Mutlose Löwen

Möhlmann fehlt auch in Mainz

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Gesprächsbedarf: Adlung nach dem Schlusspfiff in Fürth in der Fankurve. „Die Stimmung kippt“, ahnt er.

München - Es wird düster für den TSV 1860. Die Münchner Löwen sind weiter ohne Sieg und am kommenden Sonntag kommt es zum absoluten Kellerduell gegen den MSV Duisburg.

Es dauerte zwei Stunden, bis die Reisegruppe des TSV 1860 den Ort ihres neuerlichen Tiefpunktes verließ. 22.15 Uhr war’s am Freitagabend, als der Bus mit den enttäuschten Derbyverlierern in Fürth vom Hof rollte, und der Grund für die verzögerte Heimfahrt lag auf der Hand. Gesprächsbedarf gibt’s reichlich beim weiterhin sieglosen Tabellen-17. – an allen Fronten, wenn man auch die wütenden, gegen die Geschäftsführung gerichteten Fanreaktionen („Basha raus!“) zum Maßstab nimmt.

Es brodelt – im Umfeld, in der Kabine. Und die Klausur nach der zweiten 0:1-Pleite in Folge wurde schon frühmorgens fortsetzt. Auch am Samstagvormittag dauerte es länger als üblich, bis die 1860-Profis aus der Kabine kamen, um sich ihren Frust aus den Beinen zu laufen. Geleitet hatte die Krisensitzung erneut Torwarttrainer Kurt Kowarz, unterstützt von Assistenzcoach Collin Benjamin. Benno Möhlmann, den die Löwen als erfahrenen Krisenhelfer verpflichtet hatten, ist weiterhin krank geschrieben.

1860 München: Trainerwechsel bereits verpufft?

Der Trainerwechsel – wohl schon jetzt verpufft, wobei Möhlmann letztlich am meisten Mitleid verdient. Nach seiner Gallen-OP ist der 61-Jährige inzwischen raus aus dem Krankenhaus, doch auch für das morgige Pokalspiel steht er nicht zur Verfügung. Gesundheit geht vor – und Mainz (morgen, 19 Uhr) ist in dieser Woche auch nur das zweitwichtigste Spiel. Am Sonntag gegen den punktgleichen Tabellenletzten Duisburg geht es praktisch um alles. „Letzte Chance will ich nicht sagen, aber jeder weiß, dass wir da unbedingt gewinnen müssen“, mahnte der glücklose Stürmer Rubin Okotie. Statistisch gesehen sind die Löwen schon jetzt nicht mehr zu retten. Teams, die nach zwölf Spieltagen ohne Sieg waren, sind seit Einführung des Profifußballs noch immer abgestiegen.

Besorgniserregend ist vor allem, dass der innere Zusammenhalt seit der Demission des Kumpeltypen Torsten Fröhling verloren gegangen scheint. Junge Spieler wie Marius Wolf sind kaum wiederzuerkennen, verdiente Stützen dieses Teams wirkten seltsam gehemmt (Adlung, Schindler), und auch das Pech, das der Verein mit dem Trainerwechsel abstreifen wollte, ist weiterhin ein treuer Begleiter. In der besten Szene der Löwen rettete erst die Latte für Fürth, dann der famose Mielitz zweimal auf der Linie (gegen Kagelmacher). Zuvor hatte Schindler einen Freistoß ins Tor geköpft – aus Abseitsposition. Und einen Elfmeter (Sukalo an Liendl) forderte Kowarz ebenso vergeblich ein wie eine Rote Karte für Fürth, nachdem Sukalo Leichtgewicht Wittek ins Seitenaus gegrätscht hatte.

Interimscoach Kowarz grollt gegen Mannschaft

Unter dem Strich war die Leistung der Löwen aber auch nicht so, dass die Niederlage überraschend kam. Kein Tempo, keine Ideen, kein Aufbäumen nach dem Rückstand. „Die Mannschaft muss endlich aufwachen und das umsetzen, was wir unter der Woche trainieren“, grollte Kowarz, der vom Team offenbar nur bedingt als Autorität angesehen wird.

Beobachtern zufolge soll bereits das Abschlusstraining in München lethargisch gewirkt haben, gespenstisch still. Exemplarisch für einen Mangel an Körperspannung dann der Auftritt von Adlung in Fürth. Sein erster Pass im Spiel landete unbedrängt im Aus, ebenso sein vorletzter – und den Freistoß in der Nachspielzeit löffelte er so drucklos in den Strafraum, dass dem introvertierten Kowarz hinterher der Kragen platzte. „Fahrlässig“, klagte er an: „Es ist nicht zu verzeihen, dass dieser Ball nicht Richtung Tor gekommen ist.“

Immerhin: Ausflüchte suchte keiner. Nicht mal Adlung, dem es kaum gefallen haben wird, öffentlich derart bloßgestellt zu werden. „Letztlich ist es egal, wer an der Seitenlinie steht“, hatte er zuvor gesagt: „Wir waren gut eingestellt. Aber wir konnten erneut nicht punkten. Das geht allein auf unsere Kappe.“

Von Uli Kellner

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