Frankfurt-Coach im tz-Interview

Möhlmann: "Auswärtsspiele sind einfacher"

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Benno Möhlmann ist ein absoluter Zweitliga-Experte.

München - Nürnberg, Sandhausen, Fürth, Aalen – vier Auswärtssiege hat der FSV Frankfurt in dieser Saison bereits eingefahren. Folgt am Sonntag bei 1860 der fünfte Streich? Die tz unterhielt sich mit FSV-Trainer Benno Möhlmann (60), der mit Olaf Marschall neuerdings auf einen prominenten Chefscout zurückgreifen kann.

Herr Möhlmann, wie froh sind Sie, mit Ihrem Team wieder auf Reisen gehen zu dürfen?

Möhlmann: Ich kann nicht wegdiskutieren, dass wir auswärts besser gepunktet haben als zu Hause. Aber das heißt ja nicht, dass es immer so weitergehen muss. Statistik gewinnt keine Spiele.

Trotzdem sind die Zahlen bemerkenswert. Vierter in der Auswärtstabelle mit zwölf Punkten, Letzter in der Heimtabelle mit drei Unentschieden…

Möhlmann: Ja, so krass hab ich den Unterschied auch noch nie erlebt. Nicht mal umgekehrt.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Möhlmann: Nicht zu hundert Prozent. Ich denke, dass in der Zweiten Liga die individuelle Qualität generell nicht so hoch ist, um auf Abruf ein Spiel dominieren zu können. Du triffst zu Hause meistens auf Gegner, die defensiv gut stehen und auf Konter lauern. Vom taktischen Ansatz her sind Auswärtsspiele einfacher zu führen.

Man könnte sich doch auch daheim gepflegt hinten reinstellen...

Möhlmann: Ja, aber welches Publikum würde das akzeptieren? Der FSV ist jetzt auch schon ein paar Jahre in der Zweiten Liga, da wollen die Leute sehen, dass ihre Mannschaft aktiv ist. Davon abgesehen: Ich hätte auch nicht die Nerven dafür, dass wir die Bälle nur hinten wegkloppen und jede Woche eine Abwehrschlacht liefern. Der Spaß beginnt doch erst mit Ballbesitz und offensiven Angriffsvarianten.

Wie viel Spaß werden die FSV-Fans in München haben?

Möhlmann: Ich hoffe, dass sie sich über Punkte freuen können. Natürlich werden wir Wert drauf legen, sicher zu stehen, Lücken zu finden und unsere Angriffe zügig vorzutragen. Wir haben 1860 beobachtet. Aber die uns auch.

Sie sind seit 40 Jahren im Profigeschäft, seit 22 Jahren Cheftrainer. Wie sehr haben Sie sich im Umgang mit den Spielern verändern müssen?

Möhlmann: Du musst mehr erklären und argumentieren als früher. Die Mehrheit der Spieler heutzutage will detaillierte Hintergrundinfos haben, Spieldaten, Zeiten, Videomaterial. Das ging Mitte der Neunziger los, sicher haben da auch die Berater eine Rolle gespielt. Zu meiner Zeit als Spieler waren die Trainer Götter, da wurde nicht viel hinterfragt. Das lässt sich mit heute nicht mehr vergleichen.

Heute spricht alles vom Umschaltspiel, macht Matchpläne – wie stehen Sie zum modernen Trainer-Vokabular?

Möhlmann: Das wird halt so gelehrt in der Trainerausbildung. Jeder wie er will. Ich bleib beim Kontern und bei der Taktik. Und statt vertikal darf bei mir auch gerne noch ein Steilpass gespielt werden (lacht).

Beruhigend.

Möhlmann: Mich nerven andere Dinge. Wenn beim Gerede über moderne Trainer suggeriert wird, dass die Alten keinen Durchblick mehr haben, dann kommt mir die Galle hoch. Wir leben nicht hinterm Mond, die moderne Technik ist auch zu uns vorgedrungen. Ich habe auch einen Laptop – nur eben nicht auf der Trainerbank.

Fühlen Sie sich unter Wert verkauft, wenn Ihr Name als Inbegriff des Zweitliga-Trainers gehandelt wird? 

Möhlmann: Nein. Klar hätte ich gerne ein paar Jahre mehr in der Bundesliga gearbeitet, aber nach dem Abstieg mit Bielefeld 2002 hat sich das nicht mehr ergeben. Ich hatte tolle Jahre in Fürth und Braunschweig, jetzt macht es mir beim FSV Spaß. Sicher, es wird alles immer oberflächlicher, schnelllebiger. Aber dafür wird auch schneller vergessen. Und das kann durchaus seine Vorteile haben.

Interview: lk

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