Uru beendet Urlaub vorzeitig

1860: Neue Rolle für Gary Kagelmacher

+
Gary ­Kagelmacher.

München - Das nennt man vorbildlich. Obwohl Gary Kagelmacher noch etwas länger in seiner Heimat Urlaub hätte machen dürfen, flog er einen Tag früher aus Uruguay nach München zurück. Von Südamerikanern ist man eigentlich eher das Gegenteil gewohnt.

„Ich habe mir einfach gedacht, dass es Zeit ist, jetzt schnell zu den Löwen zurückzukommen“, sagt der deutschstämmige Abwehrmann. „Die Mannschaft hatte bereits ein paar Tage trainiert und sogar ein Testspiel bestritten. Ich wollte einfach wieder dabei sein.“

Sowas kommt auch gut an bei den Fans der Blauen, die den 27-jährigen „Uru“ dank seiner starken Rückrunde inzwischen ins Herz geschlossen haben. In der Vorrunde sah das noch ganz anders aus. „Das hatte natürlich seine Gründe“, sagt Kagelmacher. „Ich bin vor einem Jahr zu 1860 gekommen, als dort die Sommervorbereitung schon begonnen hatte. Dazu habe ich mich auch noch mit Verletzungen herumgeschlagen. In den ersten Punktspielen habe ich dann schnell gemerkt, dass du im deutschen Fußball nur mithalten kannst, wenn du hundertprozentig fit bist.“

Über diese und andere Erfahrungen in seinem ersten Jahr in München berichtete Kagelmacher während seines Urlaubs in Montevideo auch als Gast einer Talkshow beim Sportsender Fox. „Als ich dort erzählt habe, dass wir als Abstiegskandidat in zwei Heimspielen 60.000 und 70.000 Zuschauer hatten, haben alle nur gestaunt. In der zweiten Liga in Uruguay kommen 200 oder 300.“

Dass er künftig nicht mehr Rechtsverteidiger sondern „Sechser“ beim TSV 1860 spielen soll, wusste Kagelmacher zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt. „Herr Poschner meinte, dass ich in der zentralen Achse besser aufgehoben bin“, erzählt Kagelmacher. „Als rechter Verteidiger kannst du für eine gewisse Zeit auch mal aus dem Spiel sein.“

Ein Zeichen für die Wertschätzung, die Kagelmacher inzwischen an der Grünwalder Straße genießt. Wohl auch, weil er sich sehr für die Geschehnisse in diesem turbulenten Klub interessiert: „Ich habe bei 1860 meine Arbeitsstelle, da kann ich doch nicht einfach sagen, das interessiert mich nicht. Ich mache mir meine Gedanken. Zum Beispiel darüber, warum wir drei Trainer in einer Saison hatten, die dann verschiedene Systeme spielen oder die ganz unterschiedliche Mentalitäten haben.“

Diese und viele andere Erkenntnisse hat Kagelmacher, der mit seiner Frau und seinem kleinen Töchterchen in Bogenhausen wohnt, mittlerweile gewonnen. Zum Beispiel auch, dass in der deutschen 2. Liga alles möglich ist: „Als ich mit Monaco in der 2. französischen Liga spielte, hatten wir Gegner, da wussten wir, die schlagen wir 3:0 oder 4:0. In Deutschland gibt’s das nicht. Da kannst du daheim gegen Aue verlieren und eine Woche später einen Punkt in Leipzig holen. Da ist nichts sicher." Nicht mal, dass man einem brutalen Abstiegskampf entgeht. Kagelmacher: „Es war brutal. Unmittelbar nachdem wir gegen Kiel die Relegation erfolgreich beendet haben, war ich nur noch tot im Kopf...“

Radeln, Rennen, Romuald - Bilder vom Löwen-Training

tz

auch interessant

Meistgelesen

Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Rekord-Löwe Ribamar feiert Debüt - „Er hat’s gut gemacht“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Lacazette: „Mein Ziel heißt Stabilität“
Taktikexperte erklärt: Darum ist das Pereira-System gut für 1860
Taktikexperte erklärt: Darum ist das Pereira-System gut für 1860
Auf diesen Positionen müssen die Löwen nachbessern
Auf diesen Positionen müssen die Löwen nachbessern

Kommentare