die Sachsen dabei auf die Klasse und Tiefe ihres Kaders – und offensichtlich auf eine intakte Moral. Selbst auf wiederholte Nackenschläge findet das Team von Markus Kauczinski Antworten. Aus einem zweimaligen Rückstand in Köln wurde noch ein 4:2-, aus dem zweimaligen Rückstand gegen Lautern ein 4:3-Sieg. Wie alle Topteams der Welt hat Dynamo aber auch den schmutzigen Arbeitssieg im Repertoire. Zuletzt gezeigt beim späten 1:0-Sieg im Traditionsduell beim 1. FC Magdeburg. Prognose: Dresden steigt auf.

FC Ingolstadt (22 Spiele, 41 Punkte)

Initialzündung war vermutlich der Last-Second-K.o. in der Relegation (Nürnbergs Lucky Punch in Minute 90.+6) – seitdem jedenfalls lässt sich das Team des Motivations-Gurus Tomas Oral durch nichts und niemanden aus der Bahn werfen. Standard beim FCI sind knappe Siege, zur Not mit maximaler Dramatik wie beim 2:1 gegen Köln mit spätem Torwarttor (90.+3) und ganz spätem Siegtreffer (90.+4). Prognose: Wer so eine Moral hat (und nebenbei einen Topkader), der bleibt bis zum Schluss vorne dabei.

Motivationstrainer: Tomas Oral hat dem FC Ingolstadt eine unerschütterliche Siegesmentalität eingeimpft.

Hansa Rostock (22 Spiele, 39 Punkte)

Was Rostock auszeichnet, verdeutlichte Köllner anschaulich. „Sie können mal eben – wie gegen Verl – vier Spieler in der Halbzeitpause einwechseln“, erinnerte der 1860-Coach. Resultat: Hansa drehte das Spiel gegen den starken Aufsteiger (nach 0:2-Rückstand), auch weil die Joker Omladic und Türpitz frischen Wind von der Bank brachten – und späte Wende-Tore. 2021 ist der FC Hansa bislang das beste Team: Vier Siege plus das 0:0 bei den Löwen. Prognose: Heimstärke, eine robuste Abwehr und der 28-Mann-Kader sind Trümpfe, um Platz drei zu festigen.

TSV 1860 (22 Spiele, 38 Punkte)

Streng genommen gibt es in dieser Saison zwei „Sechzigs“: Die souveränen Auswärts-Sechzger (die letzte von nur zwei Niederlagen setzte es Anfang Dezember in Köln) – und die ohne Publikum nur halb so überzeugenden Heimlöwen (in 13 Spielen 21 Punkte nicht geholt). Ansonsten stimmt vieles bei 1860: Teamgeist, Trainer, taktische Flexibilität, beste Offensive der Liga und die zweitbeste Defensive. Was Mut macht: Neun der ausstehenden 16 Spiele finden fernab der Giesinger Geisterkulisse statt. Prognose: Heimkomplex abstellen, dann könnte es für die Relegation reichen.

Wehen Wiesbaden (23 Spiele, 38 Punkte)

Womöglich sind die Löwen nicht ganz unbeteiligt am aktuellen Hoch des SV Wehen (bestes Rückrundenteam). Beim 2:2 kurz vor Weihnachten schlug 1860 dank Glück und Joker Knöferl in der Schlussphase zurück (2:2) – eine Tugend, die sich seither die Wiesbadener zu eigen gemacht haben. Von den zehn Wehen-Treffern im neuen Jahr fielen neun nach der Pause, sechs allein in der Schlussviertelstunde. Auch deswegen ist der Absteiger auf der Überholspur, seit sieben Spielen ohne Niederlage – und schon im Sommer zurück in der 2. Bundesliga? Prognose: Wenn sechs sich streiten, freut sich womöglich der (Tabellen-)Fünfte.

Türkgücü (24 Spiele, 36 Punkte)

Nach fünf sieglosen Spielen und dem Aus für Alexander Schmidt hat sich Türkgücü zurückgemeldet. Interims-Coach Andi Pummer traf in der Kabine den richtigen Ton - und Lucas Röser den Ball zweimal richtig. Ergebnis: 2:1-Sieg gegen Magdeburg – und wieder eine Perspektive im Aufstiegskampf, in den Türkgücü mit zwei Handicaps startet: Zwei Spiele mehr gespielt als die meisten Konkurrenten – und noch kein neuer Trainer in Sicht. Prognose: Der Kader sollte stark genug sein, um oben dabei zu bleiben – der Pummer-Nachfolger hat’s in der Hand.

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