Finstere Drohungen, bittere Klagen

Ismaik: Poschner hatte den 1860-Aufstieg versprochen

+
Nicht immer ganz bei der Sache: Hasan Ismaik bei seinem letzten Besuch in der Allianz Arena.

München – 1860-Finanzier Hasan Ismaik sorgt weiter für vorweihnachtlichen Wirbel und fühlt sich getäuscht. Dreht er den Geldhahn zu?

Die E-Mail traf am Montag in der Stunde vor Mitternacht ein. Eigentlich war von den Empfängern nur erwartet worden, dass Hasan Ismaik damit die von ihm in einem Londoner Nobelhotel geführten Interviews autorisieren würde. Doch der so streitbare Jordanier hatte sein Schreiben an Münchner Journalisten noch mit eine Zusatz versehen, der fast wie eine Kriegserklärung an den TSV 1860 klang. „Ich bin nicht mehr dazu bereit, neue Kredite zu geben, noch alte Kredite in Genussscheine umzuwandeln, solange die Art und Weise, wie der Verein verwaltet wird, sich nicht ändert“, ließ er wissen. Eine bedrohlich klingende Hiobsbotschaft war das, wenige Tage vor Weihnachten. Könnte doch die Verweigerung weiterer Finanzmittel für die Löwen durchaus zu Insolvenz und Lizenzentzug führen.

Seinen aktuellen Groll unterstrich Ismaik mit dem Zusatz: „Entweder spürbare Veränderungen oder keine Investitionen – denn ich bin es satt, ... die beschämenden Niederlagen des Vereins hinzunehmen, die uns übrigens nicht nur in die Dritte Liga führen würden, sondern in die Amateurliga.“ Seine Gesamteinschätzung der Lage: „Wir sind momentan kein Fußballverein, sondern ein Verein der Absurditäten.“

Ismaik beschädigt seine eigene PR-Aktion

Allerdings war es eben Ismaik, der am vergangenen Wochenende nichts unversucht gelassen hatte, um sich als prominentester Teil dieser Absurditäten zu profilieren. Erst lud er Münchner 1860-Reporter zu einer Privataudienz nach London, erweckte dort den Eindruck, seine Anteile an der Fußballabteilung des TSV 1860 verkaufen zu wollen, um am Tag darauf die Medienleute bis in die Nachtstunden zappeln zu lassen und ihnen dann reichlich verspätet die Autorisierung ihrer Texte zuzusenden. Ismaik hatte somit seine eigene PR-Aktion schwer beschädigt.

Ebenso merkwürdig war, den Löwen eine Art Verschwörung zu unterstellen. „Ich habe mich schon gefragt: Ist der rasante sportliche Abstieg ein Druckmittel, damit ich verkaufe?“ In diesem Zusammenhang nannte Ismaik auch den Ex-Interimspräsidenten Siegfried Schneider: „Er ist immer noch aktiv im Hintergrund und kontrolliert alles.“ Sehr ominös hörte sich auch die Aussage an: „Im Verein gibt es eine Person mit der Agenda, nicht aufzusteigen. Die Löwen wollen nicht aufsteigen. Es gibt eine Person, die alles kontrolliert.“

Finstere Mutmaßungen verbindet der Geschäftsmann auch mit der wirtschaftlichen Lage des Vereins: „Seit dem Gewinn der Meisterschaft 1966 leidet 1860 unter totaler Misswirtschaft. Oder ist es Korruption?“ Seine Klage: „Was ist das für ein Verein, in den ich 40 Millionen Euro gesteckt habe, und nun ist kein Cent mehr da.“ Offenbar arg getäuscht fühlt er sich von Gerhard Poschner, dem früheren Geschäftsführer Sport: „Er hatte mir eine grundlegende Kursänderung versprochen. Er würde gerade säen, damit wir die Früchte ernten können. Kaiserslautern ist damals auch aus der Zweiten Liga aufgestiegen und dann direkt Meister geworden. Er würde den Aufstieg schaffen, hatte er versprochen.“

Ismaik: 50+1 aufheben oder Ausnahme zulassen

Gleichzeitig bemühte sich Ismaik im Londoner Gespräch, sich als großer Löwen-Fan mit noch größeren Zielen darzustellen: „Ich könnte alles dafür tun, dass 1860 so erfolgreich wird wie Chelsea, Manchester City. Das geht aber nicht, weil in Deutschland die Gesetze so schwierig sind.“ Womit er offenkundig die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) meinte. Nicht von ungefähr fragte er: „Warum unterstützt es die DFL nicht, dass Klubs erfolgreiche Wirtschaftsunternehmen werden könnten?“ Ismaik wüsste dafür auch schon eine Lösung: „Die DFL sollte die 50+1-Regel aufheben. Oder eine Ausnahme zulassen wie beim AC Mailand.“ Seinen „Lebenstraum“ formulierte er so: „Ich will mit 1860 München in der Ersten Liga gegen den FC Bayern spielen und ihn besiegen.“ Den frommen Wunsch verband er mit dem Bekenntnis: „Ich liebe den Verein so, wie ich mich selbst liebe.“

Zu den Widersprüchlichkeiten in Ismaiks Aussagen zählte auch, dass er anklingen ließ, seine Anteile an 1860 – trotz inniger Vereinsliebe – unter Umständen zu verkaufen. Er nannte dafür zwei Bedingungen: „Die Fans müssen mehrheitlich sagen, dass ich gehen soll. Und ich muss die vollständige Summe, die ich investiert habe (38,3 Millionen Euro/Anm. d. Red.), wieder zurückerhalten.“

Ein langjähriger Löwen-Fan hat Ismaik am Dienstag sogleich beim Wort genommen und im Internet (www. change.org) eine Petition gestartet. Die entsprechende Zeile: Soll Hasan Ismaik sein Engagement beenden? Ein erstes Meinungsbild ermittelte auch das Internetportal dieblaue24. Die Frage lautete: Soll Hasan Ismaik seine Anteile an 1860 verkaufen? 91 Prozent von den bis Dienstag über 4500 Usern votierten mit: „Ja, bitte: Das ist nicht mehr mein Sechzig!“

Auch interessant

Meistgelesen

Löwen wollen jetzt zusammenhalten - aber wie?
Löwen wollen jetzt zusammenhalten - aber wie?
Personal, Taktik, Tickets: Die wichtigsten Fragen zur Relegation
Personal, Taktik, Tickets: Die wichtigsten Fragen zur Relegation
Ex-Löwe Pentke im tz-Interview: „Bei uns ist immer Spektakel“
Ex-Löwe Pentke im tz-Interview: „Bei uns ist immer Spektakel“
Ticker: Irre Schlussphase ohne Ertrag - Löwen mit Remis
Ticker: Irre Schlussphase ohne Ertrag - Löwen mit Remis

Kommentare