Ex-Löwe und -Clubberer im tz-Interview

Ziemer über das Derby: "Mir blutet das Herz"

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Begabter Techniker und Publikumsliebling: Thomas Ziemer im Löwen-Trikot (1994) und im Dress des 1. FC Nürnberg (1999).

München - Vor dem Derby der Nürnberger gegen den TSV 1860 sprach die tz mit Ex-Löwe und Ex-Clubberer Thomas Ziemer über Probleme und Hoffnungen bei „seinen“ Vereinen.

Er war Publikumsliebling beim TSV 1860, kickte von 1991 bis ’94 für die Löwen, doch seine sportliche Heimat ist der „Club“, bei dem er zehn Jahre in der Jugend und von 1997 bis 2000 bei den Profis gespielt hat. Die Rede ist vom gebürtigen Nürnberger Thomas Ziemer, der mit heute 45 Jahren die DFB Trainer A-Lizenz besitzt, als Chefscout für die Berateragentur seines Stiefvaters Fritz Popp arbeitet und so talentierte Spieler wie Edgar Prib, Sercan Sararer oder Roberto Hilbert ins Profigeschäft befördert hat. Vor dem Derby der Nürnberger gegen den TSV 1860 sprach die tz mit Ziemer über Probleme und Hoffnungen bei „seinen“ Vereinen.

Herr Ziemer, Sie haben im Vorgespräch erzählt, dass Sie gerade beruflich beim FC Ingolstadt waren. Wächst da die dritte Kraft im bayerischen Fußball heran?

Ziemer: Das kann sehr gut sein. Unglaublich, was die für ein Jugendleistungszentrum hingestellt haben. Da wird mit Verstand und Geld sehr viel bewegt, was nachhaltig ist. Und bei der Profimannschaft läuft es hervorragend, seit Ralph Hasenhüttl als Trainer übernommen hat. Ich war beim 3:0 gegen Bochum im Stadion, da siehst du eine Qualität auf dem Platz, die teilweise schon Erstligaformat hat. Würde mich nicht wundern, wenn die aufsteigen.

Beim Club und bei 1860 kann von solchen Zielen derzeit keine Rede sein.

Ziemer: Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was beim Club und bei 1860 passiert. Es ist einfach nur traurig, was da in den Führungsetagen abläuft. Beim Club ist das größte Theater vielleicht vorüber, bei 1860 wohl noch lange nicht. So lange an dieser Front keine Ruhe einkehrt, wird es auch sportlich keine Konstanz geben.

"In der Regel bekommst du im Winter keine Verstärkungen"

Martin Bader hat zugegeben, dass die sportliche Situation „kein Zufall, sondern eine Folge von Fehleinschätzungen“ ist.

Ziemer: Der Umbruch nach dem Abstieg war enorm, da hat man sich bei manchen Spielen – Stand jetzt – getäuscht, was die Spielweise in der Zweiten Liga angeht. Rein wirtschaftlich kann man Bader wenig nachsagen, der Club steht solide da. Aber man hätte in der Vergangenheit vielleicht mehr fußballerische Kompetenz in den Verein holen sollen. Ein Stefan Reuter hätte dem Club gut gestanden.

Bei 1860 wurde eben dieser Reuter vom Hof gejagt.

Ziemer: Geduld ist bei vielen Traditionsvereinen eben ein Fremdwort. Da gibt es nur super oder furchtbar. Und wenn dann die Fußballkompetenz in den Gremien fehlt, dreht sich das Personalkarussell eben schnell und schneller. Am Ende hast du einen Kader, der viele Stempel trägt. Und daraus soll dann – natürlich schnell – eine Einheit werden. Unmöglich.

Beide Vereine erwägen nun, im Winter nachzukaufen, vor allem im Sturmzentrum gibt es im Moment keine Alternativen zu Jakub Sylvestr und Rubin Okotie.

Ziemer: Ja, Peniel Mlapa ist verletzt, auch bei Sechzig hat man gegen Frankfurt gesehen, woran es hapert. Aber diese Hoffnungen auf Winter-Zugänge – ich weiß nicht. In der Regel bekommst du im Winter keine wirklichen Verstärkungen, sondern entweder unterklassige Spieler oder Leute, die anderswo auf der Bank sitzen. Treffer sind die Ausnahme.

18 Dinge über 1860, die Sie noch nicht wussten

18 Dinge über 1860, die Sie noch nicht wussten

Ihr Ex-Trainer Werner Lorant hat kürzlich angemerkt, dass den aktuellen Löwen die Mentalität für den Abstiegskampf fehle. Stimmen Sie zu?

Ziemer: So weit will ich nicht gehen. Ich kann nur sagen, dass wir unter Lorant fast alles über die Einstellung und den Kampf gemeistert haben. Auch in Nürnberg haben wir mit Felix Magath nicht den schönsten Fußball gespielt. Aber wir haben gewusst, worauf es ankommt. Du darfst keinen Zweikampf scheuen, jeder muss für den anderen laufen. Und dann musst du dich an jedem Erfolgserlebnis hochziehen, reinhauen im Training, was geht. Anders kommst du unten nicht raus.

Reicht die Qualität?

Ziemer: Es gibt sicherlich schlechter besetzte Mannschaften in der Liga als den Club und 1860. Aber wenn ich mir das Restprogramm in diesem Jahr anschaue… Da muss gerade Sechzig enorm aufpassen, dass sie nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern. Die Liga ist zwar nicht die beste aller Zeiten, das ist Quatsch, aber es gibt keine Punktelieferanten mehr. Das haben der Club und 1860 schmerzlich erfahren müssen.

Wie geht’s aus am Montag und zu wem halten Sie?

Ziemer: Ich tippe auf ein 1:1. Für wen ich bin, kann ich bei diesem Spiel nicht beantworten. Ganz ehrlich: Ich würde mich für jeden verdienten Sieger freuen.

Interview: lk

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