Nichts geht mehr bei den Löwen

Duell gegen sieglose Freiburger macht skeptisch

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Und schon wieder feiern die Anderen: Okoties Löwen trafen einmal, die Gäste aus Braunschweig zweimal.

München - Der Tabellenletzte TSV 1860 ist an einem bedenklichen Punkt angekommen: Nichts will gelingen. Und die anstehenden Aufgaben machen nicht gerade viel Hoffnung.

München – War es Mitleid? Taktgefühl? Resignation? Die selben Löwen-Fans, die vor dem Anpfiff noch mit Teilabsenz und wütenden Plakaten protestiert hatten („Kein Kampf, kein Biss, keine Leidenschaft“) – sie schwiegen plötzlich pietätvoll. Zumindest aber verkniffen sich die treuen Seelen in der Nordkurve die Pfiffe, die ein lausiges Zweitligaspiel verdient gehabt hätte.

Mit 1:2 (1:1) hatte der TSV 1860 die Partie gegen die auswärtsschwachen und auch gestern harmlosen Braunschweiger verloren. Bis auf eine engagierte Phase nach der Pause machte wenig Hoffnung auf bessere Zeiten, doch jetzt, in der Stunde der Not (Platz 18!), schienen alle, die gestern blau trugen, enger zusammenzurücken. „Es ist ihr gutes Recht, das zu machen“, sagte Kapitän Christopher Schindler zu der seltsamen Stimmung vor dem Anpfiff, als die Ultras ihre angekündigte Strafmaßnahme, einen Block- und Stimmungsboykott, in die Tat umgesetzt hatten. „Es ist natürlich nicht so schön. Trotzdem haben sie uns während der 90 Minuten super unterstützt. Da können wir uns überhaupt nicht beschweren.“ Schindler berichtete sogar, dass hinterher, bei diversen Debattierzirkeln am Zaun, der Zuspruch überwogen hätte. „Die meistens Fans waren voller Hoffnung, sie haben gesagt: Es geht weiter, es geht bergauf.“ Tenor sei gewesen: „Macht weiter so! Kämpft einfach – und das ist genau, worauf es ankommt.“So weit ist es gekommen, dass zahlende Fans die 1860-Profis aufbauen müssen – weil es sonst wenig gibt, an das sich der Anhang in dieser komplett entgleisten Situation klammern kann. Als zu Saisonbeginn alles neu war und nicht lief, hieß es seitens der Vereinsführung: Wird schon, alles braucht Zeit. Dann kam die Phase, in der Korrekturen veranlasst wurden (Markus von Ahlen für Ricardo Moniz) – bei anhaltendem Misserfolg. Und jetzt ist die Saison in einem Stadium angelangt, das nichts Gutes verheißt. Die Spieler zeigen Willen, sie kämpfen – doch nichts will gelingen.

1860 gegen Braunschweig desolat: Sechs Mal Note 5

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Das kann dann so aussehen wie gestern, bei der dritten Niederlage in Folge: Der Gegner geht in Führung, weil ein Löwe, Daylon Claasen, ins Leere grätscht (Zuck, 18.), er trifft nach Schindlers Ausgleich (Kopfball nach Adlung-Freistoß, 38.) per Sonntagsschuss (Korte über Ortega hinweg, 49.). Zwei Chancen, zwei Tore. Die Löwen dagegen: Pech beim Abschluss, Pech bei engen Strafraumszenen. Yannick Stark traf nach einer Chancen-Trilogie den Pfosten (62.) statt ins leere Tor, der eingewechselte Marius Wolf blieb am famosen Eintracht-Keeper Gikiewicz hängen, und als der nachsetzende Kai Bülow im Strafraum zu Fall kam, gab es natürlich: keinen Elfmeter.

„Wir sind angerannt ohne Ende, haben Druck gemacht, wurden aber nicht belohnt“, stellte Bülow nüchtern fest. „Wenn du unten stehst, musst du dir das Glück noch härter erarbeiten“, räsonierte Schindler. Willkommen im Abstiegskampf. Selbst Gästetrainer Torsten Lieberknecht musste zugeben, dass die Partie auch anders hätte ausgehen können: „Das war heute kein reines Glück, aber in der einen oder anderen Situation hatten wir eben dieses Quäntchen, das du braucht, um drei Punkte zu holen.“

Die Löwen dagegen haben: keine Punkte, keine Mannschaft mehr hinter sich – und wenig Aussicht auf bessere Zeiten. Nach dem Pokalspiel gegen Freiburg geht es nach Bochum, danach kommen die seit acht Spielen unbesiegten Düsseldorfer. Es wird ein langer, steiniger Weg, um von dort unten wegzukommen, doch Markus von Ahlen sagt: „Wir haben uns anders präsentiert als in Aue. Als Trainer orientiere ich mich an den Inhalten, und da habe ich heute Fortschritte gesehen.“

Vielleicht hilft es seinem verunsicherten Team, dass am Mittwoch ein Pokalspiel ansteht. Das prominente Beispiel Dortmund zeigt ja gerade, dass es auch wettbewerbsbezogene Krisen geben kann. „Vielleicht können wir uns mit einem Erfolgserlebnis gegen Freiburg ein wenig Selbstvertrauen zurückholen“, sagte Bülow. Immerhin: Auch die in dieser Bundesliga-Saison sieglosen Gäste warten schon lange auf eine Trendwende. Doch gerade das sollte langjährige Löwen-Fans umso skeptischer machen.

Uli Kellner

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